Musikstück der Woche vom 6.2. bis 12.2.2012 Der Zarensohn und die schöne Kluge

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Ein Gespräch zweier russischer Märchenfiguren, denen Leoš Janáček in einem seiner ersten Kompositionen jeweils eine Stimmen gab - ohne Worte.

David Geringas (Violoncello) und Ian Fountain (Klavier) 'sprachen' auf ihren Instrumenten die Stimmen der Figuren und 'erzählten' mit ihnen das "Märchen" von Janáček beim Ettlinger Schlosskonzert am 21.Februar 2010.

Leoš Janáček (Foto: Wikipedia -)
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Russische Märchenträume

Mit dem Titel "Märchen" legte Leoš Janáček eine Spur zum russischen Dichter Wassili Schukowski und dessen 1831 entstandenem Epos "Märchen vom Zaren Berendei, von seinem Sohne, dem Zarewitsch Iwan, von der Schlauheit des unsterblichen Koschtschei und von der Weisheit Marjas, der Zarin". Dieses fantastisch-mythische Märchen erzählt vom Kampf des Zarewitsch Iwan und seiner Liebe zur schönen Marja.

Diese beiden Märchenfiguren fließen bei Janáček in die Stimmen zweier Instrumente ein, die Handlung des Märchens aber weicht völlig einem freien, fantasievollen Nachspüren. Allenfalls das musikalische Material – und sein freier Umgang damit - erinnert an die slawische Märchenwelt und passt zu Janáčeks großer Liebe zu Russland. "Märchen" für Violoncello und Klavier entstand zwischen 1907 und 1910 und ist Janáčeks einziges vollendetes Werk für diese Besetzung. Ursprünglich drei- bzw. in einer Erweiterung 1913 viersätzig bearbeitete Janáček sein Werk 1923 nochmals und verzichtete in dieser Fassung ganz auf den letzten Satz. Bereits nach der Uraufführung 1910 in Janáčeks Heimatstadt Brünn erntete das "Märchen" viel Lob. Janáčeks Briefe aus dieser Zeit sprechen von zahlreichen Aufführungswünschen, mit denen man an ihn herantrat. Noch war Janáček zu diesem Zeitpunkt nichts weiter als ein einfacher Musiklehrer und Dirigent der lokalen Musikvereinigung, denn erst die Uraufführung seiner Oper "Jenůfa" brachte dem mittlerweile 60-Jährigen im Jahr 1916 über Nacht den Durchbruch als Komponist. Das "Märchen" mag ihm da als eine Art Vorbote seines späten Erfolgs besonders lieb gewesen sein.

David Geringas (Violoncello)

Am traditionsreichen Moskauer Konservatorium studierte David Geringas von 1963 bis 1973 bei Mstislav Rostropovich, und in dieser Zeit gewann er sowohl den 1. Preis als auch die Goldmedaille beim Tschaikowsky-Wettbewerb. Längst gilt er als einer der namhaftesten Cellisten unserer Zeit und musiziert weltweit mit vielen bedeutenden Orchestern und Dirigenten. Seine umfangreiche Diskographie bietet zahlreiche Aufnahmen, die mit Schallplattenpreisen hohen Ranges ausgezeichnet wurden, darunter den Grand Prix du Disque für die Aufnahme der 12 Cellokonzerte  von Luigi Boccherini, den Diapason d´Or d´Année für Kammermusik von  Henri Dutilleux und den  Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik für seine Einspielung der Cellokonzerte von Hans Pfitzner.

David Geringas stammt aus Litauen, was ihn dazu veranlasst, viele Werke der russischen und litauischen Avantgarde als erster Musiker im Westen aufzuführen. Für sein weltweites Engagement für litauische Musik und ihre Komponisten erhielt er höchste Auszeichnungen seines Landes. David Geringas ist Professor an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. Außerdem ist er Ehrenprofessor am Moskauer Konservatorium und am Zentralkonservatorium für Musik Peking sowie Ehrendoktor der Musik und Theater Akademie Litauens.

Namhafte zeitgenössische Komponisten wie Sofia Gubaidulina, Ned Rorem, Peteris Vasks und Erkki-Sven Tüür haben David Geringas Werke gewidmet.

 

Ian Fountain (Klavier)

Ian Fountain begann im Alter von fünf Jahren mit dem Klavierspiel, sang als Chorknabe am „New College“ in Oxford und studierte später am "Winchester College" sowie am "Royal Northern College of Music". 1989 startete der englische Pianist seine internationale Karriere, als er im Alter von 19 Jahren jüngster Preisträger des Arthur Rubinstein-Klavierwettbewerbs in Tel Aviv wurde.

Seit dieser Zeit spielt Ian Fountain in ganz Europa, den USA, im Mittleren Osten und in Großbritannien mit Orchestern wie dem London Symphony Orchestra unter Sir Colin Davis, dem City of Birmingham Symphony Orchestra, der Israelischen Philharmonie unter Zubin Mehta, dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin und dem Singapore Symphony Orchestra.

Als Kammermusiker verbindet Ian Fountain eine langjährige Zusammenarbeit mit Musikern wie Ulf Hoelscher und David Geringas, dem Mandelringquartett und dem Emperor Quartet. 2001 wurde Ian Fountain als Professor für Klavier an die Royal Academy of Music in London berufen.

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