Musikstück der Woche

Claire Huangci spielt Ludwig van Beethovens Pastoralsinfonie in der Transkription von Franz Liszt

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Beide waren große Komponisten und Tastenvirtuosen, und beide schufen auf ihren Instrumenten Beachtliches. In den Klaviertranskriptionen, die Franz Liszt von den Sinfonien Ludwig van Beethovens anfertigte, scheinen diese beiden Künstler und ihre Talente zu verschmelzen. Das zu interpretieren ist bis heute eine Herkulesaufgabe. Claire Huangci hat Liszts Klavierübertragung von Beethovens „Pastorale“ für eine Einspielung ausgewählt.

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„Weißes Papier, leere Leinwand“

Unbestreitbar zählt Liszt zu den größten Tastenvirtuosen der romantischen Epoche. Das Wort „Tastentitan“ machte die Runde und er nahm vieles von dem vorweg, was auch heute zum Starkult in der Musikbranche gehört: Dem Klavier berauschende – und effektvolle – Klänge entlocken, eine geschickte Darstellung in der Öffentlichkeit und, damit verbunden, eine höchst individuelle Aura. Liszt lasse das Klavier als „weißes Papier“ wirken, schrieb einmal der russische Musikkritiker Alexander Serow. Das Instrument sei wie „leere Leinwand, auf der er mit seinen Farben nach seinem Willen schaltet“.

Meisterwerke als Folien

Dabei trachtete Liszt nicht allein danach, ein Improvisator zu sein, der ein so beschriebenes „weißes Blatt“ mit ganz freien Gedanken füllte: Seine Transkriptionen von populären Werken oder berühmten Komponisten sind gekonnte Bearbeitungen mit Hintersinn. Vor der Folie des „Altbekannten“ konnte Liszts eigene Kunst des Arrangements noch einmal wesentlich stärker leuchten.

So arrangierte Liszt beispielsweise Lieder von Franz Schubert und „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. Er nahm sich auch Opern wie Vincenzo Bellinis „Norma“ und Meyerbeers „Hugenotten“ vor, ebenso Orgelwerke von Johann Sebastian Bach und eben die Sinfonien des „Titanen“ Beethoven.

Klangwolken und feine Linien

Wie die Transkription von Beethovens „Pastorale“ zeigt, gelingt es Liszt sehr gut, die vielen zusammenwirkenden Klänge unterschiedlicher Instrumente allein auf dem Klavier darzustellen. Aus Orchestertutti werden mächtige, von reichlich Pedaleinsatz unterstützte Klangwolken. Die feinen Melodien der Holzbläser erscheinen beinahe pointillistisch als einzelne Linien in der linken Hand. Das stete Ausloten zwischen diesen Extremen wiederum trägt neben den spieltechnischen Anforderungen noch einmal zur Schwierigkeit dieser Partitur bei.

Kunstwerk statt Klavierauszug

Zwar war die Technik, ein Orchester am Klavier darzustellen, schon früher bekannt. Bis heute dienen etwa auf den Probebühnen in Opernhäusern die so genannten Klavierauszüge dazu, das Orchester auf schwarzen und weißen Tasten zu imitieren. Doch Liszts Transkriptionen viel mehr – nicht bloß ein Werkzeug, sondern durch die innewohnende Virtuosität und Klangmächtigkeit selbst ein eigenständiges Kunstwerk.

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