Jazz "Farangi - Du Baroque à l'Orient" vom Duo Claire Antonini & Renaud García-Fons

Von Georg Waßmuth

Das junge Label „Galileo Music“ macht Weltmusik – wobei die Grenzen zum Jazz fließend sind und auch Projekte jenseits des Mainstreams realisiert. Das weiß auch das Duo Claire Antonini und Renaud García-Fons zu schätzen. Ihre neue CD „Farangi - Du Baroque à l'Orient“ ist bei Galileo Music veröffentlicht. Es sind 19 Stücke, wie eine Perlenkette aufgereiht in außergewöhnlicher Qualität - Saitenzauber in seiner ganzen Pracht.

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Von europäischer Barockmusik bis in den Orient

Schon mit dem kraftvollen Auftakt wird klar, wohin die Klangreise mit der CD „Farangi - Du Baroque à l'Orient“ gehen soll. Claire Antonini mit ihrer Theorbe und Renaud García-Fons am Kontrabass wollen einen weiten Bogen durch Raum und Zeit schlagen, von der europäischen Barockmusik bis in den Orient.

Auf stets neue Art und Weise setzen sie hierfür ihre beiden Saiteninstrumente ein. Es wird geschlagen und gezupft, gestrichen und tremoliert und dabei keine Sekunde Intensität verschenkt.

Meister am Kontrabass: Renaud García-Fons

Renaud García-Fons kann man mit einem einzigen, kurzen Satz vorstellen: Er spielt den Kontrabass wie kein zweiter, ganz so, als sei das Instrument für ihn persönlich erfunden worden.

Laute im XXL-Format: Claire Antonini

Claire Antonini ist eine Spezialistin für alte Saiteninstrumente. Ihre Theorbe muss man beschreiben, denn sie kommt heute nicht mehr alltäglich zum Einsatz. Ein wenig gleicht sie einer Laute, allerdings im Format XXL.

Vom großen Korpus ragt ein sehr langes und breites Griffbrett mit sehr vielen Saiten ab. Ein Teil davon wird gezupft oder angeschlagen, der andere schwingt einfach mit.

Das Klangspektrum der Theorbe ist frappierend, sie hat gleichermaßen Body wie unendlich viele Obertöne. Im Duett mit dem robusten Kontrabass von Renaud García-Fons eifern beide um die Deutungshoheit und übertrumpfen sich mit enormer Spiellaune.

Temporeiche und ruhige Klänge vereint

Neunzehn kurze Stücke hat Renaud García-Fons für die CD konzipiert. Stilistisch lässt sich da wenig einordnen, jede Schublade ist zu klein. Seit Jahrzehnten ist der Kontrabassist zwischen den Musikwelten unterwegs. Er wildert im Jazz, jagt durch die Weltmusik, hat ein Ohr auf die Klassik gerichtet und das andere Richtung orientalischer Musik.

Genre-Grenzen sind für García-Fons kleine Hürden, die man sportlich nehmen muss. Beflügelt wird seine Neugier von einer überragenden Spieltechnik.

Doch bei der Neuerscheinung ist bei weitem nicht alles auf Tempo gebürstet. Im Duett erschaffen Renaud García-Fons und Claire Antonini immer wieder ruhige Klangflächen, auf denen sie kontemplativ verweilen.

Spezialistin in Klangvielfalt und Spieltechnik an der Theorbe

Renaud García-Fons und Claire Antonini sind als Duett schon seit vielen Jahren aktiv. Sie steht dabei dem Überflieger am Kontrabass in nichts nach. Die Künstlerin studierte sowohl Alte wie Orientalische Musik und begleitet regelmäßig den berühmten Countertenor Philippe Jaroussky.

Sie kann eine Vielfalt an Spieltechniken abrufen, die weit über das Können einer Barockspezialistin hinausreichen.

19 Titel entführen in eine außergewöhnliche Klangwelt

„Farangi - Du Baroque à l'Orient“ ist eine CD, wie sie sicher nicht alle Tage veröffentlicht wird. Die außergewöhnliche Qualität der Darbietung reiht die neunzehn Stücke wie eine Perlenkette auf.

Die Aufnahmetechnik hat ihre besten Mikrofone sehr nahe an den beiden Instrumentalisten positioniert. Klanglich ist die CD jedem Streaming-Angebot weit überlegen und unbedingt vorzuziehen. Nur so kann der Saitenzauber in all seiner Pracht und Schönheit zum Tragen kommen.

CD-Tipp am 17.5.2019 aus der Sendung "SWR2 Journal am Mittag"

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