Rinaldo Alessandrini und das Concerto Italiano mit italienischen Barockkonzerten Mit Stilsicherheit und Feingefühl

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CD-Tipp vom 29.6.2018

„1700“ heißt die aktuelle Produktion von Rinaldo Alessandrini und seinem Concerto Italiano. Sie ist der Nachfolger der 2012 veröffentlichten und viel beachteten Aufnahme „1600“ und vereint bekannte und weniger bekannte italienische Komponisten aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, darunter Mascitti (Paris), Caldara (Wien), Durante (Sachsen), Geminiani (London) und Galuppi (Russland). Viele verbindet die Erfahrung des musikalischen Exils, dienten sie doch meist an fremden Höfen, wo sie sich mit ganz unterschiedlichen Moden und Vorlieben konfrontiert sahen, die auch ihren Kompositionsstil beeinflusst haben.

Michele Mascitti beispielsweise wurde in den Abruzzen geboren, wuchs in Neapel auf und landete 1704 schließlich in Paris, wo er bis zu seinem Tod 1760 unter der Protektion des Herzogs von Orleans blieb – ein Italiener in Frankreich. Wesentlich bekannter als Mascitti ist Antonio Caldara, der sein Handwerkszeug in Venedig erlernte, seine größten Triumphe dann aber in Wien feiern konnte, wo er zusammen mit dem Librettisten Pietro Metastasio neue Wege einschlagen konnte. Nicht zuletzt durch den Einfluss von Johann Joseph Fux fand er eine Musiksprache, die man der Qualität von Bachs „Musikalischem Opfer“ gleichstellen könnte – wie in seinem Oratorium „Der Tod Abels“.

Nicht umsonst ist dieses von Rinaldo Alessandrini gegründete Orchester seit mehr als dreißig Jahren erfolgreich auf Bühnen und Tonträgern präsent. Sie haben die Wahrnehmung der italienischen Musik des 17. und 18. Jahrhundert maßgeblich geprägt und immer wieder einen interessanten Ansatz gefunden, um Musik ganz unterschiedlicher Komponisten zu einem Thema zusammenzufassen – wie auch hier auf ihrer neuen CD „1700“, die beim Label Naïve erschienen ist.

CD-Tipp vom 29.6.2018 aus der Sendung Treffpunkt Klassik - Neue CDs

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