Live-Konzertmitschnitt mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden

Antonio Pappano dirigiert Rachmaninows Sinfonie Nr. 2

STAND
AUTOR/IN
Christian Möller
KÜNSTLER/IN
Sächsische Staatskapelle Dresden

DVD-Rezension vom 20.12.2018

Beim Namen Sergej Rachmaninow denken die meisten an seine Klavierkonzerte. Hochvirtuose Schlachtrösser des Konzertbetriebs, die regelmäßig auf dem Programm stehen. Anders sieht es aus bei Rachmaninows Sinfonien, die sind weitaus seltener zu hören. Da wünscht sich mancher Hörer vielleicht nicht nur eine Einspielung, sondern auch eine Einführung. Beides gibt es jetzt für Rachmaninows zweite Sinfonie von 1909. Dirigent Antonio Pappano ist ein Kenner des Werks, er hat es nun mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden live eingespielt. Auf der dabei entstandenen DVD erläutert er das Werk auch.

Liveaufnahme mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden

In Rachmaninows zweiter Sinfonie kommt tatsächlich etwas. Aber gilt das auch für diese DVD? Die Ausgangsbedingungen könnten ja besser nicht sein. Antonio Pappano ist schon mehrfach mit Rachmaninow-Interpretationen hervorgetreten. Mit seinem Orchester, der römischen Accademia Nazionale di Santa Cecilia, hat er auch die zweite Sinfonie schon einmal auf CD vorgelegt. Nun also eine Liveaufnahme mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden: ein Orchester mit über 500 Jahren Tradition und geradezu legendärem Klang. Mit einer beeindruckenden Liste an Chefdirigenten  - von Carl Maria von Weber und Richard Wagner über Karl Böhm und Rudolf Kempe bis hin zu Herbert Blomstedt, Giuseppe Sinopoli und - aktuell - Christian Thielemann. Ein Orchester zumal, das in der Stadt ansässig ist, in der das Werk auch entstand. 1906 zog Rachmaninow mit seiner Familie in die sächsische Residenz. 

Biografie in Eckpunkten

Dass Rachmaninow das Komponieren nicht leicht von der Hand geht, hat vermutlich auch mit dem großen Trauma seiner Karriere zu tun: dem niederschmetternden Fiasko seiner ersten Sinfonie, inklusive folgender Schreibblockade und Depression. Von alledem erholt sich der Komponist nur dank einer Hypnose-Therapie. Trotzdem kommt bald der internationale Erfolg als Virtuose, auch mit seinen eigenen Klavierkonzerten. In Dresden sucht er mit seiner Familie vor allem Ruhe. Und er genießt das Kulturleben dort. Auf all das geht die DVD zu Beginn auch kurz ein – in noch nicht einmal drei Minuten. Der Rest der insgesamt rund 45-minütigen Dokumentation ist eigentlich ein Konzertfilm mit Erläuterungen des Dirigenten. Antonio Pappano sitzt am Klavier und geht auf die einzelnen Sätze, ihre Themen und Motive ein.

Antonio Pappano hat sich vor allem als Operndirigent einen Namen gemacht. Das merkt man deutlich, wenn er etwa auf Parallelen zu Puccini hinweist, überhaupt Rachmaninows Talent als Schöpfer großer Melodien hervorhebt, seine unverblümte Romantik oder den großen Einfluss auf das amerikanische Musical und die Filmmusik Hollywoods. Kein Wunder, dass der langsame Satz für Pappano das Herz der Sinfonie darstellt.

Knapper Wortanteil und kein Bonusmaterial

Dass Rachmaninow seine orchestralen Texturen auch kontrapunktisch anreichert und dadurch eine Komplexität erzeugt, die beträchtlich über das Erfinden großer Kantilenen hinausgeht, das wird von Pappano zwar kurz erwähnt, doch gerade hier, wo es interessant werden könnte, geht der Dirigent nicht weiter ins Detail. Überhaupt ist der Wortanteil des Films äußerst knapp bemessen. Und auch Bonusmaterial ist nicht enthalten. So ist die DVD dann insgesamt eher ein recht konventionell gefilmter Live-Mitschnitt mit ein bisschen schnell dazu produziertem Beiwerk. Das ist angesichts der Hochklassigkeit der Interpreten nicht nichts. Aber für einen vorgeblichen Dokumentarfilm auch nah am Etikettenschwindel. Große Musik, ja. Großer Mehrwert darüber hinaus, leider nein.

DVD-Rezension vom 20.12.2018 aus der Sendung SWR2 Treffpunkt Klassik

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AUTOR/IN
Christian Möller
KÜNSTLER/IN
Sächsische Staatskapelle Dresden