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Der öffentlich-rechtliche Hörfunk in Neuseeland wollte sein UKW-Klassik-Programm Radio New Zealand Concert einstellen. Das rief die Premierministerin und weitere Unterstützer auf den Plan.

Jacinda Ardern 2018 in Berlin (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Markus Schreiber)
Auch Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern forderte den Erhalt des öffentlich-rechtlichen Klassiksenders. Im September will sie für eine zweite Amtszeit wiedergewählt werden. Markus Schreiber

Der neuseeländische Rundfunk RNZ hat seine Pläne wieder zurückgezogen, seinen klassischen Musiksender Concert von der UKW-Frequenz zu nehmen. Das Programm sollte auf die Mittelwelle verbannt werden und stattdessen ein Jugendprogramm ausgestrahlt werden, um ein breiteres, jüngeres Publikum zu erreichen. Gegen die Pläne gab es große Proteste. Unter anderem setzte sich die aktuelle Regierungschefin, Jacinda Ardern, für den Erhalt des Senders ein. Der Sender teilte am Mittwoch, 12. Februar, mit, man werde nun eine Strategie entwickeln, um mit dem Klassiksender ein breiteres Publikum zu erreichen. Zugleich teilte er mit, dass die Regierung eine zusätzliche UKW-Frequenz freigeben will.

"Es ist ein grundsätzlicher Fehler zu glauben, dass junge Leute sich nur für die Musik von Amy Winehouse interessieren und nicht für die Musik von Brahms."

Chris Finlayson, ehemaliger Generalstaatsanwalt und Kämpfer für den Klassiksender

Nach Bekanntwerden der ursprünglichen Pläne wollte Premierministerin Jacinda Ardern (39) nach Alternativen suchen und war verärgert, dass RNZ seinen Plan weiter verfolgte, obwohl die Regierung um Zeit gebeten hatte. Ardern argumentierte, dass ein Programm nicht auf Kosten des anderen realisiert werden dürfe. "Wir müssen den Zugang aller Neuseeländer zur Kunst erweitern", so Ardern.
Neben Ardern setzten sich auch ihre Amtsvorgängerin Helen Clark und der ehemalige Generalstaatsanwalt für den Erhalt des Klassiksenders ein und entfachten eine Debatte über klassische Musik und die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Vollautomatisch in die Mittelwelle

Mit dem Plan wollte RNZ eine UKW-Frequenz freibekommen, um darüber ein Jugendprogramm auszustrahlen. Der RNZ argumentiert, er könne seinen Verpflichtungen als öffentlich-rechtlicher Rundfunkveranstalter nicht nachkommen, ohne die Vielfalt seines Publikums zu vergrößern. Das Klassikprogramm sollte vollautomatisiert werden und über die Mittelwelle ausgestrahlt werden.
Anfang Februar hatte RNZ angekündigt, dass alle 17 Mitarbeiter des Programms ihren Job verlieren werden. Concert ist eines von drei nationalen Hörfunkprogrammen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und sendet derzeit neben Konzertübertragungen klassische Musik, Weltmusik und Jazz.

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