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Der zuletzt in Stuttgart wirkende Geiger und Autor Michael Wieck ist am 27. Februar im Alter von 92 Jahren gestorben. Als Sohn einer jüdischen Mutter war ein wichtiger Zeitzeuge des nationalsozialistischen Terrors.

Michael Wieck in einer Aufnahme von 1986 (Foto: SWR)
Michael Wieck in einer Aufnahme von 1986.

Erster Geiger im Radio-Sinfonieorchester Stuttgart

Michael Wieck war von 1974 bis zu seiner Pensionierung 1993 Erster Geiger im Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart (RSO), das zunächst noch von Sir Neville Marriner, dann ab 1989 von Gianluigi Gelmetti geleitet wurde. Vier Jahre lang gehörte er außerdem dem Orchestervorstand an.

Vor seiner Anstellung beim RSO spielte Wieck in einem weiteren Stuttgarter Orchester: als Erster Konzertmeister des Stuttgarter Kammerorchesters unter der Leitung von Karl Münchinger.

Aufgewachsen in einer halbjüdischen Musikerfamilie

Geboren wurde Wieck 1928 in Königsberg und wuchs in einer Musikerfamilie auf. Schon früh bekam er als Sohn einer jüdischen Mutter - und damit "Geltungsjude" - die Verfolgung durch den Nationalsozialismus zu spüren und entkam nur aufgrund seines "arischen" Vaters der Deportation in ein Vernichtungslager. Unter anderem musste er Zwangsarbeit in einer chemischen Fabrik leisten.

Über seine Erfahrungen in Königsberg schrieb er das wichtige Zeitzeugen-Buch "Zeugnis vom Untergang Königsbergs. Ein Geltungsjude berichtet".

YouTube-Video: Michael Wieck erinnert sich an das Konzertverbot für Juden in Königsberg

Berlin, Auckland, Stuttgart

1948 gelang Wieck die Flucht nach West-Berlin. Dort begann er ein Musikstudium an der Berliner Hochschule. 1953 wurde er Erster Geiger im RIAS-Sinfonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Ferenc Fricsay.

1961 wanderte Wieck mit seiner Familie nach Neuseeland aus und arbeitete dort sieben Jahre lang als Senior Lecturer für Violine an der Universität Auckland. Er erkannte, dass Neuseeland nicht seine neue Heimat werden würde und kehrte schließlich nach Deutschland - nach Stuttgart - zurück.

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