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Den Soundtrack des ersten Harry-Potter-Films dürften viele Filmfans an dem „Hedwig’s Theme“ erkennen, das dominiert wird von mystischen, glockenartigen Klängen einer Celesta. Erfunden und patentiert wurde dieses Tasteninstrument im 19. Jahrhundert in Frankreich.

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Eine Verbindung zwischen Stuttgart und Paris

Die Celesta wurde im Jahr 1886 von Victor Mustel in Paris erfunden. Vier Jahre später stellte auch die Firma Schiedmayer bei Stuttgart Celesten nach dem Patent von Mustel her. Der damalige Geschäftsführer Julius Schiedmayer hatte Mustel in Paris kennengelernt und pflegte über die Jahre den Kontakt mit dem Erfinder.

Seit 1890 ist Schiedmayer auf Celesten spezialisiert, nachdem die Klavierproduktion wegen Marktsättigung eingestellt worden war. Kurz davor wiederum gab die Firma Mustel in Paris den Betrieb auf. Schiedmayer führt heute als einziges Unternehmen weltweit das Erbe von Mustel fort – auf Basis des Patents.

Der himmlische Klang der Celesta in der Musikgeschichte

Sehr bekannt wurde die Celesta übrigens schon kurz nach ihrer Erfindung. Im Jahr 1891 machte Peter Tschaikowsky Station in Paris, als er auf dem Weg nach New York zur Einweihung der Carnegie-Hall war.

„Er ist bei Mustel vorbeigefahren, um sich das anzuschauen. Und er hat auf dieser vieroktavigen Mustel-Celesta dann 1891 'Tanz der Zuckerfee' komponiert und aufgeführt“, erzählt Knut Schiedmayer, Geschäftsführer in neunter Generation — heute ist dieses Stück eines der ältesten und beliebtesten Celesta-Stücke.

Eine Celesta in der Werkstatt (Foto: SWR, Simon Schomäcker)
Der Name „Celèste“ heißt so viel wie „die Himmlische“, „die Magische“ und verrät schon sehr viel über den Klang des Instruments. Simon Schomäcker

Vielseitiger Wohlklang

Später fand das Instrument seinen Weg in die Filmmusik, hier sei besonders John Williams erwähnt. Bands wie die Beatles entlockten der Celesta erste poppige Melodien — und schließlich: Harry Potter. Die glockigen Klänge werden also auch in Zukunft die Musik bereichern.

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