Jazz "Epistrophy" - Live-Aufnahme mit Bill Frisell & Thomas Morgan

Von Georg Waßmuth

Der im Jahr 1951 geborene Gitarrist Bill Frisell gilt weit über den Jazz hinaus als einer der einflussreichsten Musiker. Gerne wird der Klang seiner Gitarre schon mal als “One In A Million Sound“ gerühmt. Nun hat Bill Frisell gemeinsam mit dem Kontrabassisten Thomas Morgan beim Label ECM einen Live-Mitschnitt aus dem Jazzclub Village Vanguard veröffentlicht - Stücke von Thelonious Monk sowie spannende Instrumentalversionen großer Jazz-, Pop- und Filmsongs, bei denen man die Stimme in keiner Weise vermisst.

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Village Vanguard - ein Ort der Ruhe mitten in New York

Das Village Vanguard ist ein ganz besonderer Ort mitten in der hektischen Metropole New York. “Wir sind kein Chatroom, sondern ein Jazz-Club, absolute Ruhe ist bei uns Pflicht“, wird jedem Besucher eindrücklich gesagt. Auf Musiker übt das Village Vanguard eine geradezu magische Anziehungskraft aus, so auch seit seiner Jugend auf Bill Frisell. Im Sommer 1969 waren seine Eltern von Colorado nach New Jersey gezogen. Bill war damals 18 Jahre alt und wollte das nahe gelegene New York erobern.

Jazzclub mit besonderer Atmosphäre

Er habe wunderbare Konzerte im Central Park erlebt, erzählt er, aber eine ganz besondere Entdeckung war für ihn das Village Vanguard, wo er live Dexter Gordon, Charles Mingus und andere Jazzgrößen hörte und unbeschreibliche Eindrücke erlebte. Als er dann Jahre später selbst dort aufgetreten sei, habe er immer die besondere Atmosphäre des Raums gespürt. "Wenn ich in der Stadt bin", erzählt Bill Frisell, "komme ich bis heute gerne an den stillen Nachmittagen vorbei und setze mich mit meiner Gitarre in die Dunkelheit, um einfach zu üben und die Stimmung zu genießen".

Ein Raum mit winziger Bühne und hervorragender Akustik

Der Jazzclub Village Vanguard hat die Grundform eines Dreiecks. In der schmalen Spitze befindet sich eine winzige Bühne, auf der nur wenige Musiker Platz finden. Durch die Trichterform ist die Akustik besser als in manch hochgelobtem Konzertsaal und eignet sich hervorragend für Live-Aufnahmen. Gemeinsam mit dem kongenialen Thomas Morgen am Kontrabass hat Bill Frisell die Programm-Auswahl sehr bewusst um die Jazz-Legende Thelonious Monk gestrickt.

Hommage an Thelonious Monk

Bill Frisell: Er hat so viele Dinge gemacht, die ich liebe, das würde eine sehr lange Liste ergeben. Als ich ihn als Jugendlicher das erste Mal live hörte, hat mich das völlig fasziniert und monatelang aus der Bahn geworfen. Ich habe mir dann alle Schallplatten besorgt, die ich bekommen konnte. Seine Musik hat eine harmonische und rhythmische Freiheit, die ich zuvor nie gehört habe. Während meiner eigenen Karriere interpretierte ich seine Stücke immer wieder. In der kleinen Duett-Besetzung haben sie nun aber ihren ganz besonderen Reiz.

Jazz-, Pop- und Filmsongs in spannenden Instrumentalversionen

Die Stücke von Thelonious Monk reihen Thomas Morgen und Bill Frisell in einen sehr lockeren Kontext ein. Da steht ein alter Hit von Frank Sinatra neben einem Popsong. Gekonnt drapiert das Duo auch die Filmmusik aus dem James-Bond-Streifen “Man lebt nur zweimal“ zwischen die Jazz-Klassiker.

Bill Frisell: Erst einmal ist es ganz tolle Musik, die John Barry da komponiert hat. Damit sind aber auch eine Menge persönlicher Erinnerungen verbunden. 1967 hatte ich gerade meinen Führerschein gemacht und konnte eine Freundin fragen, ob sie nicht Downtown den neuen James-Bond-Film mit mir anschauen möchte.

Musikalischer Dialog mit sprühenden Funken

Mit seiner Gitarre ist Bill Frisell ein wunderbarer Geschichtenerzähler. Gemeinsam mit Thomas Morgan am Kontrabass kommt so keine Sekunde Langeweile auf. Im Dialog lassen die beiden die Funken nur so sprühen. Die Live-Atmosphäre aus dem Jazz-Club Village Vanguard setzt der Aufnahme dann das Sahne-Häubchen auf. Man hört nicht nur zu – man ist mittendrin dabei.

CD-Tipp am 10.5.2019 aus der Sendung "SWR2 Journal am Mittag"

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