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Über die Ansteckungsgefahr beim Singen und Musizieren mit Blasinstrumenten forscht Claudia Spahn an der Uni Freiburg. In SWR2 sagt die Musikmedizinerin, was das Maskentragen beim Singen wirklich bringt.

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Für die Tröpfchenübertragung beim Musizieren könnte ein Abstand von zwei Metern ganz gut sein, sagt Claudia Spahn. Bei ihren Messungen zur Luftzirkulation konnte sie erkennen, dass sich beim Singen die Luft bei plosiven Lauten wie P, T und K etwas weiterbewegte, als bei den Blasinstrumenten.

Aber was das Singen angehe, gäbe es von unterschiedlichen Studien unterschiedliche Angaben von Zahlen, zum Beispiel zur Frage wieviel mehr Ausstoß es beim Singen im Vergleich zum Sprechen gäbe.

„Es ist schon von zehn Mal mehr die Rede, teilweise auch von zwanzig Mal mehr. Die Zahlen schwanken, aber natürlich sieht es schon so aus, als ob das Singen hier nochmal einen besonderen Einfluss hat.“

Eine Empfehlung für das Singen mit Maske

Claudia Spahn und ihre Mitarbeiter*innen empfehlen beim Singen das Tragen normaler OP-Masken, wie sie gerade überall getragen werden. Das sei natürlich nicht 100%ig sicher, aber es gehöre zu den Versuchen, Sänger*innen wieder handlungsfähiger zu machen.

Neue Untersuchungen zeigten, dass die Masken das Aerosol nicht stoppen könnten, weil es zu klein sei. Aber es gäbe eine elektrostatische Aufladung in den Masken und man vermute, dass dadurch eine Filterwirkung zustande komme und die Viruspartikel darin hängenblieben.

„Wir müssen aber ständig unsere Ansichten korrigieren. Das ist für die Bevölkerung sehr schwierig, aber das ist eben Wissenschaft."

Claudia Spahn

Beim Singen und Spielen von Blasinstrumenten gäbe es ein Risiko und man müsse sich damit beschäftigen wie hoch das sei und wie wir damit umgehen könnten.

Trotzdem möchte sie nicht, „dass hängen bleibt, dass Singen etwas Gefährliches ist. Singen ist ein urmenschlicher Ausdruck und wir kriegen jeden Tag X Mailzuschriften von Chören in denen Menschen sehr unglücklich sind.“

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Prof. Bernhard Richter ist einer der Leiter des Instituts für Musikermedizin an der Universitätsklinik Freiburg, HNO-Arzt und selbst Sänger.
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