Musikgespräch

Mehr Komponistinnen im Musikunterricht! – Musikwissenschaftlerin Elisabeth Treydte

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INTERVIEW

„Unser Ziel muss ein Musik-Kanon sein, der genauso vielfältig ist wie unsere Gesellschaft“, sagt die Musikwissenschaftlerin Elisabeth Treydte. Sie beschäftigt sich schon lange mit der fehlenden Diversität im Musikunterricht und in Schulbüchern. Im Gespräch mit SWR2 kritisiert sie die bestehende Perspektive, die Komponieren als eine männliche Praxis definiert und schlägt Auswege aus dem Dilemma vor.

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Die Lehrpläne für den Musikunterricht sehen auf den ersten Blick bunt aus: Mozart, Pachelbel, Schubert, Brahms, Beethoven. Schönberg, Strawinsky, Bartok. Frauen kommen allerdings fast gar nicht vor.

Die einzigen Ausnahmen seien Clara Schumann oder Fanny Mendelssohn, doch diese seien in der Rolle der Ehefrau und Schwester und nicht als eigenständige Künstlerpersönlichkeiten porträtiert, so die Musikwissenschaftlerin Elisabeth Treydte.

„Es ist wirklich wichtig, dass die nächsten Generationen den Musikunterricht bekommen, mit dem sie sich auch identifizieren können.“

Rigide Strukturen der Blidungspolitik

„Wenn ich vom Archiv Frau und Musik einen Vorschlag habe, dann muss ich mich an die offiziellen Stellen wenden und mich mit den Schulbuchverlagen auseinandersetzen. Das kann dann viele, viele Jahre dauern, bis ich paritätische Schulbücher vorlegen kann“, so die Musikwissenschaftlerin.

Aus diesem Grund hat das Archiv Frau und Musik ein digitales Bildungspaket erstellt, das Komponistinnen vorstellt. Damit hätten Lehrer*innen Material, das sie im Schulunterricht verwenden können.

„Gleichberechtigung steht ja schon im Grundgesetz, also muss sie doch selbstverständlich sein. Aber wir merken eben, dass wir an vielen Stellen mit einem Blickregime arbeiten, das Komponieren als eine männliche Praxis zeigt“

Uns ist wahnsinnig viel entgangen

Der Blick auf Komponistinnen sei nicht nur wegen der Gleichberechtigung wichtig. Musikliebhaber*innen sei auch wahnsinnig viel entgangen, wenn sie zum Beispiel die Klaviermusik und Opern von Margaret Bonds nicht kennen, so die Musikwissenschaftlerin.

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