Musikstück der Woche

Edward Elgars Enigma-Variationen mit dem Staatsorchester Rheinische Philharmonie und Paul Goodwin

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AUTOR/IN
Bettina Müller-Hesse

Freunde zu sammeln wie Trophäen – die sozialen Netzwerke machen es vor. Vor über 100 Jahren hat das – ganz unvirtuell – schon Edward Elgar getan. Er legt eine Freundesliste an in Form von 14 Variationen, in denen er seine Freunde porträtiert. Getarnt durch ihre Initialen. Wer mögen sie sein? Eines der Rätsel, die Elgar seinen Hörern mit seinen Enigma-Variationen aufgibt.

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Warum denn so rätselhaft?

„Enigma“ ist griechisch und heißt „Rätsel“. Das Wort fügt Elgar im Nachhinein seiner Partitur hinzu. Aber wo steckt es denn, das Rätsel? Denn eines lüftet Elgar später selbst. Nämlich, welche Personen hinter den Variationen stecken. Verbirgt sich das Rätsel vielleicht in der Musik?

Das Thema für die Variationen stammt von Elgar selbst, er erklärt aber, es gäbe aber noch ein „größeres“ Thema, das aber nicht gespielt würde. Ein Musikstück, dessen eigentliches Thema nie gespielt wird? Wenn es so wäre, dann hätte Elgar allen musikalischen Forschern, die sich seither daran abarbeiten, damit eine lange Nase gedreht.

Ein Thema, 14 Freunde und ein Hund

Edward Elgar sitzt nach einem langen Unterrichtstag am Klavier und klimpert vor sich hin. Eine kleine Melodie schält sich heraus, der Elgar keine Beachtung schenkt, aber seiner Frau Alice gefällt sie – der Grundstein für die Variationen ist gelegt. Die „Entdeckerin“ des Themas, Alice, wird die erste Porträtierte in Elgars Zyklus sein.

Es folgen Bekannte, Freunde, Mitarbeiter von Elgar – und eine Bulldogge. Sie alle dezent getarnt hinter Spitznamen oder den Anfangsbuchstaben ihrer Namen.

C.A.E. und G.R.S.

Klar, die erste Variation geht an C.A.E. – Caroline Alice Elgar, die Ehefrau und der wohl wichtigste Mensch in Elgars Leben.

Dann gibt es Arthur Troyte Griffith, Architekt und Klavierschüler von Elgar. In „seiner“ Variation kann man hören, dass er das Klavier nicht eben sensibel behandelt, am Schluss gibt's einen lauten Orchesterschlag, da ist wohl der Klavierdeckel zugeschlagen worden?

Oder George Robertson Sinclair. Die Musik erzählt allerdings eher von seiner Dogge Dan, die in einen Fluss fällt und gegen den Strom anpaddelt. Glücklich an Land, bellt sie laut.

Geadelt für seine Musik

Die Enigma Variationen sind für Elgar der große Durchbruch. Die Menschen lieben dieses große sinfonische Werk, die prachtvolle, farbenfrohe Instrumentierung, den pfiffigen, „very british“ anmutenden Humor.

Elgar ist nach der Uraufführung in der Londoner St. James's Hall ein Star und wird 5 Jahre später zum „Ritter der britischen Krone“ geschlagen. Ein Autodidakt, aus einer Familie, in der das Geld nicht reichte für den begehrten Studienaufenthalt auf dem Kontinent, in Leipzig. Seine Musik spricht für sich.

Paul Goodwin

Paul Goodwin ist 1956 in der englischen Kleinstadt Warwick geboren. Lange Zeit war er einer der führenden Barockoboisten seiner Zeit und hat bei den großen englischen Originalklangensembles The English Concert und den London Classical Players gespielt. Mit seinem 40. Lebensjahr wechselt er ins Dirigentenfach. Seine Liebe gilt der historisch informierten Aufführungspraxis und der zeitgenössischen Musik.

Staatsorchester Rheinische Philharmonie

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Liszt, Franz: Les Préludes, Sinfonische Dichtung für Orchester Nr. 3, Leitung von Paul Goodwin

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Bettina Müller-Hesse