Musikstück der Woche vom 06.07.2015 Mozart in Moll

Wolfgang Amadeus Mozart: Adagio für Klavier h-Moll KV 540

Mozart kann heller strahlen als jeder andere Komponist. Aber besonders berührt seine Musik, wenn sich ein Schatten über die Mozart-Sonne legt, wie in diesem Adagio für Klavier. Herbert Schuch spielt im Asamsaal von Schloss Ettlingen, ein Live-Mitschnitt vom 15.4.2012.

Darling Mozart

"Eine bewundernswürdige Geschwindigkeit, die man besonders in Rücksicht der linken Hand oder des Basses einzig nennen konnte, Feinheit und Delikatesse, der schönste, redendste Ausdruck", so erinnert sich Mozarts Biograf Franz Xaver Niemetschek, "sind die Vorzüge seines Spieles gewesen, die gepaart mit seiner Gedankenfülle, mit der Kenntniß der Komposition natürlich jeden Hörer hinreißen, und Mozarten zu dem größten Klavierspieler seiner Zeit erheben mußten". Wien war begierig, diesen Ausnahmekünstler zu erleben, und in den 1780er Jahren war Mozart everybody's darling. Er spielte für die Freimaurer und für die Wiener Tonkünstlersozietät, vor dem Adel und dem Kaiser, er unterrichtete Klavier- und Kompositionsschüler: "der ganze vormittag ist den scolaren gewidmet. – und abends hab ich fast alle tage zu spiellen", berichtete er seinem Vater. Ein Wunder, dass da noch Zeit zu komponieren blieb: Klavierkonzerte, Figaro, Don Giovanni und jede Menge Kammermusik.

Kleiner Blick in die Buchhaltung

Wolfgang Amadeus Mozart (Foto: http://commons.wikimedia.org -)
Wolfgang Amadeus Mozart http://commons.wikimedia.org -

Am 7. Dezember 1787ernennt der Kaiser Mozart zum Hofcompositeur; der Ehrentitel ist verbunden mit einem Jahresgehalt von 800 Gulden. Es ist Mozarts erste förmliche Anstellung in Wien, die sich natürlich mit "freiberuflicher Tätigkeit" kombinieren lässt. Das Einkommen entspricht demjenigen eines Wundarztes; bei einem bürgerlichem Lebenswandel müsste es locker als materielle Grundsicherung ausreichen. Aber Mozart ist und bleibt knapp bei Kasse…

Adagion h-Moll

Selten hat Mozart einen melancholischeren Satz geschrieben als das Adagio in h-Moll. Im März 1788 trug er es ins "Verzeichnüß aller meiner Werke" ein, und ziemlich sicher war es im Umschlag mit den "neuesten Klavierstücken", die Mozart im Sommer des Jahres aus Wien an seine Schwester schickte, deren Klavierspiel er über alles schätzte. Das Adagio ist reich an musikalischen Symbolen, die für Trauer- und Klagemusiken typisch sind: Der typische Trauermarsch-Rhythmus (lang-kurz-kurz) zu Beginn, Seufzerfiguren, dissonante Vorhalte, viel Chromatik und ausgesprochen gewagte Harmonien. Schroff sind die dynamischen Kontraste, ebenso schroff die Harmonik: sie läuft oft in einem Irrgarten ins Leere, findet nicht mehr zum Ursprung zurück, und die Musik bricht resigniert ab. Die Wendung nach H-Dur am Schluss wirkt jedenfalls nicht wie eine Aufhellung oder gar ein Trost, sondern eher wie eine unbestimmte Sehnsucht.

Herbert Schuch

Ein Sieg bei einem Musikwettbewerb ist heute kein Garant mehr für die große Karriere – wenn aber jemand drei renommierte Wettbewerbe in Serie gewinnt, dann wird die Musikwelt hellhörig. So war es bei Herbert Schuch: Er räumte ab beim Casagrande-Wettbewerb, beim London International Piano Competition und beim Internationalen Beethovenwettbewerb Wien – und zwar innerhalb eines Jahres. Seither konzertiert er mit einigen der führenden Orchestern Europas: mit dem London Philharmonic Orchestra, dem Residentie Orkest Den Haag, der Camerata Salzburg, dem RSO Wien, der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, dem Orchestre National de Lyon und den Orchestern der ARD.

Schuch stammt aus Rumänien, siedelte als Kind nach Deutschland über und studierte am Salzburger Mozarteum in der 'Pianistenschmiede' von Karl-Heinz Kämmerling. Besonders geprägt hat ihn auch die Begegnung mit Alfred Brendel. Eines seiner Markenzeichen sind seine dramaturgisch klug zusammengestellten Konzertprogramme, in denen sich die Musikstücke – teils Epochen übergreifend – gegenseitig neu beleuchten.

Dem Publikum und den Veranstaltern gefallen Schuchs musikalische Intelligenz, seine Präsenz und Ernsthaftigkeit beim Musikmachen und sein unprätentiöses Auftreten. Neben seinen solistischen Programmen widmet sich Herbert Schuch auch mit Herzblut der Kammermusik – geweckt wurde sein Interesse durch eigenes Geigenspiel in der Kinderzeit. Er teilt es mit Musikern wie Adrian Brendel, Veronika Eberle, Julia Fischer, Marie-Elisabeth Hecker, Alina Pogostkina, Martin Spangenberg.

Außerdem engagiert sich Herbert Schuch bei "Rhapsody in School"; einer Organisation, die der Pianist Lars Vogt gegründet hat und die sich für die Vermittlung von Klassik in Schulen einsetzt.

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