Musikgespräch

Visuelle Musik: Wie der Lichtkünstler Laurenz Theinert mit György Ligeti umgeht

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Martin Hagen
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Laurenz Theinert
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Dominic Konrad

„Es war für György Ligeti ein großer Reiz, den Raum zwischen Hören und Sehen zu öffnen“, sagt Laurenz Theinert. Der Stuttgarter Lichtkünstler trat am 23. März im Rahmen der ARD-Woche der Musik mit dem SWR Symphonieorchester auf. Im Gespräch erklärt Theinert, warum sich Ligetis Musik besonders gut für audio-visuelle Experimente eignet und wie das von ihm entwickelte Visual Piano funktioniert.

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Ligeti mit Lichtinstallation im Rahmen der ARD-Woche der Musik

Vom 20. bis 26. März beschäftigt sich die ARD-Woche der Musik mit einem der wichtigsten Vertreter der Neuen Musik, György Ligeti. Seine Musik ist dem großen Publikum vor allem auch dank Stanley Kubricks Filmen „2001: Odyssee im Weltraum“ oder „Eyes Wide Shut“ im Gedächtnis geblieben.

Auch für den Stuttgarter Lichtkünstler Laurenz Theinert war Kubrick der erste Berührungspunkt mit Ligetis Musik. Er schätzt an ihm seine Offenheit: „Mir ist es wichtig, dass ich eine Musik habe, die keine Erwartungen erzeugt“, so Theinert.

Im Konzerthaus Freiburg trat Theinert am 23. März gemeinsam mit dem SWR Symphonieorchester das Schulkonzert „Das Ligeti-Experiment“ zur Aufführung. Theinert begleitete das Orchester an seinem Visual Piano. Es ist bereits die dritte Zusammenarbeit.

„Das Ligeti-Experiment“: Video zum Konzert

Viel mehr als und doch gerade eine „Lichtorgel“. Theinerts Visual Piano

Laurenz Theinerts Visual Piano funktioniere grundsätzlich wie ein Midi-Piano. Doch statt Midi-Sounds erzeugt das Instrument in Echtzeit grafische Muster.

Es spiele sich tatsächlich wie ein Musikinstrument, sagt Theinert. Auch wenn der Begriff „Lichtorgel“ im allgemeinen Sprachgebrauch anders verwendet werde, sei er durchaus treffend für sein Visual Piano, meint der Künstler. Wie bei einer Orgel habe er Register, innerhalb derer er spielen und improvisieren könne.

Theinerts Ziel ist es, eine „visuelle Musik“ zu erzeugen: „Das heißt, das visuelle Erlebnis ist live gespielt über das Instrument, wie die Musik auch. Es füllt den ganzen Raum, so wie die Musik den ganzen Raum füllt.“ Er selbst habe keine Botschaft, so Theinert, und das passe zu Ligeti, der selbst geäußert habe, dass seine Musik keine vorgegebene Botschaft in sich trage.

So tickt Ligeti: 100 Metronome, 9 Schüler, 1 Konzert

Ligetis Musik in Licht zu fassen ist eine besondere Herausforderung

Offene Kompositionen wie die von Ligeti oder Messiaen sind für Lichtkünstler Theinert eine besondere Herausforderung. Es sei deutlich einfacher, wenn man sich an einen Rhythmus oder an eine Melodie hängen könne.

Doch genau diese Schwierigkeit gefällt dem Stuttgarter: „Da ist das Schöne, dass man auch mal eine Gegenwelt aufbauen kann, wo dann dieses Audiovisuelle wirklich strapaziert wird, bis es droht auseinander zu fallen.“

Ligetis Musik, so Theinert, sei grandios, um damit zu spielen, den Raum zwischen Hören und Sehen zu gestalten.

ARD-Woche der Musik 2023 Das Ligeti-Experiment

Der Komponist György Ligeti (1923-2006) hätte 2023 seinen 100. Geburtstag gefeiert – sein bahnbrechendes Werk hat nichts von seiner Faszination verloren. Die ARD lässt Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Woche der Musik vom 20. bis 26. März 2023 in Ligetis besondere Klangwelt eintauchen. Hier gibt es die Beiträge des SWR im Überblick.

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