Sylvain Cambreling zum 70. Geburtstag Abschied von Stuttgart

Seit Jahrzehnten feiert der Dirigent Sylvain Cambreling Erfolge. Nun wird der Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart und ehemalige Chefdirigent des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg 70 – und verabschiedet sich im Südwesten. In Ruhestand geht er aber nicht.

Sylvain Cambreling im Gespräch bei SWR2 Cluster

Am Vortag hat Sylvain Cambreling noch die Uraufführung von Toshio Hosokawa Oper "Erdbeben.Träume" in Stuttgart dirigiert, jetzt steht am 2. Juli sein 70. Geburtstag an. Und wenige Tage später, am 8. und 9. Juli, verabschiedet er sich gänzlich als Generalmusikdirektor der Oper Stuttgart. Im letzten Sinfoniekonzert des Staatsorchester Stuttgart stehen dann Werke von Haas und Bruckner auf dem Programm.

Wechsel von Stuttgart nach Hamburg

Nach Ende seiner Amtszeit geht es für den bereits zweimal als "Dirigent des Jahres" ausgezeichneten Franzosen in den Norden: Er wird neuer Chefdirigent der Symphoniker Hamburg – und Nachfolger von Sir Jeffrey Tate, der voriges Jahr starb. In Stuttgart übernimmt der junge Cornelius Meister den Posten des Generalmusikdirektors. Aber zur Ruhe kommt Cambreling auch in Hamburg nicht. Er bleibt Leiter beim Yomiuri Nippon Symphony Orchestra in Tokio und erster Gastdirigent des Klangforums Wien für zeitgenössische Musik.

Cambreling wurde 1948 in Amiens geboren und begann einst als Posaunist in Lyon seine Karriere. Er machte Station in Paris und arbeitete zehn Jahre an der Brüssler Oper Théâtre de La Monnaie. Damals debütierte er auch an der Mailänder Scala, an der Metropolitan Opera in New York und an der Staatsoper Wien.

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Sternstunden in Freiburg

Von 1999 bis 2011 war Sylvain Cambreling Chefdirigent des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg. Dort hat er mit Umsicht und nie nachlassender Neugierde gewirkt, das französische Repertoire blühte unter seinen Händen auf. In Sachen Berlioz und Messiaen gab es wahre Sternstunden, seine Interpretationen der deutschen Spätromantik haben von dieser Sichtweise profitiert.

Wenn es mal nicht so lief, wie er sich das vorstellte, zeigte sich Cambreling stets entschlossen. So trat er 1996 als künstlerischer Intendant und Generalmusikdirektor der im selben Jahr zum "Opernhaus des Jahres" gekürten Frankfurter Oper zurück, als ihm dort die finanziellen und politischen Debatten gegen den Strich gingen.

Vorliebe für Neue Musik

Dass er Neues nicht scheut, hat Cambreling oft gezeigt. Fast legendär ist sein unverkrampftes Verhältnis zur Neuen Musik und zu Uraufführungen. Er wünscht sich hier abseits der beliebten Klassiker eine noch größere Offenheit auch beim Publikum. "Man muss bereit sein für eine Überraschung. Bereit sein, alles andere zu vergessen und
sich mit Augen und Ohren zu öffnen", sagt er über die von vielen Musikfreunden als unmelodisch und nicht schön empfundene Musik.

Sylvain Cambreling im SWR2 Zeitgenossen-Interview

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