Musikstück der Woche

Dora Pejačevićs Klavierquartett op. 25, mit Clémence de Forceville, Léa Hennino, Benedict Kloeckner und Adam Laloum

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AUTOR/IN
Christiana Nobach

In ihrer Heimat Kroatien ist Dora Pejačević fast so berühmt wie Mozart, doch ansonsten ist sie nahezu eine Unbekannte. Renommierte Interpret*innen sorgten für die Verbreitung ihrer Arbeiten weit über die engen Grenzen künstlerisch orientierter Salons hinaus. Clémence de Forceville, Léa Hennino, Benedict Kloeckner und Adam Laloum interpretieren Dora Pejačevićs Klavierquartett neu.

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Dora Pejačević wurde in Budapest geboren und studierte in Zagreb Violine, Klavier und Instrumentation und in Dresden und München bei Walter Courvoisier Komposition. Doch bildete sie sich größtenteils autodidaktisch weiter.

Als Tochter des kroatischen Grafen Theodor und der Gräfin Lilla Vay de Vaya genoss sie eine offenbar standesgemäße Erziehung. Sie wuchs im Schloss ihrer Familie im nordkroatischen Našice auf. Von dort aus unternahm sie ausgedehnte Reisen nach Budapest, München, Prag und Wien.

1921 heiratete sie den österreichischen Offizier Ottokar von Lumbe und ließ sich endgültig in München nieder. Zwei Jahre später, nach der Geburt ihres ersten Kindes, starb sie im Alter von 38 Jahren.

Erfolgreich in einer Männerdomäne

Dora Pejačević konnte professionelle musikalische Erfolge in einem künstlerischen Bereich für sich verbuchen, der in ihrer Zeit eigentlich noch fest in Männerhand war; aber nicht nur damit war sie ihrer Zeit weit voraus.

Ihren Mann bat sie kurz vor ihrem Tod in einem Brief um eine geschlechterneutrale Erziehung ihres Sohnes Theo: „Handle gleich, ob es sich um ein Mädel oder einen Buben handelt; jedes Talent, jedes Genie erfordert gleiche Rücksichtnahme - das Geschlecht darf da nicht in Frage kommen“.

Auf ihren vielen Reisen begegnete sie prominenten Künstlern, zu ihrem Freundeskreis zählten Rainer Maria Rilke und Karl Kraus, der ihr in einem kurzen Gedicht 1917 mit den Worten „Dora, sie die Lieder, sie die Töne hat“ ganz spontan seine Bewunderung ausdrückte. Sie trug ohne Zweifel zur Etablierung einer kroatischen musikalischen Moderne bei.

Ihre hervorragenden Kompositionen im Bereich der Orchester- und vor allem der Kammermusik distanzierten sich von der im damaligen Kroatien vorherrschenden Salonmusik, die oft stereotyp und manieriert daherkam.

Vorzügliche Kammermusik

Innerhalb ihrer Kammermusik, die solch einen wichtigen Platz in Dora Pejačevićs Gesamtwerk einnimmt, war das d-Moll-Klavierquartett das erste reife Kammermusikwerk, sie beendete es 1908 mit 23 Jahren. Grundsätzlich im Stil der Spätromantik geschrieben, zeigt das Werk immer wieder gewagte harmonische Wendungen bis hin zu expressionistischen Passagen.

Es beginnt mit einem stürmischen arpeggierten Allegro, das bald in melodieseelige Passagen der Streicher mündet. Ein lyrisches Adagio mit einfacher, aber ansprechender und warmer Thematik folgt. Ein markantes Menuett ist eher ein romantisches Intermezzo, und das abschließende Rondo ist ein geistvolles, heiteres Tanzstück mit effektvollem Gebrauch des Pizzicato.

Mehr Infos finden Sie unter: Croatian Music Information Centre

Musikstück der Woche Mélanie Bonis: Klavierquartett Nr. 1, gespielt von Clémence de Forceville, Léa Hennino, Benedict Kloeckner und Adam Laloum

Mel Bonis gilt in der Rückschau als eine der bedeutendsten Komponistinnen in Frankreich um die Jahrhundertwende. Sie schuf mehr als 300 Werke, die zum großen Teil auch verlegt wurden. Die in eine kleinbürgerliche Familie hineingeborene Komponistin, erfuhr in ihrem Umfeld zunächst wenig Verständnis für ihre musikalische Leidenschaft. Bis ein Freund der Familie dafür sorgte, dass sie schließlich César Franck vorgestellt wurde, der ihr 1876 die Türen des Conservatoire Supérieur National öffnete.

SWR2 Musikstück der Woche SWR2

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Christiana Nobach