Impf-Debatte

Wiener Philharmoniker stehen wegen vorgezogener Impfung in der Kritik

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Die Mehrheit der Musiker*innen der Wiener Philharmoniker haben bereits eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Die Stadt Wien hat das Orchester in der Impf-Reihenfolge vorgezogen, um die Spielfähigkeit des Orchesters international gewährleisten zu können.


Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker (Foto: Pressestelle, Wiener Philharmoniker © Terry Linke)
Die 95 Mitglieder der Wiener Philharmoniker, die geimpft wurden, seien an unverzichtbaren internationalen Projekten beteiligt. Pressestelle Wiener Philharmoniker © Terry Linke

Vorzeitige Impfung wegen vertraglicher Verpflichtungen

Schon zu Beginn der 15. Kalenderwoche haben 95 Mitglieder der Wiener Philharmoniker ihre erste Impfdosis von Biontech/Pfizer gegen das Coronavirus erhalten.

Damit haben die Musiker*innen drei Wochen vor dem Impfstart für die breite Bevölkerung in Österreich ein Impfangebot bekommen.

Die Stadt Wien bestätigte das Vorgehen. „Der Hintergrund ist, dass die Wiener Philharmoniker spielfähig bleiben müssen“, so die Stadt. Das Orchester hätte Spielverpflichtungen im In- und Ausland, die an TV- und anderen Medienkooperationen geknüpft seien.

Damit die Philharmoniker die großen Projekte wahrnehmen könnten, habe man das Orchester „ein wenig vorgezogen“.

„Ansonsten hätten die Wiener Philharmoniker vertragliche Pönalstrafen in Millionenhöhe zu zahlen – auch bei weiteren Auftritten, die ohne Impfung nicht möglich sein werden. “

Konzert zum 80. Geburtstag von Ricardo Muti an der Mailänder Scala

Bei den Projekten handelt es sich um ein Konzert zum 80. Geburtstag von Ricardo Muti an der Mailänder Scala. Außerdem steht das Sommernachtskonzert am 18. Juni auf dem Terminplan der Philharmoniker.

Die @viennasymphony gehen auf Distanz zu den Kolleginnen und Kollegen. #WienerPhilharmoniker #Impfgate #kuk https://t.co/qFZqc7P45W

Die Philharmoniker weisen zudem auf die strukturelle enge Verbindung mit der Wiener Staatsoper hin. Ohne Impfung müssten alle Mitglieder des Orchesters in Quarantäne, sollte es einen einzigen Covid-Fall geben. Dieses Szenario sei schon vorgekommen und habe Konzerte gänzlich verhindert.

Kritik: „Ein Schlag ins Gesicht aller anderen Künstler*innen“

Kritik für diesen Vorzug bei der Impfung kommt auch von der IG Freie Theaterarbeit. Die Interessensgemeinschaft hat einen offenen Brief veröffentlicht. Darin fordert sie den sofortigen Impfstart für alle Künstler*innen, die sich impfen lassen wollen.

„Ist die Arbeitsgrundlage und das Einkommen dieser Menschen, die oft nicht von Häusern und Institutionen geschützt, versichert und getragen werden – weniger wert als – angebliche – Pönalezahlungen von Institutionen? Ein Bärendienst, der hier der Kunst und den Künstler*innen geleistet wurde!“

Österreich befindet sich derzeit in der 2. Phase der Impfstrategie. Bis Ende April haben Menschen aus systemrelevanten Branchen den Vorrang beim Impfen.

Ab Mai 2021 soll die allgemeine Bevölkerung geimpft werden. Die Priorität von Kulturschaffenden wird in Österreich als „moderat“ eingestuft.

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