Musikstück der Woche

Sarah Wegener und Götz Payer interpretieren Emilie Mayers 3 Lieder op. 7

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Unter den Komponistinnen ist Emilie Mayer ein echter Sonderfall. In ihrer Jugend wurde die Apothekertochter früh musikalisch gefördert und früh stand auch ihr Entschluss fest, Komponistin zu werden. Fast scheint es so, als hätten die damaligen Einschränkungen für Frauen ihr nichts anhaben können. Vergessen wurde ihr interessantes Werk dennoch.

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Die Unbeirrte

Emilie Mayer ist eine der bedeutendsten Komponistinnen des 19. Jahrhunderts. Sie stammte aus einer wohlhabenden Familie in Mecklenburg und war nach dem Tod des Vaters weitestgehend unabhängig, auch in finanzieller Hinsicht. Sie beschloss in einer Zeit, in der das für komponierende Frauen nicht selbstverständlich war, die professionelle Laufbahn einzuschlagen.

Zwischen 1841 und 1846 studierte sie bei Carl Loewe in Stettin, danach bei Adolf Bernhard Marx und Wilhelm Wieprecht in Berlin. Nach ihrem ersten Konzert mit ausschließlich eigenen Werken 1850 im Berliner Schauspielhaus etablierte sie sich, hochgelobt von den Kritikern und vielfach geehrt, im Berliner Konzertleben und stellte dort jährlich ihre Werke vor.

Ihre großbesetzten Kompositionen wurden trotz ihrer Bemühungen nur selten gedruckt, und sie geriet nach ihrem Tod schnell in Vergessenheit.

Förderung durch die Lehrer Loewe und Marx

1848 erscheinen mit den Liedern op. 5 und op. 7 erste Werke von Emilie Mayer im Druck. Auch die 1. und 2. Symphonie entstehen in den 1840er-Jahren und sind noch ganz nach dem Muster Haydns und Mozarts gestaltet.

Ab 1850 vollzog sich eine Hinwendung zur stilistischen Auseinandersetzung mit Beethovens Tonsprache, dank ihres Lehrers Adolf Bernhard Marx, der Emilie Mayer in diesem Zeitraum noch maßgeblich beeinflusste und unterstützte. Marx plädierte auch in der Öffentlichkeit, u. a. in der „Berliner Musikzeitung Echo“, für eine gründliche musikalische Ausbildung von Frauen und betonte, dass er sich nicht nur verbal, sondern auch praktisch um deren Förderung bemühe.

Frühe Lieder nach dem Vorbild von Carl Loewe

„Man hört, dass die Künstlerin, angeregt von erhabenen Gedanken, die Feder geführt hat, aber man erfreut sich an ihrer eigenen schöpferischen Kraft ...“, so ein Kritiker im Jahr 1852.

Im Laufe ihrer Karriere entwickelte Emilie Mayer ohne Zweifel eine große Eigenständigkeit, die sich durch eine souveräne Beherrschung des kompositorischen Handwerks und große Experimentierfreudigkeit auszeichnet. Doch sind die frühen Lieder op. 7 noch ganz nach dem Vorbild ihres Lehrers Loewe gestaltet.

Das erste der Lieder ist auf einen Text von Heinrich Heine komponiert, den auch zahlreiche andere Komponisten, wie Robert Schumann und Franz Liszt, vertonten. Es vermischt Bel-canto mit romantischem Singstil, zeigt gebrochene Akkorde im Klavier und eine stets an- und abschwellende seufzerartige Vokallinie.

Das zweite Lied beschreibt in sehnsuchtsvollen Phrasen eine vergebliche oder unerwiderte Liebe, und Nr. 3 ist ein leidenschaftliches „Nachtstück“, das in der Protagonistin das Verlangen auslöst, in den Armen ihres Geliebten zu sterben.

Exklusiv beim SWR aufgenommen – fürs Radio und Internet

#Zusammenspielen heißt die Aufnahme-Reihe, für die SWR2 im Corona-Jahr 2020 freiberufliche Musiker*innen in die Studios eingeladen hat. Über 60 Musiker*innen und Ensembles unterschiedlicher Couleur waren dafür bei uns – mit Lieblingsstücken und Repertoire, das wir im Radio senden und im Netz anbieten wollen. Im Musik-Podcast #Zusammenspielen auf SWR2.de gibt’s die Aufnahmen kombiniert mit Musiker-Gesprächen; ausgewählte Stücke – wie dieses – bieten wir auch als Musikstück der Woche an.

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