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Beethoven wird kauzig: In unserem Musikstück der Woche spielt das frühere SWR2 New Talent Janina Ruh den Cellopart; ihr Partner am Klavier ist Boris Kusnezow.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
10:05 Uhr
Sender
SWR2

Musik aus der Einsamkeit

„Die gestrige Veranstaltung war nicht dazu angetan, die Begeisterung für das Talent dieses Komponisten zu erhöhen, der seine Anhänger und seine Gegner hat“, liest man in einem Polizeibericht vom 30. November 1814 über ein Konzert mit Kompositionen von Beethoven.

„Der Partei seiner Bewunderer gegenüber erhebt sich eine überwältigende Mehrheit von Kennern, die es unbedingt ablehnen, weiterhin seine Werke anzuhören.“

Dass der Kreis seiner Bewunderer und adligen Förderer kleiner wurde, bedrückte Beethoven sehr, und es stürzte ihn auch in finanzielle Schwierigkeiten. Seine gesundheitliche Lage verschlechterte sich zudem, sein Misstrauen gegen die Mitmenschen wuchs, und gleichzeitig seine Einsamkeit.

Keine Rücksicht auf Ohrenschmeichelei

Eine Sorge jagte die andere, als er 1815 die beiden Cellosonaten op. 102 komponierte. In ihnen klingt zum ersten Mal deutlich Beethovens Spätstil an: Er wagte darin eine fast experimentelle Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Instrumente, dehnte die vier Sätze harmonisch und satztechnisch über die üblichen Grenzen aus, nahm klangliche Härten in Kauf. „Alles blos Reizende, Rauschende und die Ohren Füllende“ ist darin „verschmäht“, wie ein zeitgenössischer Rezensent bemerkte.

Sonate C-Dur op. 102, 1

Die Sonate C-Dur eröffnet den Sonaten-Druck. Sie setzt sich aus zwei Doppelsätzen zusammen: Jedem der beiden Allegro vivace-Sätze geht eine langsame Einleitung voraus. Alle Sätze sind miteinander verknüpft: Die düstere Einleitung zum Finale greift ein Echomotiv aus der Einleitung zum ersten Satz auf, die beiden schnellen Sätze – Beethoven hat ihnen die Sonatensatzform zugrunde gelegt – sind durch ein energisches rhythmisches Motiv miteinander verklammert.

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