Musikstück der Woche

Schumanns Fantasiestücke mit Antje Weithaas, Maximilian Hornung und Dénes Várjon

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Zur Apfelernte, nicht zur Spargelzeit - die Schwetzinger SWR Festspiele werden dieses Jahr ab dem 15. Oktober ihre Tore öffnen. Für Ungeduldige gibt es jetzt schon mal einen Schwetzingen-Appetit-Happen: Schumanns Fantasiestücke op. 88 von den Festspielen 2015. Kammermusik nach Plan!

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Schumann, der Systematiker

Schumann, so scheint es, arbeitet in seinem Werk einen musikalischen Bereich nach dem anderen schwerpunktmäßig ab. Systematik als Anker in einem unruhigen Geist oder einfach nur Gründlichkeit und Hingabe? Erst komponiert Schumann fast nur Klaviermusik, 1840 gehört dann den Liedern und 1842 der Kammermusik. Zum Abschluss dieses „Kammermusikjahres“ entwirft Schumann ein Werk in klassischer Triobesetzung für Streicher und Klavier.

Der Verleger wartet

Nun schmort das Klaviertrio aber erstmal unter Schumanns Notenblättern. Irgendwie kann Schumann sich nicht entschließen, es zu veröffentlichen. Das mag an der doch ungewöhnlichen Anlage des Trios liegen, ein Potpourri von verschiedenen Sätzen mit Tanzcharakter. So was entspricht ja wohl kaum dem, was man landläufig unter einem klassischen Klaviertrio versteht, bei dem die Sätze meist dem üblichen Sonatensatzschema folgen. Schumann vertröstet den Leipziger Verleger jahrelang. Erst 1850,nach zahlreichen Änderungen, soll es schließlich veröffentlicht werden.

„Ganz anders, ganz leiser Natur“

Schumann überarbeitet in den Jahren vor der Veröffentlichung die vier Sätze, die ihm „ganz anders“ und von „ganz leiser Natur“ erscheinen, und nennt sein erstes Klaviertrio schließlich „Fantasiestücke“ op. 88. Den Sätzen gibt er beziehungsreiche, poetische Überschriften, die ganz ihrem Charakter entsprechen: Eine Romanze zu Beginn mit innigen Melodienbögen, eine eigenwillige Humoreske, ein Duett mit einem kanonartigen Dialog zwischen den beiden Streichern, und ein Finale, das als Marsch daherkommt.

Eine Welt voller Geheimnisse

Hatte das Zeitalter der Aufklärung dafür gesorgt, dass die Vernunft das Denken der Menschen prägt, so ist es Schumann und vielen Künstler*innen seiner Zeit nun ein tiefes Bedürfnis, mit ihrer Kunst eine Welt des Fantastischen zu erschaffen, das Reich der Träume, der Märchen, des Geheimnisvollen zu betreten. Das drücken Schumanns „Fantasiestücke“ schon im Namen aus. Aber auch darüber hinaus sind sie Stücke voller feinster Stimmungen, die dazu einladen, auf Fantasiereise zu gehen.

Die Künstler*innen

Die Geigerin Antje Weithaas ist gerade für ihre Einspielung von Schumanns Violinkonzert mit dem BBC Music Magazin Concerto Award 2021 ausgezeichnet worden. Vor allem aber ist sie begeisterte Kammermusikerin und Lehrerin mit Professur in Berlin.

Der Cellist Maximilian Hornung hat mit 21 Jahren den Ersten Preis beim ARD Musikwettbewerb in München gewonnen, wurde zwei Jahre später 1. Solocellist beim Symphonieorchester des BR, wo er bis 2013 blieb und sich dann für ein selbstständiges Musikerleben entschied. Er hat eine Professur in München.

Der ungarische Pianist Dénes Várjon ist ebenfalls ein großer Kammermusiker. Er leitet seit 2019 die Reihe „Complete Works Live“ in seiner Heimatstadt Budapest, die sich Robert Schumanns Klavierkammermusik annimmt. In Budapest lehrt er auch als Professor.

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