Tag der Stimme | Gesangstechnik im Heavy-Metal Brüllen will gelernt sein

Singen ist eine hohe Kunst. Doch manche „Gesänge“ hören sich eher nach Gebrüll an. So zum Beispiel im Heavy-Metal. Dort growlt „knurrt“ und screamt „schreit“ man. Das kann schnell ungesund werden, wenn man nicht über die richtige Technik verfügt.

Hannes Braun kennt sich mit der Gesangstechnik im Metal bestens aus. Er ist Metal-Sänger der Band Kissin' Dynamite aus dem schwäbischen Münsingen:

Der deutsche Rapper Casper, bekannt für seine raue Stimme, hat seine Wurzeln woanders: (Foto: dpa -)
Der deutsche Rapper Casper, bekannt für seine raue Stimme, hat seine Wurzeln woanders: In jungen Jahren war er in mehreren Metalcore-Bands als Sänger aktiv. Durch falsches Screamen zog er sich mehrere Risse auf den Stimmbändern zu, welche für seine dpa -

Knurren mit dem Kehlkopfdeckel

Das Growling, zu Deutsch „Knurren“, ist eine der wichtigsten Spielarten des Heavy-Metal-Gesangs und Forschungsgegenstand des Musikwissenschaftlers Marcus Erbe. Mit dem Growling lassen sich besonders tiefe Töne erzeugen. Gerade in Subgenres wie dem Death- oder Black-Metal werden damit die dunklen und aggressiven Themen der Liedtexte unterstrichen.

Entscheidend ist, dass zur Tonbildung ganz andere Organe zum Einsatz kommen als bei klassischen Gesangstechniken; zum Beispiel der Kehlkopfdeckel, der sonst die Speiseröhre abschließt. Beim Growling produzieren Sänger durch das Vibrieren des Kehlkopfdeckels und den Rachenschleim Töne. So einen kehligen, geräuschhaften Gesang gibt es nicht nur im Metal, sondern zum Beispiel auch in der Mongolei.

Ikonen des Metal-Gesangs

Bruce Dickinson (Iron Maiden) (Foto: dpa -)
Bruce Dickinson (Iron Maiden) dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Ronnie James Dio († 2010) sang unter anderem für Rainbow, Black Sabbath, Heaven and Hell und Dio. dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Rob Halford (Judas Priest) dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Ozzy Osbourne (Black Sabbath) dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Michael Poulsen (Volbeat) dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Corey Taylor (Slipknot und Stone Sour) dpa - Bild in Detailansicht öffnen

Im Metal-Gesang sind aber nicht nur tiefe, geräuschhafte Töne charakteristisch, er lebt auch von Kontrasten. Sie werden sehr bewusst eingesetzt. Stimmliche Kontrolle ist hierbei das A und O, meint Dietmar Elflein, ein Musikwissenschaftler, der sich ebenso mit Heavy-Metal auseinandersetzt.

Schreien im Falsett

Um besonders hohe Frequenzen zu erzeugen, bedient sich der Sänger Hannes Haas der sogenannten High-Scream-Technik. Dabei „screamt“, also schreit der Sänger falsettartig. Auch solche virtuosen Effekte klingen nicht nur schrill und zugleich gruselig, sondern wirken zumeist sehr angestrengt. Hannes Haas weiß, dass auch hier mit dem nötigen Know-How gesungen werden muss.

Viele nehmen klassischen Gesangsunterricht

Tarja Turunen, Ex-Sängerin der Symphonic-Metal-Band Nightwish, verfügt über eine Ausbildung als klassische Sängerin. (Foto: dpa -)
Tarja Turunen, Ex-Sängerin der Symphonic-Metal-Band Nightwish, verfügt über eine Ausbildung als klassische Sängerin. dpa -

Um die stimmlichen Grundlagen zu lernen, nehmen viele Sänger auch klassischen Gesangsunterricht. Dennoch: Außer der Vermittlung der richtigen Grundlagen haben klassischer Gesang und Metal-Gesang nur wenig Gemeinsamkeiten, meint Dietmar Elflein. Vielmehr ähneln sich Opern- und Metalgesang in der Vortragsweise. Es geht darum mit Gesang einen weiten Raum zu füllen. Ob auf der Opernbühne oder im Stadion.

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