Glosse

Quäl dich: Gordon Kampe über Musik, Sport und Olympia

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Gordon Kampe kennt es zu gut: Das Gefühl vieler Musiker*innen, sich für den Erfolg zu quälen, alles zu geben – und am Ende dann doch mit leeren Händen dazustehen. Warum muss es denn überhaupt Wettbewerb geben in der schönen Welt der Musik? Zum Auftakt der Olympischen Sommerspiele in Tokyo reflektiert er über den Sinn und Unsinn eines musikalischen Schneller-Höher-Weiter.

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Legendär: Drei Tenöre wetteifern um das hohe C

Italien 1990. Finale. Erinnern Sie sich? Genau. Luciano Pavarotti, José Carreras und Placido Domingo traten erstmals gegeneinander an – und schaut man sich die Verlängerung im „O sole mio“ auf Youtube an, dann gewann Pavarotti die Partie ganz klar mit drei zu vier Trillern.

Ziemlich schräg sieht das aus, wie Domingo sich nach Pavarottis Triller-Eskapaden den Kollegen Carreras schnappt, mit den Fingern rhythmisch zählend andeutet, wie oft die beiden nun zu trillern gedenken, ausholen… und das Ding leider doch nicht reinmachen. Dabei war es nicht einmal ein hohes C, eher ein etwas zu tiefes h.

„Nicht nur Üben, auch Quälen gehört dazu“

Die Szene ist zwar sehr amüsant, aber dieser inszenierte Wettbewerb ist auch ein bisschen gaga. Allerdings ist der Wettbewerbsgedanke aus dem Alltag von Musiker*innen – leider – gar nicht wegzudenken: angefangen von den Aufnahmeprüfungen an Musikhochschulen, über Probespiele bei Orchestern bis hin zum gegenseitigen Sich-Messen bei – eben – Wettbewerben. Nicht nur Üben, auch Quälen gehört dazu und selten sind sich Spring- und Walkürenreiten so nah.

Wie schade, denn was mich beim Sport-Gucken begeistert, nämlich das Gewinnen-Wollen, das nervt mich wahnsinnig, wenn es so schlicht auf die Musik übertragen wird. Ja, hier wie da bedarf es einer enormen Disziplin, will man nicht ewig drölfte Verbandsliga spielen. Und wer sich nach dem Abi erst überlegt, Tennisprofi oder Pianistin zu werden, wird unweigerlich als Sport- oder Musikkritiker*in enden.

Jubel im Konzert – nicht immer erstrebenswert

Ich erinnere mich noch gut, wie ich, als ich noch Organist war, Jubel regelrecht registrieren konnte: Vollkommen ungeübt und noch malade von samstäglicher Party, plumpsten beide Füße auf die Pedale und blieben dort auch erstmal liegen.

Das brummt, das macht Eindruck. Obenrum erbrachen sich einige trompetende Akkorde, Skala rauf, Skala runter. Musikalisch eine Sünde, die ich noch immer unter Zuhilfenahme von Sack, Asche und Rosenkränzen versuche wiedergutzumachen.

Ich will nicht gewinnen

Viel lieber hätte ich doch Applaus für das Unscheinbare und Kunstvolle erhalten: für meine gewieften Pausen zum Beispiel, für die kleinen Verzögerungen zu rechter Zeit, für den Pralltriller mit dem vierten Finger der, schwups, mir nichts dir nichts mit allerlei harmonischen Finten modulierend auf H-Dur endet! H-Dur!!! Bittesehr – das ist das reinste Elfmeterschießen für Finger und Füße!

Nein, da sind die gelegentlich bemühten Parallelen zwischen Musik und Sport für mich dann doch dahin…: Ich will nicht gewinnen.

Offene Rechnung

Übrigens. Da mich das niemand fragt, muss ich es hier doch mal loswerden. In der siebten Klasse war ich mit der Schulmannschaft Volleyball-Kreismeister. Der Typ vom Gymnasium Unna, der mich bei anschließender Bezirksmeisterschaft mit 15 Assen nacheinander mit fies angeschnibbelten Bällen übel brüskierte, möge sich doch gern mal bei mir melden. Liebe Grüße.

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