CD-Tipp Shani Dilukas neue CD: Tempéraments

Die französische Pianistin Shani Diluka hat zusammen mit dem Orchestre de Chambre de Paris unter der Leitung von Ben Glassberg ihre neue CD „Tempéraments“ veröffentlicht.

Dauer

Es sind enigmatische und fragile Klangfarben, die Shani Diluka hier ihrem Instrument, einem modernen Steinway, entlockt. Spiegelbildlich dazu spielt sie dasselbe Stück, ein Andante con tenerezza von Carl Philipp Emmanuel Bach, am Ende ihrer CD noch einmal, dann aber auf dem Nachbau eines Walter-Pianoforte aus dem Jahr 1790 von Chris Maene, eines jener Instrumente, die Mozart zu Lebzeiten besonders geschätzt hat. Man merkt sofort, wie anders dieses Instrument auf ihr Spiel reagiert, als würden hier noch zartere Zwischentöne mitschwingen, die dem Holz zu entlocken sind.

Ein Stück - zwei unterschiedliche Instrumente

Eine schöne Idee, dieses Andante con tenerezza von Carl Philipp Emanuel Bach auf zwei ganz unterschiedlichen Instrumenten einzuspielen. Shani Diluka will damit weniger den historischen Vergleich in den Vordergrund stellen als vielmehr darauf aufmerksam machen, wie unterschiedlich die beiden Instrumente wirken und was sie mit der Musik machen. Und doch verbindet beide die „wohltemperierte“ Stimmung.

Bleibt die Frage, ob durch diese Art der Stimmung ein bestimmter Ausdrucksaspekt der Musik, der in vor-temperierten Zeiten noch durch die unterschiedlichen Charaktere der Tonarten quasi vorgegeben war, letztendlich zugunsten dieser Vereinheitlichung verloren ging. Vielleicht kann man aber genau diesen Verlust auf subtile Weise durch die Art der Interpretation und des Spielens in die Musik zurückbringen – das möchte zumindest Shani Diluka auf ihrer aktuellen CD einlösen.

Historische Instrumente seit der Kindheit

Diluka, deren Eltern ursprünglich aus Sri Lanka stammen und die in Monaco aufgewachsen ist, hat während ihrer Ausbildung immer wieder auf historischen Instrumenten gespielt, dazu gehörte während ihrer Kindheit auch ein Cembalo. Das, was sie an Erfahrung an diesen Instrumenten mitgenommen hat, überträgt sie mühelos auf einen modernen Flügel. Sie entlockt ihm intime Töne, die vor allem bei Carl Philipp Emmanuel Bach, aber auch bei Wolfgang Amadeus Mozart jene Aura hervorbringen, die die Seele des Stücks zum Klingen bringt.

Ein zweites Mal setzt Shani Diluka den Nachbau eines Walter-Pianoforte von Chris Maene bei Mozarts Fantasie d-Moll KV 397 ein. Und hier hört man sofort bei den Anfangs-Arpeggien, welche Klangräume dieser historische Nachbau öffnet. Man lernt also die elegische Seite von Shani Diluka kennen, wie virtuos sie ihr Repertoire aber auch handhaben kann, hört man bei Carl Philipp Emmanuel Bachs kurzem Solfeggietto Wq. 117, das schwerelos über die Tasten schwebt, mit den einzelnen Stimmen spielt und einen flirrende Klangschleier hinterlässt.

Mit dem Orchestre de Chambre de Paris und Ben Glassberg

Zwar steht die Pianistin Shani Diluka im Mittelpunkt dieser Produktion „Tempéraments“, aber mit dabei ist auch das Orchestre de Chambre de Paris unter der Leitung des jungen Dirigententalents Ben Glassberg, der in diesem Jahr sein Debüt bei den Salzburger Festspielen geben wird. Zusammen mit ihnen hat sie Carl Philipp Emmanuel Bachs Klavierkonzert d-Moll Wq. 23 aufgenommen, eine perfekte Synthese zwischen Solistin und Ensemble, die die musikalischen Qualitäten dieses Konzerts zur Geltung bringt. Nicht umsonst fühlen wir uns hier an Mozarts d-Moll-Klavierkonzert KV 466 erinnert.

Damit schließt sich der Kreis der Empfindsamkeit

...von Wolfgang Amadeus Mozart, der seine Wurzeln nicht verleugnen kann und will und gleichzeitig dabei seinen eigenen Ton findet, zurück zu Carl Philipp Emmanuel Bach, der stilprägend eine ganze Komponistengeneration beeinflusst hat.

CD-Tipp vom 14.5.2019 aus der Sendung SWR2 Treffpunkt Klassik

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