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Riccardo Mutis Opernakademie: Verdis „Nabucco“ in Mailand

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2015 gründete Riccardo Muti eine italienische Opernakademie in Ravenna. Stets von Juli bis Anfang August widmete er sich dort der Arbeit an einer Oper von Verdi, Mozart oder Mascagni mit dem jungen Nachwuchs. Wenige Monate nach seinem 80. Geburtstag nun hielt der große Verdi-Experte seine siebte Opernakademie erstmals in Mailand ab – in der Fondazione Prada, und das zeitgleich zur Saison-Eröffnung der Scala. Verdis Oper „Nabucco“ stand auf dem Programm.

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Konkurrenz für die Mailänder Scala?

Zum ersten Mal war Muti mit seiner Opernakademie von Ravenna nach Mailand in die Fondazione Prada umgezogen. Mit der parallelen Saison-Eröffnung an der Scala, deren Geschichte er als Musikdirektor von 1986 bis 2005 entscheidend mitschrieb, bevor er sie im Streit um die Intendanz verließ, habe das aber nichts zu tun.

„Wir bekommen keine staatlichen Gelder, wir überleben Dank Sponsoren, und eine Sponsorin wie Miuccia Prada ist da für uns von weitaus größerer Bedeutung als ein Sponsor in Ravenna. Die ganzen Mutmaßungen um die parallele Stagione-Eröffnung an der Scala, der wir angeblich Konkurrenz machen wollen, sind nur dummes Gerede“, so Muti.

Ricardo Muti als Lehrer

In der Akademie gilt es Muti als einen psychologisch erfahrenen, begnadeten Lehrer zu erleben, der mit Geduld und Humor erfolgreich viel einfordert. Im hohen Alter von 80 Jahren bringt er fast doppelt so viel Vitalität und Enthusiasmus in die Proben ein als die Junioren.

Er erklärt, zeigt, singt, greift in die Tasten, heizt an, unternimmt musikgeschichtliche Exkurse, lobt die trefflichen Sängersolisten, den Coro Cremono Antiqua und sein Luigi Cherubini Orchestra als ideale Partner. Und ist mit seinen wachsamen Augen stets überall.

Manche vertrackte Stellen mit Pausen und Fermaten lässt er die Jungdirigenten dutzendfach probieren, bis sie ein Gefühl für den großen Bogen in einer Phrase bekommen.

Bei Verdi stehen Worte und Noten in einer vertikalen Beziehung. Es ist nicht wie später beim Verismus, wo das Orchester im Zuge von Wagners Einfluss symphonischer wird. Das Orchester unterstützt die Linie der Wörter. Jede Note sollte den Klang, die Atmosphäre einfangen, die von dem Wort ausgeht und umgekehrt.

Wertvolle Tipps für die jungen Dirigent*innen

Auch schlagtechnisch gab es in der Mailänder Opernakademie noch das eine oder andere zu lernen, vor allem,  nicht nur akkurat den Takt zu schlagen, sondern die Musik plastisch zu formen. Zu einer Stelle mit Arpeggien zeichnete Muti beispielhaft schwungvoll eine Acht in die Luft.

Ein großes Anliegen von Muti ist es darüber hinaus, dass die Junioren den Komponisten Verdi im Opernbetrieb gegen absurde Eingriffe von Regisseuren verteidigen. Aber das wird schwer, weiß er.

Die Herausforderung für junge Dirigenten liegt darin, den Mut aufzubringen, aufzustehen und „nein“ zu sagen, so wie ich es 1973 gleich drei Mal in Folge getan habe.

Den Konflikt mit Opernhäusern nicht scheuen

In diesem Jahr hat er in Florenz, Mailand und Paris den Opernhäusern den Rücken gekehrt. Wiewohl Intendanten oftmals die Unterstützung verweigern, ruft Muti die Junioren ausdrücklich auf, solche Konflikte nicht zu scheuen. Seine Karriere ließ sich dadurch nicht aufhalten.

In seiner Opernakademie hat Muti die besten Vorrausetzungen dafür geschaffen, dass die Junioren sein künstlerisches Erbe fortsetzen.

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