Libretto-Streit

Christian Thielemann kritisiert Textänderung: „Führer-Skandal“ bei Bayreuther Festspielen

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Fotoprobe «Lohengrin» während der Bayreuther Festspiele 2022 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Festspiele Bayreuth | Enrico Nawrath)
Er hat es gesungen: Heldentenor Klaus Florian Vogt als Lohengrin bei den Bayreuther Festspielen 2022 (ganz rechts) Festspiele Bayreuth | Enrico Nawrath

Bei den Bayreuther Festspielen ist ein Streit um das Wort „Führer“ entbrannt. Dirigent Christian Thielemann (63) kritisiert das Streichen des Wortes aus dem „Lohengrin“-Libretto. „Entschuldigung, aber wo kommen wir denn da hin? Dann kann man auch gleich viel mehr ändern, der ganze 'Lohengrin' ist ja voll von solchen Stellen, 'Für deutsches Land das deutsche Schwert', all das", sagte der ehemalige Musikdirektor der Bayreuther Festspiele im Interview der „Welt" und spricht von einem „'Führer'-Skandal“. „So steht es nun einmal in Richard Wagners Partitur."

Katharina Wagner ließ „Schützer" statt „Führer" singen

Katharina Wagner hatte den Tenor Klaus Florian Vogt, der die Titelrolle sang, nach der Generalprobe in diesem Jahr gebeten, das Wort „Führer" zum Ende der Richard-Wagner-Oper über den Schwanenritter durch „Schützer" zu ersetzen. „Es ist ein gängiges Substitut", sagte Wagner der Deutschen Presse-Agentur am 7. September.

„Seht da den Herzog von Brabant!
Zum Führer sei er euch ernannt!"

Dauergast Hitler

Wagner weiter: „Sehr viele Häuser benutzen das Wort 'Schützer' und gerade wir in Bayreuth sollten da besonders sensibel sein, weil wir einen besonderen politischen Hintergrund und damit auch eine besondere Verantwortung haben." Wagner spielte damit auf die braune Vergangenheit der Bayreuther Festspiele an, die mit dem Nationalsozialismus eine unheilige Allianz eingingen. Adolf Hitler war Dauergast bei den Festspielen.

Thielemann wähnt auch die Oper „Tosca" in Gefahr

Thielemann geht das Streichen aber trotzdem zu weit. Er sieht auch andere Werke der Opernliteratur in Gefahr: „Dann darf man auch 'Tosca" nicht mehr spielen, mit der versuchten Vergewaltigung, dem Mord und so weiter", sagte er der „Welt". „Wenn ich sehe, mit welcher Akribie das durchgezogen wird, würde ich von konservativer Politik schon erwarten, dass sie sagt: Jetzt kümmern wir uns erst einmal darum, dass das Land vernünftig funktioniert, bevor wir darüber nachdenken, welche Werke der Weltliteratur man umschreiben könnte."

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