Musikstück der Woche vom 25.02.2013 Tänze für Anna Magdalena

Johann Sebastian Bach: Französische Suite Nr. 5 G-Dur BWV 816

Zwei "Clavierbüchlein" hat Bach für seine zweite Ehefrau Anna Magdalena angefertigt. Das erste davon stammt aus der Zeit um 1722. Die Deckel sind mit grünem marmoriertem Papier, Rücken und Ecken mit braunem Leder überzogen. Für unser Musikstück der Woche schlagen wir Seite 16 auf: Die fünfte Französische Suite in Bachs wunderschön-schwungvoller Handschrift. Evgeni Koroliov spielt in einem Ettlinger Schlosskonzert des SWR vom 14.11.2008.

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Johann Sebastian Bach auf einem Ölgemälde von Elias Gottlob Haußmann (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Bernhaut)
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Im Jahr 1717 wird Bach Kapellmeister am Hof von Fürst Leopold von Anhalt-Köthen - eine Traumstelle! Der Fürst ist ein Musikfreund, und Bach kann mit einer hervorragenden und für die damalige Zeit üppig besetzten Hofkapelle arbeiten. Nicht mehr Orgelmusik und Kantaten (wie noch in Weimar) werden in Köthen verlangt, sondern Instrumentalwerke: virtuose, klangintensive und anspruchsvolle Konzerte und verschiedenste Kammermusik. So entstehen hier unter anderem die sechs "Brandenburgischen Konzerte", die Violinkonzerte, die Flötensonaten, die Sonaten und Partiten für Solovioline, die Cellosuiten und jede Menge Klaviermusik.

Für seine zweite Ehefrau, Anna Magdalena, legt Bach in dieser Zeit zwei "Clavierbüchlein" an. Das erste davon enthält die Frühfassungen der Französischen Suiten. Dank des Internet-Projekts "Bach Digital" kann man das originale Clavierbüchlein neuerdings auch online durchblättern (den Link dazu finden Sie in der rechten Spalte auf dieser Seite).

Die Suiten sind fürs häusliche Musizieren gedacht: die einzelnen Sätze sind kurz, prägnant und spieltechnisch relativ einfach, aber dennoch keineswegs kunstlos.
In der Suite Nr. 5 G-Dur reiht Bach sieben stilisierte französische Tänze aneinander: Eine Allemande eröffnet den Reigen, gefolgt von Courante, Sarabande, Gavotte, Bourée, Loure und Gigue.

Evgeni Koroliov
1949 in Moskau geboren, durchlief Evgeni Koroliov eine gründliche pianistische Ausbildung. Er studierte am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium bei Lew Oborin und Lew Naumow. Zu seinen frühen Lehrern zählten auch der „Meistermacher“ Heinrich Neuhas und die legendäre Pianistin Maria Judina. Nach dem Studium unterrichtete Koroliov zunächst am Moskauer Konservatorium, übersiedelte dann jedoch zu seiner Frau nach Mazedonien, wo ihn 1978 seine Berufung als Professor an die Hamburger Musikhochschule erreichte.
Mehrere Preise wichtiger Wettbewerbe, darunter der Bach-Preis Leipzig, den er als 19-Jähriger gewann, der amerikanische Van Cliburn-Preis, und der Grand Prix Clara Haskil, ebneten Evgeni Koroliov den Weg zu einer internationalen Karriere. Er gastierte in den großen Musikzentren der Welt ebenso wie bei den internationalen Musikfestivals und trat auch als Kammermusikpartner von Künstlern wie Natalia Gutman, Mischa Maisky, dem Auryn und dem Keller Quartett auf. Außerdem ist er Duopartner seiner Frau Ljupka Hadzigeorgieva.
Dem Werk Johann Sebastian Bachs fühlt der Pianist sich besonders verbunden. Bereits als 17-Jähriger erregte er durch eine Aufführung des gesamten "Wohltemperierten Klaviers" in Moskau Aufsehen. Sämtliche großen Klavierwerke Bachs gehören zum Grundbestand seines Repertoires.
In der internationalen Klavierszene fällt Koroliov auf durch seinen gänzlichen Mangel an Attitüden. Er überzeugt 'ganz einfach' durch sein Können: seine überragende Technik, noble Anschlagskultur und luzide Transparenz - und durch seine geistige Durchdringung der Werke. Damit nähert er sich dem Punkt, an dem “Musik sich selber spielt", wie ein Kritiker anmerkte. Ein englischer Rezensent bringt es so auf den Punkt: "He plays Schubert’s Schubert, not his..."

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