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Eine neue Einspielung von Beethovens 5. Sinfonie mit dem russischen Orchester MusicAeterna unter der Leitung von Theodor Currentzis ist erschienen. Christine Lemke-Matwey ist begeistert von der Aufnahme und stellt sie vor.

Mit seinem russischen Orchester MusicAeterna ist Currentzis zuletzt verschiedentlich mit Beethoven-Zyklen in Erscheinung getreten, in Salzburg oder in London. Im Wiener Konzerthaus hat er zwei Sinfonien eingespielt, die Fünfte und die Siebte, und dass von diesen beiden Beethoven-Knallern als erstes nun die Fünfte auf CD erscheint, könnte man fast als Provokation begreifen. Ist zu dieser Musik seit Toscanini und Harnoncourt nicht auch an der aufgeklärten Front alles gesagt? Will die Welt das berühmteste Vier-Ton-Motiv der Musikgeschichte wirklich immer wieder neu hören?

Historische Instrumente, viel historisch informierte musikalische Rhetorik und exakt befolgte Metronomzahlen: Auf diesen Pfeilern ruht Teodor Currentzis‘ Beethoven-Verständnis.

Ich denke, die Frage, ob die Welt noch neue Aufnahmen dieses Stücks braucht, beantwortet sich hier von selbst. Das Krachende, Knatternde, Strohtrockene dieser Interpretation muss einem nicht gefallen, vielleicht schlägt das eigene Beethoven-Herz mehr für die romantisierenden, innigeren Lesarten; was Currentzis freilich aus dieser abgewetzten Partitur herausliest, ist grandios.

Revolution ist nichts für idealistische Stubenhocker

Ich könnte mich jetzt in Details verlieren, wirklich bemerkenswert aber finde ich Currentzis‘ Umgang mit dem so genannten Revolutionären. Denn daran klebt bei ihm der ganze „Schmutz“ der Realität und der Geschichte.  Revolution, sagt Currentzis mit Beethoven, ist nichts für idealistische Stubenhocker; Revolution findet auf der Straße statt, spätestens seit 1789, und sie macht Arbeit, bis zum Schluss.

Von c-Moll nach C-Dur – „per aspera ad astra“, durch Nacht zum Licht? Das Finale der fünften Sinfonie von Ludwig van Beethoven in einer Neuaufnahme mit dem Orchester MusicAeterna unter Teodor Currentzis. Die Revolution liegt immer vor uns, sagt Currentzis, sie ist ein Menschheitsprojekt. Erschienen ist diese Aufnahme bei Sony, als nächstes folgt dann die Siebte, wie gesagt. Bleiben wir gespannt.

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