STAND
INTERVIEW

Am 1. und 2. August haben die Salzburger Festspiele ihre Jubiläumsspielzeit zum 100-jährigen Bestehen eröffnet – mit Maske und Sicherheitsabstand, doch auch mit einem aufsehenerregenden Opernpremieren-Doppelschlag: „Elektra“ und „Così fan tutte“.

Audio herunterladen (23,5 MB | MP3)

Passend zum Jubiläum eröffnete die 100. Ausgabe der Salzburger Festspiele mit „Elektra“ - einer Oper der beiden Festspielgründer Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Unter der Leitung von Franz Welser-Möst inszeniert von Krzysztof Warlikowski konnte „Elektra“ wie ursprünglich geplant über die Bühne gehen.

Das war bei „Così fan tutte“ coronabedingt anders. Mozarts „Opera buffa“ unter der Leitung von Joana Mallwitz musste kurzfristig in einer gekürzten Fassung einstudiert werden. Dafür wurde die gefeierte Inszenierung von Christof Loy der Frankfurter Oper (2008) übernommen.

Treue, Liebe Fremdgehen, Enttäuschung - „Cosi" puristisch inszeniert

Die Gefühlsverwirrungen, aber auch die leichteren Momente des Beziehungsgeflechts inszeniert Loy ganz schlicht in einem weißen Raum. Es gibt keine albernen Klischee-Kostüme, stattdessen wird mit dem Kontrast zwischen schwarz-weißer und quietschbunter Kleidung gespielt. Opernredakteur Bernd Künzig schätzt die „existenzielle" Inszenierung, die sich ganz auf die Gefühle fokussiert. Dennoch gäbe es einige humorvolle Momente, die für Lacher sorgten.

Unausgewogenes Regiekonzept

Für etwas Verwirrung sorgte Krzysztof Warlikowskis „Elektra“-Inszenierung. Der antike Stoff wird modernisiert, die „Eingeweidenschau" zu Beginn der Oper wirkt fehl am Platz. Zwischen Antike, Moderne und Psychoanalyse wirke die Regie etwas unentschlossen, so Künzig.

Da der szenische Fokus auf Klytämnestra läge, würde die Elektra oft alleine gelassen, über längere Strecken sitze sie auf einer Bank, auch bei den großen Duett-Szenen. Das sei zu wenig für die innere musikalische Leidenschaft – besonders, weil die litauische Sopranistin Ausriné Stundyté trotz schlanker Stimme die Rolle gut meistere.

„Ich glaube, an keinem deutschen Opernhaus würde die Gesundheitsbehörde, das Ministerium oder die Stadt ein solches Hygiene-Konzept durchgehen lassen. Das kann ich mir ganz schwer vorstellen.“

Berd Künzig - SWR2 Opernredakteur

Entgegen den Erwartungen ist das Hygiene-Konzept nicht besonders streng. Wer möchte, darf die Maske im Zuschauerraum abnehmen. Jede Reihe ist besetzt und der Mindestabstand von anderthalb Metern nicht immer gegeben. Schätzungsweise seien mehr als die Hälfte der Plätze im Zuschauerraum besetzt und damit die Premieren auch ziemlich voll gewesen.

Festspiellandschaft Nach der Eröffnung: Salzburger Festspiele täglich von zuhause erleben!

Bei der Planung der 100. Ausgabe der Festspiele dachte in Salzburg noch niemand an die Corona-Pandemie. Nun wird die Jubiläumsausgabe der Festspiele kleiner — bei größerem Wirkungskreis.  mehr...

Ausstellung „Großes Welttheater - 100 Jahre Salzburger Festspiele“

Zum Jubiläumsjahr beschäftigt sich eine Ausstellung mit der 100-jährigen Geschichte der Salzburger Festspiele. Die Ausstellung „Großes Welttheater - 100 Jahre Salzburger Festspiele“ macht sowohl auf besondere Momente, als auch auf kritische Aspekte der Festivalgeschichte aufmerksam.  mehr...

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

Diskussion Richard Wagners Bayreuth im Corona-Zeitalter

Es diskutieren: Heinz-Dieter Sense - Geschäftsführender Direktor der Bayreuther Festspiele, Prof. Dr. Stephan Mösch - Hochschule für Musik Karlsruhe, Dr. Patric Seibert - Regisseur und Dramaturg,
Moderation: Bernd Künzig  mehr...

SWR2 Forum SWR2

Festivalbericht Fast wie vor Corona: Das estnische Pärnu Music Festival

Seit zehn Jahren leitet der estländische Dirigent Paavo Järvi das von seinem Vater gegründete Musikfestival im Seebad Pärnu. Dieser Jahrgang sollte groß begangen werden, dann kam Corona. Doch anders als viele andere Festival-Leiter sagte Järvi das Ereignis nicht ab. Trotz der ziemlich umständlichen Organisation, ist am Ende ein beinah normales Festival zustande gekommen, was die aktuelle Corona-Pandemie vergessen lässt.  mehr...

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

STAND
INTERVIEW