Musikstück der Woche vom 19.11.2012 Joseph Haydn: Cellokonzert Nr. 2 D-Dur

mit dem jungen Cellisten Benedict Kloeckner

Haydn und "showpieces"? Das passt eigentlich nicht zusammen. In diesem Konzert darf der Solist allerdings ziemlich mit den Muskeln spielen. In unserem Musikstück der Woche spielt der junge Cellist Benedict Kloeckner. Die Deutsche Radio Philharmonie begleitet, Simon Gaudenz steht am Dirigentenpult. Der Live-Mitschnitt stammt vom 9. Juni 2011 aus dem SWR Studio Kaiserslautern.

"Keiner kann alles: schäkern und erschüttern, Lachen erregen und tiefe Rührung und alles gleich gut als Haydn", sagt Mozart. In diesem Cellokonzert findet man tatsächlich all das, wofür Mozart sein großes Vorbild Haydn so sehr bewundert hat: Witziges, Rührendes und Erschütterndes. Wie immer bei Haydn auf handwerklich allerhöchstem Niveau. Und – wie eher selten bei Haydn – mit großem Spaß am virtuosen Seiltanz.

Musikpsychologie
Haydns Konzerte stammen fast alle aus seinen ersten Jahren als Kapellmeister am Hof von Esterháza. Haydn wusste, dass er seine Musiker zu Höchstleistungen anstacheln konnte, wenn er sie nur genug forderte; am besten mit Solo-Auftritten. Da konnten sie einmal aus der großen Gruppe des Orchesters (von Masse kann man zu dieser Zeit noch nicht reden) heraustreten und sich als individuelle Künstler im Glanz des Beifalls sonnen. Viele frühe Haydn-Sinfonien enthalten deshalb umfangreiche solistische Passagen für alle möglichen Instrumente. Zudem hat er wahrscheinlich um die 50 Instrumentalkonzerte geschrieben. Leider ist nur ein Bruchteil davon erhalten; von den Cellokonzerten haben gerade einmal zwei überlebt; ursprünglich muss es wohl ein halbes Dutzend gewesen sein.

... und Rezeptionspsychologie
Das D-Dur-Konzert ist ein Nachzügler: Es stammt aus dem Jahr 1783, da hatte sich Haydn eigentlich schon lange von der Gattung Instrumentalkonzert verabschiedet. Er schrieb dieses Konzert für seinen Schüler Anton Kraft, der zwischen 1778 und 1790 im Orchester von Esterháza spielte (und den Beethoven später mit dem Cellopart seines Tripelkonzerts bedachte). Lange hielt man das Konzert für eine Komposition von Kraft und schenkte ihm deshalb eher wenig Beachtung. Erst 1954 wurde Haydns autographe Partitur wiederentdeckt, und damit sind alle Zweifel beseitigt: Hier schäkert, rührt und erschüttert Haydn!

Benedict Kloeckner
geboren 1989, ist Gewinner und Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe, u.a. des Internationalen Rundfunkwettbewerbs der European Broadcasting Union in Bratislava, des Grand Prix Emanuel Feuermann in Berlin, des Internationalen Solisten Wettbewerbs der Animato Stiftung in Zürich und der Kulturstiftung „Pro Europa“. 2012 wurde er mit dem Cello-Preis des Verbier Festivals ausgezeichnet. Als Solist konzertiert Benedict Kloeckner mit renommierten Orchestern: die Orchester der ARD gehören dazu, das Slowakische Rundfunkorchester und die Bochumer Sinfoniker. Als begeisterter Kammermusiker gastiert er bei den großen Festivals im In- und Ausland. Er arbeitet regelmäßig mit zeitgenössischen Komponisten zusammen, u.a. mit Wolfgang Rihm und Howard Blake.

Benedict Kloeckner ist seit 2003 Schüler von Martin Ostertag in Karlsruhe, seit Oktober 2009 studiert er im Masterstudiengang für Junge Solisten der Kronberg Academy bei Frans Helmerson. Er ist Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes, der Deutschen Stiftung Musikleben und der Oscar und Vera Ritter Stiftung.

Deutsche Radio Philharmonie

Die Deutsche Radio Philharmonie ist das jüngste deutsche Rundfunksinfonieorchester. 2007 aus der Fusion der beiden traditionsreichen ARD-Klangkörper, dem Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken (SR) und dem Rundfunkorchester Kaiserslautern (SWR) entstanden, hat das Orchester in kurzer Zeit ein eigenes Profil gewonnen und sich seinen Platz unter den renommierten deutschen Rundfunkorchestern erspielt. Programmschwerpunkte bilden neben dem Vokalbereich das klassisch-romantische Repertoire sowie Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Auftragskompositionen – u. a. im Rahmen der Saarbrücker Komponistenwerkstatt – erweitern das Repertoire um Orchesterwerke aus allerjüngster Zeit.

Pro Saison spielt die Deutsche Radio Philharmonie rund achtzig Konzerte in Saarbrücken und Kaiserslautern, aber auch im Dreiländereck Deutschland – Frankreich – Luxemburg und in Rheinland-Pfalz. Die Konzerte werden in den Hörfunkprogrammen des Saarländischen Rundfunks, des Südwestrundfunks und europaweit über die European Broadcasting Union gesendet. Im Fernsehen ist die Deutsche Radio Philharmonie im SR/SWR-Fernsehen und auf ARTE präsent.

Chefdirigent ist seit der Spielzeit 2011/12 der Brite Karel Mark Chichon. Er übernahm diese Position von Christoph Poppen, der sie seit der Gründung des Orchesters 2007 inne hatte.

AUTOR/IN
STAND