Klassik in Corona-Zeiten

Opern und Konzerthäuser mit Streamingoffensive

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Das Coronavirus legt nicht nur das öffentliche Leben, sondern auch den Konzert- und Opernbetrieb lahm. Doch die geschlossenen Häuser starten auch zahlreiche Online-Angebote.

Der gestreamte Papst (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Photoshot)
Setzt auch bereits auf Streaming-Angebote: Papst Franziskus beim Angelus-Gebet Photoshot

Igor Levit unterbricht tägliche Twitter-Konzerte zugunsten Stream aus Bayerischer Staatsoper

Seit vergangenen Donnerstag, 12. März, gibt der russisch-deutsche Pianist Igor Levit (33), täglich Haus-Konzerte auf Twitter. Jeden Abend um 19.00 Uhr spielt er per Livestream für sein Publikum: "Bis wir uns alle wieder gemeinsam, real, nah beieinander versammeln und Kunst erleben können." Heute, am 16. März, wird er nun erstmals auf Twitter pausieren, da er stattdessen im Stream der Bayerischen Staatsoper zusammen mit dem Bayerischen Staatsorchester und Christian Gerhaher zu erleben sein wird.

Igor Levits Hauskonzert vom 15. März mit Beethovens Appassionata

Berliner Staatsoper startet Online-Programm

Die Berliner Staatsoper führt aufgrund der Coronakrise einen Online-Spielplan ein. Ab Dienstag, 17. März, würden über die Internetseite des Opernhauses kostenlos Aufzeichnungen aus dem Repertoire gezeigt, teilte das Haus am Sonntag, 15. März, in Berlin mit. Währenddessen sei der Probenbetrieb zum Schutz des Ensembles und der Mitarbeiter*innen am Wochenende eingestellt worden: "Gesundheit geht immer vor."

Abramovic-Uraufführung aus München als kostenfreier Livestream

Die Bayerische Staatsoper ist coronabedingt mindestens bis zum 19. April geschlossen. Für Intendant Nikolaus Bachler (68) eine schwierige Entscheidung: "Ein Theater, das nicht spielen darf, existiert nicht", sagte Bachler der Deutschen Presse-Agentur am 15. März. Vorstellungen wird es deshalb weiter geben - vor leeren Rängen und mit Übertragung ins Internet. So soll auch am 11. April die Uraufführung "7 Deaths of Maria Callas" der Performance-Künstlerin Marina Abramovic gestreamt weden. "Marina ist die gestählteste Künstlerin der ganzen Generation. Sie arbeitet und macht ihre Sache und hofft sicher auch, dass wir das zeigen können. Die lässt sich nicht unterkriegen," so Bachler.

Berliner Philharmoniker öffnen ihre "Digital Concert Hall"

Die Berliner Philharmoniker präsentieren ab sofort mehr als 600 Orchesterkonzerte kostenlos auf ihrer Internetseite. "Wir hoffen, dass wir mit dieser Aktion möglichst vielen Menschen Freude mit unserer Musik bereiten können. Wir vermissen unser Publikum jetzt schon sehr und wünschen uns, dass wir einander auf diese Weise zumindest virtuell weiter begegnen können", so Olaf Maninger, Medienvorstand des Orchesters. In der "Digital Concert Hall" sind Aufnahmen aus mehr als zehn Jahren abrufbar. Darunter auch 15 Konzerte mit dem neuen Chefdirigenten Kirill Petrenko. Der kostenlose Zugang für 30 Tage zur "Digital Concert Hall" ist bis zum 31. März möglich

160.000 Zuschauer bei Carmen-Stream

Mit ihrem Stream der Oper "Carmen" hatte die Staatsoper Unter den Linden am Donnerstag, 12. März, nach eigenen Angaben einen großen Publikumserfolg. Den Livestream in Zusammenarbeit mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hätten online mehr als 160 000 Zuschauer in der ganzen Welt abgerufen. Für die Vorstellung der Bizet-Oper vor leeren Rängen haben nach Angabe der Oper alle Solisten auf ihre Gagen verzichtet.

Berliner Philharmoniker kostenfrei in der Digital Concert Hall

Auch die Philharmonie Berlin ist geschlossen. Die Berliner Philharmoniker, Sir Simon Rattle und die Neuen Vocalsolisten Stuttgart haben sich aber entschlossen, ihr Konzert an diesem Donnerstag, 12. März, trotzdem zu spielen - ohne Publikum. Das Programm mit Werken von Luciano Berio und Béla Bartók wird live über die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker gestreamt und ist ausnahmesweise kostenfrei. Wiederholungen der Aufführung werden am Freitag und Samstag gezeigt.

Barenboim will digitales Festival

Der Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden, Daniel Barenboim, will angesichts der Schließung seines Opernhauses in Berlin weiter präsent sein. "Wir tragen selbstverständlich Verantwortung für unser Publikum", sagte Barenboim am Mittwoch, 11. März, der Deutschen Presse-Agentur. "Wir wollen soviel wie möglich über unsere Streaming-Plattform präsentieren", sagte der Dirigent. "Meine Absicht ist es, während der Schließung ein digitales Festival auf die Beine zu stellen."

Hessischer Rundfunk bietet Livestream statt Publikumskonzert

Die kommenden Konzerte des hr-Sinfonieorchesters in der Alten Oper Frankfurt wurden aufgrund "der neuen Lagebewertung durch das Hessische Sozialministerium" abgesagt. Stattdessen wird aufs Internet ausgewichen. So war bereits am 12. März das hr-Sinfonieorchester im Konzert ohne Publikum auf der Internet-Plattform zu erleben.

Bayerische Staatsoper will Geistervorstellungen als Video-on-Demand anbieten

Die Bayerische Staatsoper will trotz ihrer Schließung ausgewählte Stücke auf die Bühne bringen - vor leeren Rängen. Zuschauer könnten die Aufführungen live übers Internet verfolgen, sagte ein Sprecher am Dienstag, 10. März, in München. Livestreams seien unter anderem bisher geplant von dem Akademiekonzert am 16. März und von der Premiere des Balletts "Schwanensee" am 21. März. Zudem werde die Oper einzelne Vorstellungen als Video-on-Demand anbieten. Ein entsprechender Online-Spielplan soll in Kürze im Internet veröffentlicht werden.

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SWR