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Mozart lag viel daran, dass Geige und Klavier gleichberechtigt musizieren, dass sie miteinander kommunizieren. In seinen Violinsonaten mausern sich die Instrumente zu echten, einander ebenbürtigen Gesprächspartnern. Der Dialog ist bei der Violinsonate in F-Dur verspielt, leicht und graziös. Beim Heidelberger Frühling im Jahr 2019 hauchen Bomsori Kim und Rafał Blechacz der Sonate romantischen Charakter ein.

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Die Welt auf Augenhöhe

Mozart selbst war ein exzellenter Geiger und hatte vermutlich wenig Lust, den Pianisten beim gemeinsamen Musizieren vornehmlich zuzuhören oder spielerisch zu untermalen. Aber er war auch ein ebenso guter Pianist. Darum lag ihm viel daran, dass Geige und Klavier gleichberechtigt musizieren, dass sie miteinander kommunizieren. Mozarts Violinsonaten machen aus Geige und Klavier echte Partner und haben Maßstäbe gesetzt für Beethoven und Brahms. Seine Violinsonate F-Dur KV 376 hat er der Wiener Pianistin Josepha von Aurnhammer gewidmet.

Ein Scheusal, das entzückend spielt

Josepha von Aurnhammer war Mozarts erste Klavierschülerin, nachdem er nach Wien gezogen ist. „Die freulle ist ein scheusal“, beschreibt sie Mozart in seiner unverfrorenen Art und meint damit vor allem ihr Aussehen: „Dick wie eine Bauerndirne“, „sie schwitzt als das man speien möchte“. Aber auf sie als Pianistin lässt er nichts kommen. Wie sehr er sie schätzt zeigt auch, dass er bald schon öffentlich mit ihr auftritt. Sie ist eine selbstbewusste Frau, die weiß, was sie will, nämlich Pianistin sein und auch Komponistin. Mozart widmet ihr sechs Sonaten für Geige und Klavier, darunter eben die in F-Dur KV 376, die die beiden sicher auch miteinander gespielt haben.

Wiener Leichtigkeit im Geist der Romantik

Mozarts Violinsonate F-Dur ist verspielt, luftig, graziös – der Schlusssatz heißt auch „Allegretto grazioso“. Der 2. Satz, ein „Andante“, lässt die Melodie, sanft und fließend, wechselweise von Geige oder Klavier spielen. Und der Eingangssatz, ein „Allegro“, bekräftigt gleich zu Beginn das gemeinsame Miteinander, indem die beiden Instrumente entschieden und einmütig, unisono, mit 3 Akkorden beginnen.

Der polnische Pianist Rafał Blechacz und die südkoreanische Geigerin Bomsori Kim kultivieren bei ihrem Auftritt im Rahmen des Heidelberger Frühlings 2019 vor allem das Musikantisch-Lustige, die Triller flirren, Blechacz tritt großzügig das Pedal, da darf's gerne von allem ein bisschen mehr sein. Mozart im Geiste der Romantik.

Der polnische Pianist Rafał Blechacz und die südkoreanische Geigerin Bomsori Kim spielen seit 2016 zusammen. Blechacz hatte die Geigerin online beim Wieniawski Violinwettbewerb verfolgt, wo sie damals den 2. Platz erreicht hat, und fragte sie an als Duopartnerin. 2013 war sie bereits Preisträgerin beim ARD Musikwettbewerb. Rafał Blechacz hat 2005 den bedeutenden Chopin-Wettbewerb in Warschau gewonnen, ein zweiter Preis wurde damals nicht vergeben, um den Abstand zum Nächstbesten deutlich zu machen.

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