Musikstück der Woche

Oleksandr Loiko spielt Skrjabins Klaviersonaten op. 68 und 70

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Der russische Komponist Alexander Skrjabin war eine der faszinierendsten und zukunftsweisendsten musikalischen Persönlichkeiten der Epochenwende vom späten 19. zum frühen 20. Jahrhundert. Als absoluter Exzentriker in der Welt der Klaviermusik zählen seine Werke nicht nur zu den pianistisch anspruchsvollen, sie begeistern auch heute noch durch ihre Emotionalität, ihre Radikalität und ihre Ausdrucksstärke.

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Mystische Grundstimmung

Skrjabin komponierte seine letzten fünf Klaviersonaten in den Jahren 1911 bis 1913. Sein anfangs im Sinne der Spätromantik gehaltener Kompositionsstil, beeinflusst vor allem von Frédéric Chopin, entwickelte sich hier in eine zunehmend exzentrisch-progressive Richtung.

Charakteristisch werden jetzt eine stark alterierte, freitonale Harmonik, asymmetrisch prosahafte Melodielinien und eine experimentell freie Formgebung: Alle Sonaten sind einsätzig, mit teilweise emotional ganz unterschiedlichen Binnenabschnitten und Tempobezeichnungen.

Die Auseinandersetzung mit theosophischen Schriften hatte Skrjabin in seinen letzten Lebensjahren angeregt, ein Gesamtkunstwerk zu planen, in dem Musik, Dichtkunst, Mimik, Tanz, Licht, Farbe, Architektur und sogar Düfte in einer liturgisch-künstlerischen Handlung zusammenwirken und die Menschen auf eine höhere Bewusstseinsstufe heben sollten. Die Klaviersonaten sollten hierzu Vorstudien sein - sein sogenanntes „Mysterium“ hat der Komponist aber nicht mehr vollenden können.

Schwarze Messe und lichte Waldstimmung

Skrjabin selbst äußerte sich zu seiner 9. Sonate: „anfangs dunkle Kräfte, in der Mitte Alpträume und zum Schluss wieder dunkle Kräfte, die das lyrische Thema in einen grausamen Marsch verwandeln“. Kein Wunder also, dass Freunde diesem Werk den Beinamen „Schwarze Messe” gaben - Skrjabin hatte wohl nichts gegen diese Bezeichnung einzuwenden, ist sie doch voll von dunklem, wildem, sogar bedrohendem Ausdruck.

In völlig emotionalem Gegensatz dazu steht die 10. Sonate. Nach der Uraufführung in Moskau hieß es in einer Rezension: „Die Zehnte Sonate [...] ist ganz wie aus einem Stück Granit gehauen: man kann weder einen Strich weglassen noch hinzufügen - so streng und logisch ist das Ganze.“

Und Skrjabin schreibt über diese Sonate: „Es sind die Klänge und Stimmung des Waldes [...] Sie zeigt Freude und Licht der Erde [...]“. Gleichzeitig tritt der sonst von Skrjabin bevorzugte ekstatische Ausdruck in den Hintergrund. Die Sonate – und mit ihr der ganze Zyklus der 10 Sonaten – endet hier ruhig und still, mit einem Abschluss in der Grundtonart C-Dur.

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