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Ab Montag, 2. November 2020, sind nach den neuesten Verordnungen auch die Spielstätten der Kultur wieder dicht. „Theater und Konzerthäuser sind sicher!“, findet Maria Ossowski und beklagt sich über eine aus ihrer Sicht populistische Politik, die nun vielen kleinen Häusern den Todesstoß versetze.

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Es reicht. Wir sind weder Egoist*innen noch Hedonisten. Im Gegenteil. Wir sind jene, die alle Hygieneregeln am strengsten befolgen. Wir sind jene, die Häuser mit den besten Hygiene-Konzepten bespielen und besuchen. Wir sind jene, bei denen jeder Infektionsfall minutiös nachverfolgt werden kann. 80.000 Zuschauerinnen und Zuschauer in Salzburg, ein Fall hinter der Bühne, sofort isoliert.

„Wir schützen andere und uns selbst"

Wagners „Walküre" in Berlin: Jeden Morgen haben sich alle Mitwirkenden der Deutschen Oper testen lassen. Mittags begannen die Proben, weil niemand positiv war. Wir Zuschauer*innen trugen und tragen klaglos während der sechs Stunden im Opernhaus Masken. Viele von uns gehören – so wie ich – zu den Hochrisikogruppen. Wir schützen andere und uns selbst. In den Kultureinrichtungen herrscht eine ganz besondere Vorsicht. Aber nicht nur wir Bedrohten wissen, wie sehr wir aufpassen müssen.

Bitte, wer kuschelt und quatscht während klassischer Konzerte, wer säuft im Theater, wer singt in der Oper mit, und wer tanzt bei einer Lesung? Niemand. Wir, die Kulturschaffenden und die Kulturbegeisterten, büßen für jene Gruppe, die die Politiker*innen nicht in den Griff bekommen haben, nämlich die Hochzeiter, die Partymacher, die Leugner. Ihretwegen soll vielen, vor allem kleineren Kulturinstitutionen, jetzt der Todesstoß versetzt werden.

„Jetzt greifen wir auch bei der Kultur durch"-Politik.

Diese Entscheidung, einen Monat lang alle Kultur zu verbieten, ist dreierlei Überlegungen geschuldet. Erstens: einer populistischen, getriebenen, keinerlei Studien entsprechenden „Jetzt greifen wir auch bei der Kultur durch"-Politik. Denn es wäre ja den Argumentations-Resistenten schwer zu erklären, warum Theater und Konzerthäuser geöffnet bleiben sollen, während sie keine Feten feiern dürfen.

Zweitens: einer absolut inakzeptablen Verzichtsethik, nach dem Motto: „Wenn wir schon Bordelle, Fitnesstudios und Bars schließen, dann sollt ihr Kulturliebhaber*innen auch darben. Ihr Künstler*innen traut euch eh nicht, auf den Putz zu hauen. Und wenn wir euch Sänger*innen, Tänzer*innen und Schauspieler*innen wieder arbeiten lassen, euch, die ihr seit Jahrzehnten täglich übt, die ihr euer Leben der Musik, dem Schauspiel, der Literatur geweiht habt, dann taucht ihr bestimmt wieder irgendwo hinter den Supermarktregalen auf, die ihr aus Existenznot mit Klopapier und Katzenstreu aufgefüllt habt." So ist das nämlich: Künstler*innen sind mittlerweile so pleite, dass sie eben im Supermarkt als Hilfsarbeiter anheuern.

Drittens: Es droht vielen Geschäften und Betrieben außer Amazon und dem Lebensmittelhandel die Insolvenz. Warum sollen wir Rücksicht nehmen auf die 100 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung, die ihr Kulturleute im Jahr erarbeitet? Keine Ausnahmen.

Diese Entscheidung ist zerstörerisch

Es lebe die Konsequenz, auch wenn sie vollkommen sinnlos ist, weil sich in perfekt gelüfteten und alle Hygieneregeln umsetzenden Theatern, Opern oder Konzertsälen bislang nicht nachweislich Menschen angesteckt haben. Sicher, man muss in die Säle kommen und zurück, aber auch da gilt: strenge Maskenpflicht.

Die Entscheidung trifft die Falschen, sie trifft sie ins Mark, sie ist zerstörerisch, denn Kultur ist nicht systemrelevant, dieser Begriff aus der Finanzkrise nervt nur noch. Kultur ist existenzrelevant, sie ist lebensrelevant.

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