Musikstück der Woche vom 14.04.2014 Tödlich selbstverliebt

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Karol Szymanowski "Narciss" aus "Mythen" für Violine und Klavier op. 30

Bei einem Ettlinger Schlosskonzert am 19.2.2012 spielten Christine Busch (Violine) und Cornelis Witthoefft (Klavier) eine der Mythen op. 30 des polnischen Komponisten Karol Szymanowski. Tief verwurzelt in der abendländischen Kunst und Literatur ist der Mythos von Narciss, der zur Personifikation all dessen wurde, was sich rein auf sich selbst bezieht.

Vis á vis mit sich selbst

Schön, jung und überheblich ist der antike Götterliebling Narciss. Knaben und Mädchen begehren ihn, doch er weist sie alle zurück. Nur sich selbst kann er lieben, und zwar so stark, dass er sich am eigenen Spiegelbild nicht satt sehen kann. Tagelang betrachtet er sich in der Oberfläche eines Waldteiches. Die Eigenliebe wird ihm zum Verhängnis: Als er erkennt, dass das schöne Bild seine Liebe nicht erwidert, nimmt er sich das Leben. So erzählt es der römisch-antike Dichter Ovid in seinen "Metamorphosen". Sein Tod ist gleichzeitig die Geburt einer Blume: der Narzisse.

Als der polnische Komponist Karol Szymanowski 1915 Narziss in den "Mythen" für Violine und Klavier op. 30 musikalisch 'porträtierte', ließ er sich einerseits von antiken Mythen und Bildern inspirieren, andererseits auch ganz stark vom französischen Impressionismus. Arthur Rubinstein beschrieb Szymanowskis Musik so: "Sein Stil lehnte sich sehr an Chopin an und seine Form hatte etwas von Skrjabin, doch war in seiner Melodieführung, seiner Kühnheit und seinen interessanten Modulationen bereits eine starke und originelle Persönlichkeit zu spüren." Szymanowskis musikalisches Gemälde des Narziss beginnt mit zwei klar umrissenen Themen, die sich im Mittelteil ausweiteten, bevor sie fast klaustrophob anmutend und kontrapunktisch sehr komplex übereinander geschichtet werden.

Die Geigerin Christine Busch

Die gebürtige Stuttgarterin Christine Busch studierte als Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes und des DAAD bei Wolfgang Marschner und Rainer Kussmaul in Freiburg, in Wien bei Boris Kuschnir und in Winterthur bei Nora Chastain. Schon in dieser Zeit wirkte sie beim Concentus Musicus Wien mit (prägend: Nikolaus Harnoncourt und seine Musiker), beim Chamber Orchestra of Europe und beim Freiburger Barockorchester. Seitdem ist sie als Solistin und Kammermusikerin sowohl mit der "modernen" als auch mit der "Barock"–Geige in Konzerten auf Festivals in Europa, in den USA, Japan und Australien zu hören; als Konzertmeisterin arbeitet sie gerne mit Philippe Herreweghe, Thomas Hengelbrock und Kay Johannsen zusammen. Als Gastleiterin erhielt sie Einladungen von der Camerata Bern und der Kammerakademie Potsdam. 2004 gründete sie das Salagon-Quartett, ein Streichquartett mit zeit-adäquatem Instrumentarium, dessen Repertoire sich zwischen Haydn und Mendelssohn bewegt.

Ab 1997 unterrichtete Christine Busch als Professorin an der Hochschule der Künste Berlin und folgte anschließend im Jahr 2000 einem Ruf an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart.

Der Pianist Cornelis Witthoefft

Der Hamburger Cornelis Witthoefft studierte zunächst Evangelische Kirchenmusik an der Musikhochschule Hamburg, anschließend Orchesterdirigieren, Chorleitung und Korrepetition an der Universität der Künste Wien sowie Liedgestaltung bei Professor Dr. Erik Werba. 1989 trat er sein erstes Engagement als Solorepetitor an der Wiener Staatsoper an. In Ergänzung seiner musikalischen Ausbildung studierte er von 1991 bis 1997 an der Universität Stuttgart die Fächer Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie. 1991 wurde Cornelis Witthoefft als Solorepetitor mit Dirigierverpflichtung an die Staatsoper Stuttgart berufen. Dirigierverpflichtungen und Einstudierungen führten ihn an wichtige Opernhäuser wie die Opéra de la Bastille Paris, die Flämische Oper Antwerpen, das Teatro di San Carlo Neapel, das Teatro Massimo Palermo, die Salzburger Festspiele und an das New National Theater Tokio.

Cornelis Witthoefft pflegt eine umfangreiche Konzerttätigkeit im In- und Ausland mit den Schwerpunkten Lied und Kammermusik und einem umfangreichen, stilistisch breit gefächerten Repertoire. 2004 wurde Cornelis Witthoefft als Professor für Liedgestaltung an die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart berufen.

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