Coronafolgen

Deutsche Musikschulen fordern mehr Unterstützung von der Politik

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Im Verband deutscher Musikschulen (VdM) haben sich rund 930 öffentliche Musikschulen an bundesweit etwa 4.000 Standorten zusammengeschlossen. Sein Vorstand klagt auch über mangelnde digitale Ausstattung.

Kindergruppe in einer Musikschule (Foto: SWR)
Ein Bild aus besseren Zeiten: Kindergruppe in einer Musikschule

Deutschlands Musikschulen fordern wegen der Corona-Pandemie von der Politik mehr Unterstützung. Sie verlangten am Wochenende, 2. und 3. Oktober, auf ihrem Verbandstreffen in Koblenz von Bund und Ländern einen weiteren Digitalpakt. Dabei sollen die Musikschulen als öffentliche Bildungseinrichtungen durch angemessene Investitionsförderung in die digitale Infrastruktur ebenso unterstützt werden, wie die allgemeinbildenden Schulen im bisherigen Digitalpakt. Zusätzlich forderte der Verband in seiner Koblenzer Erklärung für die Bewältigung der Folgen der Corona-Pandemie einen Strukturfonds für die Jahre 2021 bis mindestens 2023.

"1,4 Millionen Schülerinnen und Schüler an den öffentlichen Musikschulen haben ebenso ein Recht auf ein zeitgemäßes, digital unterstütztes musikalisches Bildungsangebot."

Im Vorfeld des Treffens der Musikschulen hatte der VdM-Bundesvorsitzende, Ulrich Rademacher, der Deutschen Presse-Agentur, erklärt, dass vor allem Orchester, Chöre und die musikalische Früherziehung unter der Corona-Pandemie leiden. Einzelunterricht lasse sich auch in Seuchenzeiten noch einigermaßen organisieren. Beim Ensemble-Unterricht werde es aber schwieriger mit dem Infektionsrisiko und den Sicherheitsabständen, ergänzte der Professor für Liedgestaltung an der Musikhochschule Köln vor dem Bundestreffen. Der Verband steht für mehr als 38.000 Musikpädagog*innen, die derzeit gut 1,4 Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterrichten.

Kaum musikalische Früherziehung in Kindergärten

"Wenn Klassen in allgemeinbildenden Schulen wegen der Corona-Abstände geteilt werden, gibt es mehr Raumbedarf - das macht es für uns schwieriger", erklärte Rademacher. In Kindergärten kämen Musikpädagogen wegen der Pandemie häufig gar nicht mehr hinein, um dort musikalische Frühbildung zu organisieren. "Wie sollen Kinder - gerade aus bildungsfernen Schichten - so einen Zugang zu Musikschulen bekommen?", fragte der VdM-Bundesvorsitzende.

Musikalisches Gemeinschaftserlebnis fehlt

Digitaler Fernunterricht sei für Musikpädagogen ein gutes Mittel, um etwa auf dem flachen Land weite Entfernungen zu überbrücken und in einer Lockdown-Zeit überhaupt noch Kenntnisse zu vermitteln. Auf Dauer und für Ensembles sei dieser Ansatz jedoch nicht geeignet. "Zusammen singen, tanzen, trommeln, hören, fühlen, sehen - wenn Kinder das erfahren haben, finden sie gemeinsame Musik viel schöner als sie nur bei YouTube oder als CD zu erleben", sagte Rademacher.

Musikschulen beim Digitalpakt vergessen

Musikschulen müssten zudem besser mit digitaler Technik ausgestattet werden. Der Vorsitzende der Gesamtjury des bundesweiten Wettbewerbs "Jugend musiziert" kritisierte, dass der milliardenschwere Digitalpakt für Bildungsstätten nur normalen Schulen, nicht aber Musik- und Volkshochschulen zugute komme. Die Unterstützung von Musikschulen sei für Kommunen lediglich eine freiwillige Leistung - in Zeiten immer knapperer Kassen mache ihm das Sorgen, ergänzte Rademacher.

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