Musikgespräch

Renate Wagner über die spanische Musikkultur des Flamencos

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INTERVIEW
Martin Hagen

Die Frankfurter Buchmesse beginnt, und das diesjährige Gastland ist Spanien. Wenn es um Spanien geht, fällt vielen im Kulturbereich als erstes die folkloristische Musikkultur des Flamencos ein. Sprühende Kreativität und unbändige Leidenschaft werden mit diesem kulturellen Erbe verbunden. Renate Wagner vom Flamenco Studio Mannheim spricht über das Alter der Tanzform, die Verschmelzung verschiedener Musikkulturen und ihre große Liebe zur Symbiose zwischen Gitarrenmusik, Tanz und Gesang.

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Ist der Flamenco wirklich der spanische Nationaltanz oder gibt es da noch andere Konkurrentinnen oder Konkurrenten in verschiedenen Regionen?

Ja, also ich denke, dass man von außerhalb Spaniens das so sieht. Aber eigentlich ist Flamenco kein Nationaltanz. Er siedelt sich hauptsächlich in Andalusien an, wo er auch herkommt.

Jede und jeder weiß, was Flamenco im Prinzip ist, hat so seine Vorstellungen. Aber dass das jetzt jede und jeder tanzt, das ist da nicht so. Man muss auch sehen, dass der Flamenco zwar schon eine Folklore ist, aber eine in die Kunst erhobene Folklore.

Woher kommt denn der Flamenco ursprünglich? Sie sagten schon, es ist eigentlich ein andalusischer Tanz, aber kann man in etwa sagen, wie alt diese Tanzform ist?

Na ja, das geht ganz weit zurück. Die Halbinsel Andalusien lag sehr günstig, da war Gibraltar das Tor zum Mittelmeer und zum Atlantik und Andalusien wurde schon früh kolonialisiert. Durch die Vermischung von arabischer, christlicher und jüdischer Musik und auch der Kultur war das dann eigentlich der Keim der Folklore dort.

Wird beim Flamenco auch spontan improvisiert?

Im Flamenco gibt es nicht solche festen Regeln. Die Freiheit der Provinz Andalusien, die eigentlich für mich mehr zu Nordafrika als zu Spanien zählt, von ihrer Mentalität her, die macht sich natürlich im Flamenco breit.

Wie wichtig ist denn überhaupt die Gitarre für diesen Tanz?

Also die Grundbesetzung wäre eine Gitarre, ein/e Sänger*in und ein/e Tänzer*in. Der Tanz ist ursprünglich eigentlich solistisch. Es gab ja in der Musik auch schon die Barockzeit mit der Bolero-Schule. Da gab es immer schon die Gitarrist*innen, die im Solo gespielt haben.

Der/die Sänger*in, hat sein/ihr Herz auf der Zunge und singt und die Gitarre ist der Mittler zwischen dem Gesang und dem Tanz.

Jazz Flamenco Jazz — „Chabem“ mit dem Chano Domínguez Trio

Der spanische Pianist und Komponist Chano Domínguez zählt zu den wichtigen Vertretern des Flamenco Jazz - einer Weiterentwicklung des traditionellen Flamenco. Der 1960 in der südspanischen Hafenstadt Cadiz geborene Jazzmusiker hat nie im Leben eine Gitarren- oder Klavierklasse besucht und ist durch und durch ein Selfmademan. Inspiriert von Chick Corea unterscheidet er nicht zwischen Melodie und Harmonie oder linker und rechter Hand. Für ihn sind alle zehn Finger gleichbereitigt und fügen Flamenco und Jazz in Improvisationen zusammen. Sein neues Album „Chabem“ ist eine wilde Mischung aus Mandoline, Schlagzeug und Klavier und beim spanischen Label Altafonte erschienen.

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Literatur Zum Abschluss der 74. Frankfurter Buchmesse

Die Frankfurter Buchmesse kann mit diesem Neustart – nach einer digitalen und einer deutlich begrenzten Ausgabe – eine durchweg positive Bilanz ziehen. Die Friedenspreisrede des ukrainischen Musikers und Schriftstellers Serhij Zhadan war der Höhepunkt der 74. Frankfurter Buchmesse. Und sie war das Gegenteil von dem, was gemeinhin eine Sonntagsrede genannt wird. Die Ansprache war vielmehr eine politisch-literarische Analyse, die mit konkreten Beispielen aufzeigte, wie der Krieg die Sprache verändert, das Sprechen im Alltag genauso wie die literarischen Kunstformen.

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