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Sein Orchesterwerk "Anaklasis" für Streichinstrumente und Schlagzeug wurde 1959 bei den Donaueschinger Musiktagen uraufgeführt und sicherte ihm fortan einen festen Platz in der Neuen Musik. Im Alter von 86 Jahren ist er nun gestorben.

Der polnische Komponist Krzysztof Penderecki ist tot. Er starb am Sonntag, 29. März, in Krakau (Krakow), wie die Agentur PAP unter Berufung auf seine Ehefrau berichtete. Penderecki wurde in jungen Jahren der Avantgarde zugeschrieben, wandte sich aber später wieder traditionellen Formen zu. Eine seiner bekanntesten Kompositionen widmete er den Opfern des Atombombenangriffs auf Hiroshima. Seine ausdrucksstarke Musik wurde in zahlreichen Filmen verwendet, darunter Horrorklassiker wie "Shining" und "Der Exorzist". Er galt als wichtigster polnischer Komponist der Gegenwart.

"Ich hatte das große Glück, viele seiner Werke in den letzten 25 Jahren uraufzuführen. Jedes Stück, das er seitdem für mich geschrieben hat, hat mich tief herausgefordert und bewegt.
Seine Erde zerschmetternde musikalische Sprache, seine Beherrschung der Form, gefüllt mit seiner tiefen Seele, die durch jede Note seiner Kompositionen leuchtet, macht sein Œuvre zu einem Geschenk.
Und diesen wunderbaren Mann kennenzulernen, der leidenschaftlich Bäume gesammelt und kultiviert hat, bleibt für immer mein Lebensschatz."

Anne-Sophie Mutter bei Facebook

Penderecki wurde am 23. November 1933 in Debica bei Krakau als Sohn eines musikbegeisterten Anwalts geboren. Er erhielt in frühen Jahren Violin- und Klavierunterricht und studierte später Komposition an der Krakauer Staatsakademie. Aufsehen erregte er, als er 1959 beim Warschauer Wettbewerb junger polnischer Komponisten anonym drei Stücke einreichte und alle drei zu vergebenden Preise gewann. Seinen 85. Geburtstag hatte Penderecki noch mit einem eigenen Musikfestival und Weggefährten aus aller Welt in Warschau gefeiert.

Polens Geschichte als "Polnisches Requiem"

Der polnische Präsident Andrzej Duda schrieb auf Twitter: "Mit seiner Schaffenskraft prägte er eine ganze Epoche der polnischen und der Weltkultur." Er erinnerte daran, dass bei den Gedenkfeiern zum 80. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs im vorigen September das "Polnische Requiem" des Künstlers erklungen war. Das Monumentalwerk thematisiert die tragischen wie die erhabenen Momente der Geschichte des Landes. Der Komponist hatte es seit der Uraufführung 1984 immer wieder um neue Passagen ergänzt, beispielsweise in Erinnerung an Papst Johannes Paul II.

Der Bäumepflanzer

Privat genoss der Komponist seinen Landsitz im südpolnischen Lusławice in der Nähe des von ihm gegründeten "The Krzysztof Penderecki European Centre for Music", das junge europäische Musiker ausbildet. Dort hegte er auch eine andere Leidenschaft. Er pflanzte mehr als 1.500 Bäume, um einen riesigen Park zu gestalten. "Vier Stunden braucht man, wenn man ganz um die fast 30 Hektar herumläuft - das ist eine nette Gymnastik für mich, besonders weil ich nie Sport betrieben habe."

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