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Die dänische NGO "Freemuse" sprach jüngst von einem "besorgniserregenden Trend" im Norden Nigerias, Künstler zu zensieren und einzusperren. Nun droht nach einem Scharia-Urteil einem Sänger sogar die Tötung.

Hinweisschild am Eingang der Scharia-Kommission in Kano, Nigeria (Foto: picture-alliance / Reportdienste,  Ulrike Koltermann)
Im Norden Nigerias gilt auch die islamische Rechtssprechung, die von der Scharia-Kommission überwacht wird. Ulrike Koltermann

In der nordnigerianischen Millionenstadt Kano ist der Sänger Yahaya Sharif-Aminu wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilt worden. "Er hat ein Lied gesungen, in dem er den Propheten Mohammed beleidigt", sagte am Montag, 10. August, der Exekutivsekretär der Zensurbehörde im Bundesstaat Kano. Ein Scharia-Gericht habe ihn für schuldig befunden und die Todesstrafe verhängt. Der Sänger sei in Haft und könne gegen das Urteil Berufung einlegen.

Wer ist Yahaya Sharif-Aminu?

Todesstrafe wegen Imam-Lob

Das Lied des Sängers war im März vorwiegend über WhatsApp geteilt worden. Danach war er zwischenzeitlich untergetaucht, da nach der Veröffentlichung des Liedes ein aufgebrachter Mob das Haus seiner Familie niedergebrannt hatte. Sie forderten von der islamischen Spezialpolizeieinheit Hisbah, die in Kano über die Einhaltung der Scharia wacht, Maßnahmen gegen ihn zu ergreifen. Der 22-Jährige habe in seinem Text einen Imam über alle Maßen gelobt und ihn damit über den Propheten gestellt; das sei Gotteslästerung, so die Kritiker.

Scharia verbietet sogenannte Gotteslästerung

Kano im Norden Nigerias ist einer von zwölf Bundesstaaten, in dem neben dem säkularen Recht auch Scharia-Gesetze gelten. Seitdem die ersten derartigen Gesetze 1999 in Nigeria eingeführt wurden, wurden etliche Menschen zum Tode verurteilt, allerdings nur einer hingerichtet. In dem westafrikanischen Land sind Schätzungen zufolge mehr als die Hälfte der Bürger Muslime und etwa 45 Prozent Christen.

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