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Der dritte, langsame Satz aus Haydns sogenanntem "Friedhofsquartett" wird noch heute manchmal bei Trauerfeiern gespielt, denn diese Musik klingt nicht nur traurig, sie gibt auch Halt.

Als Joseph Haydn am Fronleichnamstag 1809 bestattet wurde, war es still. Nicht ein einziger Kapellmeister von ganz Wien habe seine Aufwartung gemacht, notierte ein Zeitgenosse verbittert. Dabei hätte es passende Musik von Haydn selbst mehr als genug gegeben, z. B. den dritten Satz aus seinem sogenanntem "Friedhofsquartett".

Ein Abschied in Tönen

Das ausgedehnte Largo steht in der ungewöhnlichen und sehr entrückten Tonart Fis-Dur. Einem melancholisch-schönen, von der ersten Violine angeführten Klagegesang folgt ein variierter Abschnitt, in dem durch die Auffächerung der Stimmen die Streicherklangfarben zum Leuchten gebracht werden. Nach einem fast spätromantisch anmutenden Viola-Solo auf dem Höhepunkt, erklingt das Hauptthema noch einmal, wird jedoch stiller und stiller, bevor die Musik schließlich verstummt. Ein Abschied in Tönen – betrübt, doch auch feierlich und würdig.

Und sonst: entspannte Gelassenheit

Ganz anders die übrigen drei Sätze: Die entspannte Gelassenheit, mit der Haydn zu dieser Zeit leben und komponieren konnte, scheinen sie förmlich auszustrahlen. Haydn war mit über sechzig Jahren auf dem Höhepunkt seiner Karriere und Meisterschaft angelangt.

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