Musikstück der Woche

Béla Bartóks „Kontraste“ mit Antje Weithaas, Sharon Kam und Enrico Pace

STAND
AUTOR/IN
Bettina Müller-Hesse
REDAKTEUR/IN
Doris Blaich

Krieg, Verfolgung, wirtschaftliche Not. Wir erleben es gerade unmittelbar im Ukraine-Krieg: Wer in's Exil geht, tut das meist nicht freiwillig. Auch Béla Bartók emigriert, in die USA, aus Angst vor den Faschisten. Seine „Kontraste“ sollen ihm musikalisch den Weg ebnen. Aber der „American Dream“ wird für Bartók nicht in Erfüllung gehen.

Audio herunterladen (33,1 MB | MP3)

Der „Sprung ins Ungewisse“

Béla Bartók verlässt Ungarn 1940 und emigriert in die USA. Viele Künstler gehen in dieser Zeit ins Exil, die Nazis verfolgen sie, schränken ihre Arbeit ein oder verbieten sie ganz. Bartók ist überzeugter Antifaschist und ahnt, wie die Dinge sich entwickeln werden.

Er zögert lange, Ungarn zu verlassen, aber das Exil scheint ihm der einzige Weg: „Ein Sprung ins Ungewisse aus dem gewusst Unerträglichen“, so nennt er es selbst. Doch wie fängt man ein neues Leben an? Wie fasst man beruflich Fuß?

Die Unterstützer Benny Goodman und Joseph Szigeti

Bartók komponiert seine „Kontraste“ noch in Budapest 1938, also bevor er nach New York geht. Er schreibt das Werk für zwei große Musiker: Joseph Szigeti, den weltberühmten Geiger, wie Bartók aus Budapest, der wegen seiner jüdischen Abstammung 1940 ebenfalls nach Amerika emigriert - und den amerikanischen Klarinettisten Benny Goodman. Der „King of Swing“ war zeitlebens auch ein ambitionierter Interpret klassischer Musik.

Bartók sitzt bei der Uraufführung 1940 in New York selbst am Klavier. Szigeti und Goodman werden alles tun, um Bartóks Musik in Amerika zu etablieren.

Hand in Hand: Volkslied und Jazz

Bartók ist der Volksmusik-Kultur seiner Heimat tief verbunden. Er reist seit Schülertagen durch Ungarn, Rumänien, die Slowakei und Siebenbürgen und sammelt dabei 10.000 Lieder. Durch Benny Goodman lernt Bartók – noch in Budapest – die Welt des Jazz kennen.

In seinen „Kontrasten“ nun verbindet er beides: jazzige Rhythmen und alte Volksmelodien, die alte osteuropäische Musiktradition und die Neue Welt. Zwei „Kontraste“, die sich hier bestens miteinander verbinden.

Klarinette und Geige – Widersacher und Freunde

Kontrastreich sind auch die Instrumente. Bartók stattet die Klarinette mit volkstümlichen Melodien aus und die Geige mit Akkordgriffen, Arpeggien und Pizzicati. Im 1. und 3. Satz, „Verbunkos“ („Werbertanz“) und „Sebes“ („Schneller Tanz“), wetteifern sie – oft in Dissonanzen - miteinander, nur im 2. Satz „Pihenö“ („Entspannung“) gehen sie, fast freundschaftlich, gemeinsame Wege. Das Klavier hat vor allem perkussive Funktion.

Eine farbenreiche Musik. Aber kein Auftakt zum Erfolg. Bartók stirbt 1945 - bitterarm - an Leukämie.

Antje Weithaas, Sharon Kam und Enrico Pace

Sie konzertieren als Solisten – allein und mit Orchester – in den großen Konzertsälen der Welt: Antje Weithaas, 1966 im brandenburgischen Guben geboren, wurde an der Hanns-Eisler-Musikhochschule in Berlin im Fach Geige ausgebildet; Sharon Kam, 1971 in Tel Aviv geboren, sie hat an der Juilliard School Klarinette bei Charles Neidich studiert und lebt heute in Hannover; und Enrico Pace, 1967 in Rimini geboren, er hat in Pesaro und Imola Klavier studiert.

Alle drei zieht es immer wieder zur Kammermusik, sie ist gewissermaßen ihr Rückhalt. Seit vielen Jahren sind sie befreundet und spielen zusammen, besonders gerne auch Werke der klassischen Moderne und Zeitgenössisches.

Schwetzinger SWR Festspiele 2022 Sharon Kam, Antje Weithaas, Julian Steckel & Enrico Pace – "Kontraste"

Als Solisten konzertieren sie - allein und mit Orchester - auf den internationalen Podien: Sharon Kam, Antje Weithaas, Julian Steckel und Enrico Pace.

SWR2 Mittagskonzert SWR2

STAND
AUTOR/IN
Bettina Müller-Hesse
REDAKTEUR/IN
Doris Blaich