Musikstück der Woche mit Daniel Müller-Schott Antonín Dvořák: Cellokonzert h-Moll op. 104

„Ein Stück Holz, das oben kreischt und unten brummt“ – keine sehr schmeichelhafte Beschreibung für ein Violoncello. Sie stammt von Antonín Dvořák, der eines der schönsten Cellokonzerte überhaupt komponiert hat. Wer diese Musik hört, der merkt: Insgeheim muss Dvořák das Cello geliebt haben.

Das Cellokonzert ist das letzte große Werk, das Dvořák während seines dreijährigen Amerika-Aufenthalts schrieb – im Winter 1894/95 in New York. In der Musik steckt alles, was wir an Dvořák lieben und schätzen: wunderbar gesangliche Themen, oft angehaucht von den Melodien aus Dvořáks Heimat Böhmen, große dramatische Steigerungen, lyrische Gänsehaut-Stellen, eine fein ausgeklügelte Instrumentation. Und für den Cellisten jede Menge Gelegenheiten, die Qualitäten seines Instruments zu zeigen, mal mit virtuosen Sprüngen, Läufen und Doppelgriffen (hier ist die Intonation übrigens ein heikles Thema), dann wieder mit schwelgerischen langsamen Passagen, die ganz vom Gesang inspiriert sind.

Verschlüsselte Botschaften

In den zweiten Satz des Konzerts hat Dvořák eine persönliche Botschaft hineingeheimnist: ein Zitat aus seinem Lied „Lasst mich allein in meinen Träumen“. Es war das Lieblingslied seiner Schwägerin und einstigen Jugendliebe Josefina Kounicová. Sie war schwer herzkrank, wie Dvořák kurz vor Beginn der Komposition erfuhr. Als Josefina im Mai 1895 starb, änderte Dvořák den Schluss des Finalsatzes und baute auch hier nochmals das Lied-Zitat ein, bevor sich dann das Orchester zu einer grandiosen Schluss-Steigerung aufschwingt.

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