Musikstück der Woche

Sinfonie mit eingebautem Wecker: Die 64. von Haydn, gespielt vom Philharmonischen Staatsorchester Mainz

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AUTOR/IN
Doris Blaich

Eine Sinfonie mit eingebautem Wecker: wer bei diesen krassen Kontrasten nicht aufwacht, dem ist nicht zu helfen – Haydn greift für seine 64. Sinfonie tief in die Überraschungs-Trickkiste. Es gibt sogar Vermutungen,
der zweite Satzes enstamme einer Bühnenmusik zu Shakespeares Hamlet, die Haydn komponiert haben könnte.

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Andere Zeiten

„Die Zeiten ändern sich; und wir mit ihnen“, so steht es in den Noten – in gelehrten lateinischen Hexametern: „Tempora mutantur nos et mutamur in illis“. Ein Spruch, der natürlich immer stimmt: zur Zeit, als diese Sinfonie entstand (um 1773) und heute sowieso. Wahrscheinlich hat Haydn diese Weisheit gar nicht selbst in die Partitur geschrieben.

Trotzdem trägt die Sinfonie den Beinamen „Tempora mutantur“. Einerseits, weil man bei Haydns riesigem Oeuvre von 104 Sinfonien froh ist um jede Gedächtnisstütze, andererseits ist an dem Titel wirklich was dran: allein der Beginn mit seinen starken dynamischen Kontrasten – zwei Forte-Wecker schlagen wie der Blitz ein in eine säuselnde Pianissimo-Landschaft – beweist stärkste Wandlungsfähigkeit auf allerengstem Raum.

Spielt Hamlet hier mit – oder nicht?

Noch so eine schöne, aber zweifelhafte Assoziation zu dieser Sinfonie: der exzentrische Charakter des zweiten Satzes ließ so manchen vermuten, er stamme aus einer Bühnenmusik zu Shakespeares Hamlet, die Haydn möglicherweise komponiert haben könnte. Und dieses Largo sei ein klingender Ausdruck von Hamlets zentraler Aussage: „Die Zeit ist aus den Fugen; Fluch der Pein, / Muss ich sie herzustelln geboren sein!“

Das lässt sich leider nicht belegen. Sicher ist aber: Haydn genießt das exzessive Spiel mit Kontrasten, verschiebt lustvoll die Taktschwerpunkte, lässt die Musik entgleisen und sich stockend wieder fangen. Sein oder Nichtsein? Oder irgendwas dazwischen? Musik ist und bleibt ein Sinnbild des ewigen Wandels.

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