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„Wenn wir jetzt nicht konkret direkt zeigen, was und wen wir alles verpassen, dann werden wir es vergessen!“, sagt Gordon Kampe und berichtet von den Projekten aus seiner Kompositionsklasse. Manche Studierende hat der Professor bisher nur digital kennengelernt, doch die Musik erzählt von ihrem Menschsein.

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Version 433b — immer noch mit Herzblut

„Nach 17 Verschiebungen haben wir unser Abschlussprojekt nun in Version 433b umgesetzt.“ So, mit einer Portion Galgenhumor kündigt der Kompositionsstudent Felix Stachelhaus seinen Masterabschlussabend auf Facebook an, den er gemeinsam mit Philipp Krebs inszeniert, komponiert und umgesetzt hat.

Ich nenne absichtlich die Namen der beiden „noch“-Studenten, denn oft wird derzeit nur ganz allgemein von „Studierenden“ gesprochen. Die beiden sind für mich aber keine statistische Größe, sondern jüngere Kollegen mit Namen, die nun am Anfang ihrer Laufbahn – im Wortsinne – „stehen“.

Aus ihrem mehrfach abgesagten Musiktheaterabend wurde ein Film, ein eigenständiges Kunstprodukt, kein Ersatz. Und auch in die Version 433b ist literweise Herzblut hineingeflossen. Ich bewundere das – und bin zugleich natürlich enttäuscht.

Wir dürfen nicht vergessen

Man wird einwenden, dass es im Moment der Krise Wichtigeres gibt. Stimmt! Dennoch: wenn wir jetzt nicht konkret darauf zeigen, was und wen wir alles verpassen, dann werden wir’s vergessen – und dann ist es weg. Die Luft kann man kurz anhalten – wenn man weiß, dass man bald wieder einatmen kann.

Machen Sie, liebe Hörer*innen, nicht nur Fotos von Katzen oder dem letzten gut gelungenen Schokokuchen. Machen Sie Fotos von Ausgefallenem, von unbrauchbar gewordenen Tickets etwa. Vergessen wir nicht, was hätte sein können – sonst wird es nicht.

Der Kontakt zwischen Studierenden und Lehrenden an Musikhochschulen ist meist sehr persönlich. Ich sehe alle jede Woche. Und oft drehten wir uns im Kreis: Das könnte man machen, das werden wir machen, vielleicht. Demnächst.

Die digitale Studentin — ihre Musik ist jedenfalls sehr menschlich

Und jenseits von Projekten: Wie geht es eigentlich der Studentin, für die Deutschland ein fernes und komisches Land ist? Die Familie ist weit weg. Ich schickte zu Weihnachten ein paar Marzipankartoffeln. Ich hörte, sie schmeckten ganz gut.

Noch lächeln alle, niemand wurde zynisch. Ich – leider – gelegentlich, ein bisschen. Dauerzoom, das wissen wir alle, geht auf Auge und Gemüt.  Kai Kobayashi etwa, meine neue Konzertexamens-Studentin, kenne ich überhaupt nur digital. Ihre Musik ist jedenfalls sehr menschlich und ich glaube, dass Kai existiert. Ich würde sie gern mal sehen – im echten Leben.

Bestandteil meines Unterrichts ist immer mal wieder der Bericht über eigenes Scheitern: Abgelehnt, verrissen, aussortiert. Ich versuche die Studierenden daher auch in unkünstlerischen Dingen zu beraten, denn die Jahre nach dem Studium sind auch ohne Corona nicht nur unterhaltsam.

Die Student*innen und ihr Elan machen Hoffnung

(Nun muss ich Post-Pandemisches-Unterrichten einüben, das werde ich auch noch hinkriegen.) Dabei machen mir Studierende eher Mut, als dass ich verzage.

Etwa Gitbi Kwons Masterabschluss: Trotz aller Unmöglichkeiten schaffte sie es, einen zarten und schönen Abend zu komponieren, an dem man die Krise zwar nicht vergaß. Aber man bekam eine Ahnung davon, dass sie und ihre Musik sich nicht unterkriegen lassen werden.

Alle spielten mit und halfen, egal wie, wann und was: Erfindungsreichtum, Flexibilität und Solidarität kannten keine Grenzen. Vielleicht, dachte ich mir da, sollten viel mehr Leute gelegentlich über ein Kompositionsstudium nachdenken.

Stipendium Der experimentellen Musikszene soll geholfen werden

Im Rahmen des Programms „Neustart Kultur“ der Bundesregierung fördert der Verein „Musikfonds“ die experimentelle Musikszene in Deutschland. Diese sei durch die Corona-Pandemie besonders gefährdet, erzählt der Geschäftsführer des Vereins, Gregor Hotz im Gespräch. Freischaffende Musiker*innen können sich noch bis Sonntag, den 16. August 2020 für ein Stipendium bewerben, um neue Arbeits- und Kollaborationsprojekte umzusetzen.  mehr...

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Musik Grapefruits: Das neue Fanzine über Komponistinnen und Klangkünstlerinnen

„Grapefruits" heißt das im Eigenverlag publizierte Fanzine von Studierenden der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf. Das halbjährlich erscheinende Magazin bildet den Nährboden für den Austausch und das Schaffen von jungen Komponistinnen und Klangkünstlerinnen, die auf der Suche nach neuen Wegen des Musizierens sind.  mehr...

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Gespräch Komponist Arash Safaian: „This is (not) Beethoven“

„Das ist Musik über Musik, ein ganz altes Prinzip“: Arash Safaian hat in Zusammenarbeit mit dem Pianisten Sebastian Knauer und dem Zürcher Kammerorchester die neue CD „This is (not) Beethoven“ herausgebracht.
Beethoven war seine erste Begegnung mit klassischer Musik und seit frühster Kindheit an ein „Abenteuerland“. Seitdem hat der in Teheran geborene Komponist Arash Safain eine besonders emotionale, innige Beziehung zu Beethovens Musik, die er jetzt zum Stoff seiner neuen CD gemacht hat. Für die CD „This is (not) Beethoven“ hat sich Safaian Werke Beethovens angenommen und Variationen dazu geschrieben.
Sein aktuelles Projekt ist nicht als Frischzellenkur und auch nicht als Versuch zu verstehen, Beethoven zu erneuern – denn Safaian nimmt Beethoven als Ausgangspunkt für die klangliche Realisierung einer Musik, wie er sie sich als zeitgenössischer Komponist vorstellt.  mehr...

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