Musikstück der Woche Richard Strauss: Sonate für Violoncello und Klavier F-Dur op. 6

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Zuhause bei Familie Strauss gehörte Hausmusik quasi zum Inventar. Kein Wunder, dass der junge Richard Strauss seine ersten Kompositionsversuche dort unternahm. Zwar sind diese frühen Kammermusikwerke eine andere Welt als die seiner sinfonischen Werke und Opern - und sie sind ihr klanglich erstaunlich nah. Strauss' Violoncellosonate F-Dur op. 6 stand am 2.6.2013 auf dem Programm des Debut-Konzerts der jungen niederländischen Cellistin Harriet Krijgh bei den Schwetzinger SWR-Festspielen.

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Der Komponist (u.a. "Der Rosenkavalier") und Dirigent Richard Strauss im Jahr 1888 als Student. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - dpa)
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Hausmusik für die große Konzertbühne

Seine Sonate für Violoncello und Klavier F-Dur op. 6 band Richard Strauss ganz in seine Münchner Umgebung ein, in die er – noch keine 20 Jahre alt – als Sohn des ersten Waldhornisten der Münchner Hofkapelle hineingeboren wurde. So ist der Widmungsträger dieser zwischen 1881 und 1883 komponierten Sonate Hanuš Wihan, der Solocellist der Münchner Hofkapelle war und als Kollege des Vaters im Elternhause Strauss’ ein- und ausging. Überhaupt lassen sich alle Frühwerke von Strauss der Hausmusikpflege seiner Eltern zuordnen: seine Vorliebe für Kammermusik und seine Kompositionen für die Instrumente aus dem Familien- und Freundeskreis bestimmen maßgeblich das Repertoire. Als die Sonate in einem Nürnberger Hotel vom Widmungsträger uraufgeführt wurde, meldete Strauss seiner Mutter stolz: "Also meine Sonate hat außerordentlich gefallen, sie wurde kolossal applaudiert, von allen Seiten wurde mir gratuliert, und es herrscht nur eine Stimme über das Ganze."

In seiner Musiksprache erweist sich der junge Komponist als ein guter Kenner der Werke von Mendelssohn, Schumann und Brahms. Seine Sonate legte er dreisätzig an und verzichtete damit – wohl mit Blick auf die beachtliche Gesamtlänge - auf einen Scherzo-Satz. An den Anfang stellte Strauss eine fanfarenartige Einleitung, ehe er in seinem ersten Satz das Cello mit einem lyrischen Hauptthema beginnen lässt.

Den zweiten Satz gliedert eine schlichte A-B-A-Struktur, und im Finale fallen Kanons im Durchführungsteil auf, die ein wenig wirken, als seien sie technische Handgelenksübungen. Strauss selbst ging mit seiner Sonate nur wenig später sehr hart ins Gericht. Und wie stark sich nach den frühen Kammermusikwerken generell sein Stil ändern sollte, zeigt ein Brief, den der Komponist nur sieben Jahre nach der Uraufführung seiner Cellosonate über eine weiter Aufführung schrieb: "...was mir furchtbar komisch vorkam, so mit allem Ernst den Leuten ein Stück vorzuspielen, an das man selbst nicht mehr glaubt." In dieser Zeit hatte er sich längst großen sinfonischen Formen und Opern zugewandt.

Harriet Krijgh (Violoncello)

Harriet Krijgh wurde im Juni 1991 in den Niederlanden geboren und erhielt im Alter von fünf Jahren ihren ersten Cello Unterricht. Im Jahr 2000 wurde sie in die Klasse junger Talente an der Hochschule für Musik Utrecht aufgenommen, wo sie von Lenian Benjamins unterrichtet wurde. 2004 verlegte Harriet ihren Lebensmittelpunkt nach Wien, um bei Lilia Schulz-Bayrova und Jontscho Bayrov an der Konservatorium Wien Privatuniversität Cello zu studieren. Seit September 2013 studiert Harriet als „Junge Solistin“ an der renommierten Kronberg Academy bei Frans Helmerson, dieses Studium wird durch das Casals-Stipendium ermöglicht. Ihre künstlerische Ausbildung bei Schulz-Bayrova in Wien setzt sie parallel dazu fort.

Harriet Krijgh ist eine der aufregendsten und vielversprechendsten jungen Cellistinnen der Gegenwart. Ihr kantables und ausdrucksstarkes Spiel berührt und begeistert Publikum wie Presse gleichermaßen.Die junge Künstlerin war bereits im Musikverein und im Konzerthaus Wien zu Gast, sie spielte bei den Haydn Festspielen Eisenstadt, bei den Musiktagen Mondsee, bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, beim Festival Sommets Musicaux Gstaad, beim Rheingau Musikfestival und bei den Schwetzinger Festspielen. In den Niederlanden trat sie unter anderem im Concertgebouw Amsterdam, im Muziekcentrum Vredenburg in Utrecht und im de Doelen Konzerthaus von Rotterdam auf.
Zukünftige Engagements führen Harriet Krijgh ins Concertgebouw Amsterdam und in den Musikverein Wien zurück, erstmals spielt sie in der Philharmonie Essen und im Konzerthaus Dortmund. In der Saison 2013/14 ist sie Stipendiatin der Mozart-Gesellschaft Dortmund. In Konzerten mit dem NDR Sinfonieorchester Hamburg und dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin wird sie das Cellokonzert von Edward Elgar zur Aufführung bringen.
Harriet ist Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe. So gewann sie zwischen 2008 und 2010 1. Preise beim „Prinses Christina Concours“ in den Niederlanden, beim Österreichischen Bundeswettbewerb „Prima la Musica“, beim Fidelio-Wettbewerb in Wien, sowie den „Nicole Janigro Preis“ beim internationalen „Antonio Janigro Cello Competition“ in Kroatien. Ein großer Erfolg war der 1. Preis und der Publikumspreis bei der Cello Biennale Amsterdam im November 2012.
Auf Burg Feistritz in Österreich hat die Cellistin ein eigenes Festival „Harriet & Friends“ initiiert, bei dem sie alljährlich im Juni mit befreundeten Musikern aus aller Welt Kammermusik spielt.

Kamilla Isanbaeva (Klavier)

Gemeinsam mit Harriet Krijgh hat die Pianistin Kamilla Isanbaeva die von der Kritik hoch gelobte CD "The French Album" mit Musik von Franck, Debussy, Fauré und Offenbach eingespielt, die im März 2012 erschienen ist. Isanbaeva, die in Usbekistan geboren wurde, war nach ihrem Umzug in die Niederlande 1994 ebenfalls Mitglied der Klasse junger Talente in Utrecht. Neben Recitals in den Niederlanden ist sie bei zahlreichen Musikfestivals zu Gast. Sie lebt heute in London.

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