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Nichts hat Mozarts sogenannte große g-Moll-Sinfonie KV 550 vom Popularitäts-Thron stoßen können, auf den sie bereits Mozarts Zeitgenossen und vor allem die Romantiker gesetzt hatten.

Mit ihrer Beliebtheit fördert diese besonders oft gespielte Sinfonie auch immer wieder neue und interessante Interpretationen zu Tage: Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR spielte sie am 17.09.2006 in der Stuttgarter Liederhalle als Abschluss des Festivals "Europäisches Musikfest Stuttgart 2006" unter der Leitung von Sir Roger Norrington.

"Griechisch schwebende Grazie"

Für die einen ist sie einfach die "Große g-Moll", für Robert Schumann war sie die mit "griechisch schwebender Grazie", wieder andere, wie etwa Donald Francis Tovey sah in ihr Ähnlichkeiten mit Rossinis "Barbier von Sevilla"-Ouvertüre und für den "argentinischen James Last" Waldo de los Ríos war sie in einer Popversion 1971 die Grundlage seines Charterfolgs mit der Single "Mozart Symphony No. 40".

Tatsache ist, dass die Sinfonie KV 550 zu Mozarts bekanntesten Werken zählt. Über die Entstehungszeit notierte Mozart in seinem "Verzeichnüß aller meiner Werke", dass sie gemeinsam mit den Sinfonien KV 543 und KV 551, die zusammen mit KV 550 die Trias seiner letzten Sinfonien bilden, innerhalb weniger Wochen im Sommer 1788 entstand. Ob sie allerdings direkt nach der Entstehung überhaupt uraufgeführt wurde, kann nicht zweifelsfrei geklärt werden. Sicher ist, dass Antonio Salieri im April 1791 ein großes Benefizkonzert der Tonkünstlergesellschaft in Wien dirigierte und hier jene "große Sinfonie von der Erfindung des Hrn. Mozart" auf dem Programm stand. Für diese Aufführung und den befreundeten Klarinettisten Anton Stadler hatte Mozart das Werk mit Klarinettenstimmen ausgestattet, weshalb es uns heute in zwei Fassungen vorliegt. Jedoch wird die "Sinfonie aller Sinfonien", wie sie im 19. Jahrhundert begeistert genannt wurde, meist in dieser späteren Klarinettenfassung gespielt. Bis heute hat die große g-Moll-Sinfonie nichts von ihrer Popularität eingebüßt; keine andere Sinfonie liegt in so vielen Aufnahmen vor, und jede neue Interpretation ist eine Herausforderung, sich diesem Werk wieder neu zu nähern.

Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR

Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR spielt jährlich rund 90 Konzerte im Sendegebiet des Südwestrundfunks, in den nationalen und internationalen Musikzentren und bei bedeutenden Musikfestspielen. Das Orchester pflegt das klassisch-romantische Repertoire in exemplarischen Interpretationen und setzt sich mit Nachdruck für zeitgenössische Musik und selten aufgeführte Komponisten und Werke ein. Bis heute hat es mehr als 500 Werke uraufgeführt.

Viele namhafte Dirigentenpersönlichkeiten haben das RSO in den letzten 60 Jahren geprägt, unter Ihnen Sergiu Celibidache, Carl Schuricht, Sir Georg Solti, Giuseppe Sinopoli, Carlos Kleiber, Sir Neville Marriner, Georges Prêtre und Herbert Blomstedt. Ebenso konzertieren regelmäßig hochkarätige Solisten aller Generationen beim RSO.

Seit 1998 ist Sir Roger Norrington Chefdirigent des Radio-Sinfonieorchesters des SWR Stuttgart. Er verleiht "seinem" Orchester ein unverwechselbares klangliches Profil durch die Verbindung von historisch informierter Aufführungspraxis mit den Mitteln eines modernen Sinfonieorchesters. Ergebnis dieser Synthese ist ein "reiner Klang", der von der Presse gerne als "Stuttgart Sound" bezeichnet wird. Norrington verlässt zum Ende der Saison 2010/11 das Radio-Sinfonieorchester des SWR Stuttgart und wird mit 76 Jahren neuer Chefdirigent des Zürcher Kammerorchesters.

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