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Ersteinspielung von Margarete Schweikerts "Serenade auf dem Meer" mit Berit Barfred Jensen.

Wie klingt Sehnsucht? Wie das Meer? Für die Karlsruher Komponistin Margarete Schweikert klang beides 1907 in einer ganz besonderen Mischung aus Violine, Englischhorn, Sopran und Klavier. In der Ersteinspielung der "Serenade auf dem Meer" singt Berit Barfred Jensen. Sie wird begleitet von Annelie Groth (Violine), Ilona Steinheimer (Englischhorn) sowie der Herausgeberin und Pianistin Jeanette La-Deur.

"...eine Ausnahmeerscheinung"

"Musikalisch am intensivsten empfindet wohl Fräulein Schweikert. Sie weiß - gewiss bei Damen eine Ausnahmeerscheinung - als Tonsetzerin zu fesseln. Die Lieder, die man von ihr zu hören bekam, verraten Begabung für scharfumrissene musikalische Zeichnung. Sie versteht ihre Texte tonlich zu untermalen, oft mit ganz einfachen Mitteln, und trifft meist die Stimmung mit sicherem Empfinden." So urteilte 1912 eine Rezensent nach einem Konzert mit Werken von Margarete Schweikert, in einem Jahr, als die ersten Lieder der jungen Karlsruher Komponistin im Münchner Wunderhorn-Verlag erschienen waren. Damals war Margarete Schweikert 35 Jahre alt, hatte sich als Geigerin und komponierende Enkelschülerin Max Regers bereits im Karlsruher und Stuttgarter Raum einen Namen gemacht. Die junge Frau, die sich von ihren Eltern eine wertvolle Geige anstatt einer Aussteuer gewünscht hatte, heiratete 1923, bekam eine Tochter - und stellte weitgehend das Komponieren ein. Als ihr Hauptwerk können ihre mehr als 100 Lieder bezeichnet werden. Daneben schuf sie Chorwerke, Kompositionen für Klavier und Orgel sowie Kammermusik für unterschiedliche Besetzungen mit deutlichem Schwerpunkt auf ihrem Instrument, der Violine.

Ein lohnender Nachlass wird entdeckt

Die Karlsruher Komponistin Margarete Schweikert wurde 1887 geboren. Zu früh, um als komponierende Frau erfolgreich Spuren zu hinterlassen. Einer Gruppe von Musikern ist es zu verdanken, dass derzeit ihr Nachlass, der sich in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe befindet, veröffentlicht wird. Das umfangreiche Lied- und Kammermusikschaffen von Margarete Schweikert gibt wahre Entdeckungen preis, Lieder, die auch die künstlerische Entwicklung der Komponistin zeigen und über eine absolut eigenständige Klangsprache verfügen.

Für ihre Serenade wählte Margarete Schweikert einen Text von Isolde Kurz. Die 1853 in Stuttgart geborene Schriftstellerin und Übersetzerin war die Tochter des Schriftstellers und Bibliothekars Hermann Kurz und seiner Frau Marie geb. von Brunnow. Isolde Kurz, die nie eine Schule besucht hatte und umfassend von ihrer hochgebildeten Mutter unterrichtet worden war, bekam 1913 als erste Frau an der Universität Tübingen einen Ehrendoktortitel verliehen. Sie hatte 1905 beim Verlag Cotta bereits ihren zweiten Gedichtband "Neue Gedichte" herausgebracht, aus dem Margarete Schweikert einige Texte vertonte. Die für eine ganz besonderen Besetzung komponierte "Serenade auf dem Meer" entstand um das Jahr 1907 und wurde am 3. März 1907 in einem Konzert der Evangelischen Vereinigung der Neu-Oststadt Karlsruhe erstmals aufgeführt. Wie alle anderen Werke Margarete Schweikerts befand sich auch die Serenade im Nachlass, der seit 2004 in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe lagert und Stück für Stück bearbeitet wird. 2012 edierte Jeannette La-Deur im Auftrag der GEDOK Karlsruhe und in Kooperation mit der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe die "Serenade auf dem Meer" und brachte sie erstmals im Notendruck heraus.

Berit Barfred Jensen - Sopranistin

Die dänische Sopranistin Berit Barfred Jensen erhielt ihren ersten Unterricht in Kopenhagen und studierte an der Universität für Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. 2005 debütierte sie beim "Carinthischen Sommer" mit "L'abbé Agathon" von Arvo Pärt in seiner Kirchenoper "Der Weg". 2006 war sie in Wien im Musikverein mit Bachs Matthäus-Passion zu erleben und im Konzerthaus mit einem Mozart-Konzert. Daneben sang sie an der Wiener Kammeroper mehrere Opernrollen. 2006-2011 war sie Mitglied des Ensembles des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe, wo sie u.a Pamina (Die Zauberflöte), Susanna (Le nozze di Figaro), Zerlina (Don Giovanni), Despina (Coi fan tutte), Marzelline (Fidelio), Frasquita (Carmen) und Gretel (Hänsel und Gretel) sang. 2009 war sie Stipendiumsträgerin der Förderungspreise von Leonie Sonning und der "Kammersangerinde Inga Nielsen's Mindelegat".

Jeanette La-Deur - Pianistin und Herausgeberin

Jeanette La-Deur studierte an den Musikhochschulen Hamburg und Würzburg bei Ewald Kehlenbach und Arne Torger mit dem Schwerpunkt Kammermusik und Liedgestaltung, intensiviert durch Meisterkurse u.a. bei Irwin Gage und Vitaly Margulis. Als gefragte Kammermusikpartnerin konzertiert sie mit Solisten zahlreicher großer Orchester, darunter Badisches Staatstheater Karlsruhe, SWR-Sinfonieorchester, Frankfurter Opernorchester, Staatsoper Darmstadt und Beethovenorchester Bonn. Seit 2007 ist Jeannette La-Deur regelmäßiger Gast in den Kammerkonzerten des Badischen Staatstheaters Karlsruhe. Darüber hinaus ist Jeannette La-Deur eine gefragte Pianistin für Liedinterpretation. Ihr weitgefächertes Repertoire umfasst neben klassischen und romantischen Liedern auch die Werke unbekannter Komponisten und der Moderne. Als Herausgeberin arbeitet sie zur Zeit an der Notenedition des Gesamtwerkes der Karlsruher Komponistin Margarete Schweikert.

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