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Geschlossene Bühnen, Kinos und Konzertsäle, verwaiste Museen, Kunsthallen und Clubs. Die Kulturbranche ist von den Corona-Maßnahmen besonders hart getroffen. Trotz der zugesagten finanziellen Unterstützung fürchten viele Kulturschaffende um ihre Existenz, fordern mehr Anerkennung und bessere Arbeitsbedingungen oder klagen gegen die aktuellen Schließungen.

Kirchlicher Kulturrat wirbt für Solidarität mit Künstler*innen

Der Kulturrat der Evangelischen Landeskirche in Württemberg empfiehlt Kirchengemeinden, in der Corona-Zeit Künstler gegen Honorar für Gottesdienste zu engagieren. Damit werde die Kirche zur „Herbergsgeberin für Kulturschaffende", heißt es in einer am 3. Dezember in Stuttgart verbreiteten Mitteilung. Solche Engagements seien für Freiberufliche überaus wichtig.

Die Gegierin Anne-Sophie Mutter hatte das Engagement von Musikern im Rahmen von Gottesdiensten bereits am 27.11. im SWR2 Interview angeregt.

Konkret empfiehlt der Kulturrat, etwa Sänger*innen zu buchen, um für das wegen der Corona-Beschränkungen fehlende Gesangserlebnis zu entschädigen. Schauspieler könnten Lesungen übernehmen, Liedermacher nachdenkliche Alltagsgeschichten vortragen. Eine Tänzerin, ein Performance-Künstler oder eine Clownin sorgten für das „etwas andere Anspiel", so die Mitteilung.

27. November
Haushalt 2021: Kulturetat mit 2,1 Milliarden Euro so hoch wie noch nie

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (Foto: Pressestelle, Elke Jung-Wolff)
Pressestelle Elke Jung-Wolff

Der Kulturetat des Bundes steigt im kommenden Jahr auf 2,14 Milliarden Euro. „Mit dem Rekordetat 2021 erhöhen wir gerade in diesem Krisenjahr einmal mehr die Mittel für die Kultur und die Kreativen in ihrer so wertvollen Arbeit für unser Gemeinwesen", kommentierte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am Freitag die Entscheidung des Haushaltsausschusses. Das Plus beträgt rund 155.000 Euro. Das Haushaltsgesetz tritt voraussichtlich zum 1. Januar in Kraft.

Unter anderem stehen damit 73 Millionen Euro für den Um- und Ausbau des Deutschen Literaturarchivs in Marbach bereit. Für ein Sonderprogramm zum Erhalt der zum Weltkulturerbe gehörenden Bausubstanz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sind für die nächsten fünf Jahre zusätzliche Bundesmittel in Höhe von gut 76 Millionen Euro vorgesehen. Rund 93 Millionen Euro sind für Denkmalschutzmaßnahmen in ganz Deutschland eingeplant. Das Jüdische Museum Berlin erhält 3,2 Millionen Euro zusätzlich, um sein Haus künftig bei freiem Eintritt öffnen zu können.

26. November

Bund und Länder beschließen Verlängerung des Teil-Lockdowns: Zumindest bis Weihnachten bleiben Kultureinrichtungen geschlossen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU, aufgenommen bei einer Regierungserklaerung zur Bewaeltigung der COVID-19-Pandemie im Rahmen der 195. Sitzung des Deutschen Bundestages in Berlin.  (Foto: Imago, imago images / photothek)
Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU, aufgenommen bei einer Regierungserklaerung zur Bewaeltigung der COVID-19-Pandemie im Rahmen der 195. Sitzung des Deutschen Bundestages in Berlin. Imago imago images / photothek

„Wir brauchen noch einmal eine Kraftanstrengung", betonte Kanzlerin Angela Merkel am 25. November abends nach mehrstündigen Beratungen mit den Ministerpräsident*innen der Länder.

Die seit dem 2. November geltenden Schließungen von Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Restaurants, Bars und einzelnen Branchen werden bis zum 20. Dezember verlängert. Allerdings gehen Bund und Länder davon aus, dass die Beschränkungen wegen weiterhin hoher Infektionszahlen noch bis Anfang Januar erforderlich sein werden. Dazu soll es vor Weihnachten eine Bewertung geben. Die finanzielle Unterstützung betroffener Betriebe soll fortgeführt werden.

24. November

Schauspielintendant Burkhard Kosminski: Privattheater und freiberufliche Künstler existentiell gefährdet

Es scheint ziemlich sicher, dass Bund und Länder beim Corona-Gipfel am 25.11. eine Verlängerung der Theaterschließung bis Weihnachten beschließen. „Ich glaub, wir brauchen alle jetzt mal ein bisschen Gelassenheit. Es ist einfach richtig, solidarisch zu sein mit den ganzen anderen Einrichtungen," sagt Burkhard Kosminski, Intendant am Schauspiel Stuttgart, in SWR2 Kultur Aktuell.

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19. November
Niederlande erlaubt Öffnung der Kultureinrichtungen unter strengen Auflagen

Das Concertgebouw Amsterdam (Foto: Pressestelle, Emmely Siebrecht)
Trotz der Erleichterungen geht die Regierung davon aus, dass der Teil-Lockdown erst in der zweiten Januar-Hälfte nächsten Jahres aufgehoben werden kann. Pressestelle Emmely Siebrecht

In den Niederlanden werden die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorsichtig wieder gelockert. Vom. 19. November an dürfen Theater, Museen, Kinos und Bibliotheken wieder öffnen, wie Ministerpräsident Mark Rutte am Abend des 17. November in Den Haag ankündigte. Kneipen, Cafés und Restaurants bleiben jedoch
geschlossen.

Das Amsterdamer Concertgebouw hat dennoch beschlossen, das Konzerthaus bis zum 15. Dezember geschlossen zu lassen. Grund dafür sei die von der Regierung beschlossene Begrenzung auf maximal 30 Personen in Konzertsälen. Man könne keine Konzerte für 30 Personen anbieten, heißt es auf der Seite des Concertgebouws. Für die Zeit nach dem 15. Dezember warte das Haus demnach auf die Entscheidungen von der Politik.

18. November
Konzerthaus Berlin bietet freien Musiker*innen Auftritte ohne Saalmiete

Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt bietet Musiker*innen der Freien Szene seine Säle im kommenden Jahr für zwei Monate kostenlos an. Vokal- und Instrumentalensembles aus klassischer und zeitgenössischer Musik, Jazz und Weltmusik können dabei auftreten und auch die Ticketeinnahmen behalten. Die Aktion „Freie Räume für freie Szene" startet am 4. Februar 2021. Eine Fachjury entscheidet, welche Musiker*innen und Ensembles im Rahmen der Aktion auftreten dürfen.

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17. November
Flashmob am Staatstheater Mainz: Wir sind auch noch da

Das Staatstheater Mainz will nicht sang- und klanglos im Lockdown verschwinden. Deshalb haben die Künstler*innen, Tänzer*innen, Schauspieler*innen und Musiker*innen am Dienstag, 17.11., um 17 Uhr einen Flashmob organisiert, bei dem sie auf ihre Arbeit während des zweiten Lockdowns hinweisen wollen.

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Die Bundesregierung beschließt neue Hilfszahlungen für Kulturschaffende:

13. November
Cembalist Andreas Staier: „Ich sehe um mich herum alles zusammenbrechen“

„Ich sehe um mich herum alles zusammenbrechen“, sagt der Cembalist und Hammerklavier-Spezialist Andreas Staier in SWR2. Die „Not- und Hilferufe“ insbesondere seiner freischaffenden Musikerkollegen haben ihn zuletzt an die Öffentlichkeit treten lassen. Im SWR2-Musikgespräch kritisiert er auch den Umgang der Politik mit der Kultur und sieht die „Eventkultur“ nach der Krise im Kommen.

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13. November
Wirtschaftliche Lage vieler Bildener Künstler*innen prekär

Schon vor der Corona-Pandemie war die wirtschaftliche Lage vieler Bildender Künstler*innen prekär. Wie eine Umfrage des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler zeigt, haben die Auswirkungen der Corona-Krise ihre Lebensbedingungen weiter verschlechtert. „Der Verkauf von künstlerischen Produkten bricht weg“, sagt der Soziologe Eckhard Priller im SWR2 Gespräch SWR2.

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12. November
Konferenz „Postpandemisches Theater“ stellt Zukunftsfrage

Wie tiefgreifend verändert die Corona-Pandemie die gesellschaftliche Rolle des Theaters? Das fragt die digitale Konferenz „Postpandemisches Theater“, die das digitale Theaterblatt nachtkritik.de zusammen mit der Böll-Stiftung und dem Brecht-Literaturforum organisiert hat. „Die Pandemie funktioniert wie ein Brennglas für Fragen, die wir schon länger im Theater stellen“, sagt nachtkritik-Redakteur und Mitinitiator Christian Rakow in SWR2.

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11. November
Christian Stückl, Münchner Volkstheater: Eigene Konzepte entwickeln, nicht auf Politik warten!

„Wir können nicht nur dasitzen und hoffen, dass der frühere Status Quo wieder eintritt", sagt der Intendant des Münchner Volkstheaters, Christian Stückl, in SWR2. Damit reagiert auf einen Rat Thomas Ostermeiers von der Berliner Schaubühne, Theater im Winter besser ganz zu schließen als mit ständig wechselnden Corona-Auflagen zu kämpfen.

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9. November
Haushalt 2021 für Konstanz: Schulden tilgen zulasten der Kultur?

In Konstanz und anderen Städten und Kommunen ist die Sorge vor kommenden Kulturetatkürzungen groß. Denn wenn die Kommunen ihre Corona-bedingt angehäuften Schulden abbauen müssen, bleibt ihnen nicht viel Spielraum: Sozialausgaben sind verpflichtend, Kulturausgaben freiwillige Leistungen. Es müsse daher nicht nur über Zahlen diskutiert werden, sondern auch über den Stellenwert der Kultur in der Gesellschaft, fordern viele Kultureinrichtungen.

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6. November

Corona-Achterbahnfahrt für den neuen Leiter des Mainzer Unterhauses

Erst im Sommer 2019 hat Stephan Denzer die Leitung des Mainzer Unterhauses übernommen, das zu den bekanntesten Kabarettbühnen Deutschlands zählt. Es gab viele Pläne, dann kam Corona, und im November der Lockdown für die Kultur. Doch ihn zeichne „ein sturköpfiger Optimismus aus“, erzählt Denzer im Gespräch mit SWR2. Er könne nicht dasitzen und warten bis etwas passiere. Man müsse versuchen, währenddessen den Spaß nicht an der ganzen Sache zu verlieren.

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Deutscher Kulturrat hält wenig von Grönemeyers Sonderabgaben-Vorschlag

Herbert Grönemeyers Solidaritätsapell für die Kultur an wohlhabende Menschen wird heiß diskutiert. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, ist wenig begeistert von der Idee: „Ich finde das ein wenig aus der Zeit gefallen“, sagt er im Gespräch mit SWR2. „Am besten kann man mehr für das Gemeinwesen tun, indem man mehr Steuern zahlt.“ Herbert Grönemeyer hatte in der Wochenzeitschrift „DIE ZEIT“ vom 5. November Sonderzahlungen der Vermögenden vorgeschlagen.

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Angekündigte Bundeshilfen für Soloselbstständige richtig

Die angekündigten neuen Bundeshilfen für Soloselbstständige sind aus Sicht des Deutschen Kulturrats ein Schritt in die richtige Richtung. Dabei komme es jedoch darauf an, die Hilfe nicht mit bürokratischen Hürden zu verstellen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte am Mittwochabend mit den neuen Corona-Hilfen Unterstützung für Soloselbstständige auch aus der Kulturszene angekündigt.

Kulturschaffende im Südwesten: Ohne Kultur wird es still

Stoisch haben die Kulturschaffenden bis jetzt ertragen, was die Politik beschlossen hat. Doch der zweite Lockdown für die Kultur macht viele wütend. Vor allem die mangelnde Vorbereitung auf die abzusehende zweite Welle stößt auf Unverständnis. Kulturschaffende aus dem Südwesten berichten: Was bedeutet der erneute Lockdown für sie und den Kulturbetrieb?

4. November

Lautstärke zulasten von Differenzierung und Selbstkritik?

„Verbale Aufrüstung schlägt nötige Differenzierung“ kritisieren Hartmut Welscher und Christian Koch die Proteste der Kultur im Webmagazin „Van“ für klassische Musik. „Bei aller berechtigter Kritik und eigenen Existenznöten“ dürfe die Kultur nicht wieder in altes Elitendenken zurückfallen, dem Lagerdenken Vorschub leisten und die Gesellschaft als Ganzes aus den Augen verlieren.

Theaterkrise in Rheinland-Pfalz von historischem Ausmaß

Der aktuelle „Bühnen-Lockdown“ der 12. Coronaverordnung Rheinland-Pfalz stößt bei den staatlichen Theatern auf Unverständnis und wird für die privaten zur Bedrohung ihrer Existenz. Die Intendanten befürchten, Publikum und freie Mitarbeiter unwiederbringlich zu verlieren. Auch in der Digitalisierung des Theaters sehen sie keine Lösung, da das Theater von der direkten Begegnung lebe. Claudia Wehner von den Mainzer Kammerspielen, Markus Müller vom Staatstheater Mainz, Lajos Wenzel von der Landesbühne Neuwied und Tillmann Gersch vom Pfalzbau Ludwigshafen berichten von der bedrohlichen Situation ihrer Bühnen.

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Deutscher Filmpreis erst im Herbst 2021

Der Deutsche Filmpreis soll 2021 nicht wie gewohnt im Frühjahr, sondern erst im Oktober verliehen werden. Die Deutsche Filmakademie begründet die Verschiebung mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie. „Die Kinos mussten erneut schließen, Filmstarts verschoben und Produktionen unterbrochen werden“, so Akademiepräsident Ulrich Matthes. Nur Filme, die in den Kinos laufen, können ausgezeichnet werden.

3. November: art KARLSRUHE in den Mai 2021 verschoben

Die Kunstmesse art KARLSRUHE, ursprünglich im Februar geplant, soll vom 21. bis 24. Mai 2021 stattfinden. Der aktuelle Verlauf der Corona-Pandemie sowie die Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern sind nach Angaben der Messe Karlsruhe der Grund der neuen Terminierung.

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Eilanträge und Klagen gegen Corona-Verordnung

Beim Verwaltungsgericht in Mainz laufen derzeit zwei Eilverfahren und drei Klagen gegen die neue Corona-Verordnung der Landesregierung. Antragsteller seien Fitness-Studios, ein Tattoo-Studio, ein Künstler sowie eine Einrichtung aus dem Rotlicht-Milieu, teilte eine Sprecherin am Dienstag mit. Das Gericht rechnet nach Angaben der Sprecherin mit weiteren Verfahren.

Das Berliner Verwaltungsgericht hat einen Eilantrag gegen ein Konzertverbot in der Staatsoper Unter den Linden zurückgewiesen. Der Eingriff in die Kunstfreiheit auf Grundlage der aktuellen Infektionsschutzverordnung erscheine geeignet und erforderlich, um Neuinfektionen zu vermeiden, heißt es in Begründung des Gerichts. Geklagt hatten u.a. ein sechsjähriger Pianist und eine erwachsene Pianistin, die gemeinsame Konzerte in Staatsoper Unter den Linden geben wollten.

2. November

Musikboykott und „Beiträge der Stille“ von „Äl Jawala“ und der Aktion „Alarmstufe Rot"

Die Band Äl Jawala (Foto: Imago, Die Band Äl Jawala)
Die Band Äl Jawala Imago Die Band Äl Jawala

Markus Schumacher, Musiker der Freiburger Band „Äl Jawala“ und Bandmanager, ruft dazu auf, im November keine kostenlose Musik ins Netz stellen. Damit will er dem „Trend zur Entwertung“ von Musik entgegentreten, der bereits mit Spotify begonnen habe. Am 2. November hatte auch das Bündnis „Alarmstufe Rot“ mit „Beiträgen der Stille“ gegen die finanzielle Notlage der Kulturschaffenden protestiert.

#sangundklanglos #alarmstuferot in der #Kultur- und #Veranstaltungswirtschaft

2. November

Freiburger Künstler protestieren gegen Corona-Maßnahmen

Rund 300 Kulturschaffende haben am Montagabend auf dem Platz der Alten Synagoge in Freiburg protestiert. Ihre stille Mahnwache war Teil einer deutschlandweiten Protestaktion gegen die verschärften Corona-Maßnahmen.

Stille Mahnwache Gegen Corona-Maßnahmen: Freiburger Künstler protestieren

Rund 300 Kulturschaffende haben am Montagabend auf dem Platz der Alten Synagoge in Freiburg protestiert. Ihre stille Mahnwache war Teil einer deutschlandweiten Protestaktion gegen die verschärften Corona-Maßnahmen.  mehr...

Zu den Ereignissen im Oktober: Koalition will Künstler*innen helfen

30. Oktober

Koalition will Künstler*innen helfen - Diskussion um „Unternehmerlohn" und erleichterten Zugang zu Hartz IV

Die Spitzen der Großen Koalition (v.l.) Markus Söder (CSU), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sowie Norbert Walter-Borjans und Saksia Esken (beide SPD) nach der Sitzung des Koalitionsausschusses. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Markus Schreiber/Pool AP/dpa)
Die Spitzen der Großen Koalition (v.l.) Markus Söder (CSU), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sowie Norbert Walter-Borjans und Saksia Esken (beide SPD) nach der Sitzung des Koalitionsausschusses. picture alliance/Markus Schreiber/Pool AP/dpa

Freiberufler*innen und Künstler*innen sollen durch die Verlängerung eines deutlich erleichterten Zugangs zu Hartz IV besser durch die Corona-Krise kommen. Die Verlängerung soll bis zum Ende des kommenden Jahres fortgeführt werden, so Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Weitere direkte Hilfen zum Lebensunterhalt standen am 30. Oktober in der Koalition im Raum. Seit Wochen schon fordert vor allem die Kulturbranche umfassendere staatliche Hilfen in der Corona-Krise.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatten bereits Finanzhilfen für Firmen und Soloselbstständige insgesamt von bis zu zehn Milliarden Euro für einen Monat angekündigt. „Zudem sollen die Überbrückungshilfen fortgeführt werden", sagte Hubertus Heil den Zeitungen der Funke Mediengruppe am 30. Oktober.

Einen sogenannten Unternehmerlohn in Höhe von 1.200 Euro für die Solo-Selbstständigen in der Kulturbranche hatte Grünen-Chef Robert Habeck gefordert. Altmaier hatte erklärt, dazu müsse in der Koalition noch eine Einigung gefunden werden. Laut Peter Weiß (CDU), arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, liegt die Möglichkeit einer solchen direkten Hilfe für den Lebensunterhalt weiter auf dem Tisch.

Staatsministerin Monika #Grütters zu den Auswirkungen der #Corona-Beschlüsse auf die #Kultur: „Sie darf nicht zum Opfer der Krise werden!“ Das ganze Statement hier lesen: https://t.co/QbcryVzDwL https://t.co/PbJYzx8qFj

Münchner Museen halten für Lockdown digitale Angebote vor

Die Münchner Museumslandschaft reagiert auf den anstehenden Lockdown mit digitalen Alternativen. Das Lenbachhaus empfiehlt Kunstfreund*innen die laufenden Ausstellungen auf seiner Internetseite. Auch die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, zu denen die Pinakotheken, die Sammlung Schack und das Museum Brandhorst gehören, verweisen auf ihre Präsenz in den Sozialen Medien. So finde sich auf YouTube etwa die #Kunstminute und weitere Filme. Möglichkeiten zum Stöbern gebe es auch in der Online-Sammlung.

Kritische Töne kommen vom Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Bernhard Maaz. Er bedauere die angeordnete Schließung für seine Häuser. Denn bisher gebe es keine Indizien dafür, dass Kunstmuseen, die bekanntlich über hochklassige Klimaanlagen und komplexe Hygiene-Konzepte verfügten, zum Hotspot geworden seien. Das mache Hoffnung, dass bald eine Möglichkeit gefunden werde, die Häuser unter bisherigen, erfolgreichen Regelungen wieder zugänglich zu machen. „Wir wissen, dass die Gesellschaft ihre Museen als Orte von Diskursen und nicht nur zur Freizeitfreude braucht."

Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter findet den Teil-Lockdown prinzipiell richtig

Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter (Foto: Pressestelle, Michael Zapf)
eit Saisonbeginn am 1. September hätten rund 85 000 Menschen Konzerte in der Elbphilharmonie und der Laeiszhalle besucht. Pressestelle Michael Zapf

Der Intendant der Hamburger Elbphilharmonie, Christoph Lieben-Seutter, hat Verständnis für den Teil-Lockdown und den damit einhergehenden weitgehenden Stillstand des kulturellen Lebens geäußert. „Es ist zwar schade um die vielen schönen Konzerte im November, aber ich halte die Entscheidung prinzipiell für den richtigen Weg, um die Pandemie in den Griff zu bekommen", sagte Lieben-Seutter der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Angaben seines Hauses fallen in den vier Wochen vom 2. November an 146 Veranstaltungen in der Elbphilharmonie und in der Laeiszhalle aus, „viele davon waren ausverkauft". Die Besucher*innen würden direkt kontaktiert und das Geld für ihre Tickets unbürokratisch erstattet bekommen.

Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit, der die Verantwortlichen der Elbphilharmonie in Fragen des Infektionsschutzes berät, hatte zuvor in der ARD gesagt, er halte etwa die Schließung der «Elphi» für nicht zielführend. „Es ist aus meiner Sicht, aus virologischer Sicht, nahezu unvorstellbar, dass dort massenhaft Infektionen aufgetreten sind."

29. Oktober

Kulturminister*innen beschließen: Museen müssen auch schließen, Kultureinrichtungen dürfen aber weiter proben

Mit den neuen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie müssen auch die Museen in Deutschland schließen. Darauf verständigten sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur die Kulturminister*innen der Länder am 29. Oktober in einer Konferenzschaltung.

Zunächst war die Situation für Museen unklar, weil sie in der Vereinbarung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsident*innen nicht ausdrücklich erwähnt sind. Danach müssen Kultureinrichtungen wie Theater, Opern- und Konzerthäuser sowie Kinos im November für einen Monat zubleiben.

Probebetrieb darf weitergehen

Der Probebetrieb darf weitergehen, legten die Kulturminister nun fest. Damit soll ermöglicht werden, dass der Spielbetrieb im Dezember auch wieder aufgenommen werden kann.Offen bleiben dürfen nach den Informationen Bibliotheken, Archive und Musikschulen.

Nach dem Lockdown für die Kultur fordern Musiker*innen einen Rettungsschirm

Angesichts der neuerlich bevorstehenden Schließung von Theatern, Konzert- und Opernhäusern fordern Musiker einen umfassenden Rettungsschirm. „Der zweite Lockdown trifft die Orchester, Musikerinnen und Musiker zu einer Zeit, in der sonst Hochbetrieb herrscht. Wieder brechen die Eigeneinnahmen komplett weg, und das Publikum bleibt aus", sagte Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), am 29. Oktober in Berlin. Vor allem die soloselbständigen Künstler*innen sowie die privaten Veranstalter stünden jetzt vor dem Aus. Auch sie müssten wie die staatlichen Orchester und Bühnen von Bund und Ländern wirksam unterstützt werden.

Festspielhaus Baden-Baden über den Lockdown hinaus bis zum Jahresende geschlossen

Front des Festspielhauses in Baden-Baden (Foto: SWR)
Festspielhaus Baden-Baden

Das Festspielhaus in Baden-Baden schließt aufgrund der neuen Corona-Maßnahmen bis Ende des Jahres. Das teilte das Haus heute mit. Obwohl der sogenannte „Lockdown-light“ vorerst nur vier Wochen dauern soll, sehe man keine Möglichkeit, im Dezember Veranstaltungen stattfinden zu lassen. Es sei völlig unklar, wie die Situation zum Jahresende sein werde und wie schnell ein festspielwürdiges Programm wieder möglich sei, sagte der Intendant des Festspielhauses, Benedikt Stampa. Außerdem erfordere ein vierwöchiger Lockdown im Anschluss eine mindestens genauso lange Vorbereitungszeit.

Universitätsklinik Halle stellt Studienergebnisse zu Konzerten im Sommer vor

Rund zwei Monate nach drei Testkonzerten mit dem Popstar Tim Bendzko in Leipzig haben Wissenschaftler der Universitätsklinik Halle an der Saale die Studienergebnisse zum Corona-Infektionsrisiko bei Großveranstaltungen unter Pandemiebedingungen vorgestellt. Demnach senken bereits moderate Beschränkungen wie eine Reduzierung der Auslastung einer Veranstaltungshalle um 50 Prozent das Infektionsrisiko deutlich, wie die Forscher am 29. Oktober mitteilten.

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Nach der Bekanntgabe des Shutdowns für die Kultur melden sich Intendant*innen zu Wort

Kammerspiel-Chefin Barbara Mundel (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / Patrick Seeger/dpa)
picture alliance / Patrick Seeger/dpa

Die neue Chefin der Münchner Kammerspiele, Barbara Mundel, wirft der Politik nach der erneuten Schließung von Theatern „komplette Willkür" vor. In einer Demokratie müssten die Regeln für den Umgang mit der Corona-Seuche verhandelt werden. „Lernen und verhandeln kann man aber nicht, wenn mit Verboten und Willkür durchregiert wird", sagte Mundel der „Süddeutschen Zeitung". Auch nach Ansicht des Intendanten der Württembergischen Staatstheater Marc-Oliver Hendriks handelt es sich bei den rigorosen Maßnahmen um Symbolpolitik.

„Damit fallen Theater als Diskursorte mit einer wichtigen gesellschaftlichen Funktion aus", kritisierte Hendriks. „Es wirkt auf mich vielmehr ein bisschen so, als nehme man die attraktiven Dinge aus den Schaufenstern, nur damit die
Leute zu Hause bleiben", so Hendriks gegenüber der dpa.

28. Oktober

Wütender Appell von Till Brönner an die Politik: „Ihr tretet uns mit Füßen, wenn Ihr nicht handelt!“

Der Jazzmusiker Till Brönner (49) hat die Politik am 28. Oktober zu nachhaltiger Hilfe für die Veranstaltungs- und Kulturbranche aufgerufen. „Das Land steht kulturell still und die Beweglichsten und Ehrlichsten tretet ihr mit den Füßen, wenn ihr nicht handelt", sagte der Trompeter und Fotograf in einem bei Facebook und Instagram veröffentlichten Videoaufruf, der schnell viral ging. Im Veranstaltungsbereich seien mit 1,5 Millionen mehr Menschen beschäftigt als bei den Autobauern, die Branche erwirtschafte jedes Jahr rund 130 Milliarden Euro.

Gleichzeitig rief Till Brönner die Kulturschaffenden auf, notfalls eine Gewerkschaft zu gründen, um sich gemeinsam Gehör zu verschaffen. Kultur sei kein Luxus, sondern ein Menschenrecht - und spüle zudem viel Geld in die Staatskassen.

Bund und Länder beschließen Teil-Lockdown: Kultureinrichtungen sollen bis Ende November schließen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich mit den Ministerpräsidenten der Länder angesichts der drastisch steigenden Corona-Infektionszahlen auf einen teilweisen Lockdown ab Montag verständigt. Gastronomiebetriebe sollen bis Ende November schließen, private Treffen auf zwei Haushalte beschränkt werden, wie Merkel nach den per Videokonferenz erfolgten Beratungen am Mittwoch in Berlin mitteilte. Ebenfalls heruntergefahren werden soll der Kultur- und Freizeitbereich. Auf nicht notwendige Reisen soll verzichtet werden, touristische Übernachtungsmöglichkeiten soll es im November nicht geben.

Schulen und Kitas sowie Geschäfte sollen dagegen unter Auflagen offen bleiben. "Wir werden alles daran setzen, um Schulen und Kitas offen zu halten", sagte Merkel. Auch die Wirtschaft müsse soweit möglich intakt bleiben. Die Kanzlerin kündigte auch ein Hilfsprogramm für von den neuen Einschränkungen betroffene Betriebe an.

Die Regierung will also nahezu alle Bereiche schließen, die wie die Bekloppten Hygienekonzepte erarbeitet haben in den letzten Wochen (Gastro, Hotel, Fitness, Kultur), und genau da offen lassen, wo die Regierung es versäumt hat, Konzepte zu erarbeiten (Schulen etc.). Genial!

Essay Über die Tonkunst in Krisenzeiten – eine Ernüchterung

Weit über einhunderttausend Veranstaltungen sind coronabedingt ausgefallen. Wie „systemrelevant“ ist die Tonkunst überhaupt und welche Chancen könnte die Reduktion bieten?  mehr...

SWR2 Essay SWR2

#MusikNothilfe Die Kirche als Herberge der Musik: Stargeigerin Anne-Sophie Mutter und ihr Spendenaufruf

Die Kirche ist der einzige Ort, an dem in Corona-Zeiten Konzerte noch möglich sind. Kunscht! hat Stargeigerin Anne-Sophie Mutter und die Sängerin Seda Amir-Karayan zu Konzerten begleitet.  mehr...

Kunscht! SWR Fernsehen

"mal ehrlich...leere Säle, leere Kassen - Albtraum Lockdown?"

"mal ehrlich... leere Säle, leere Kassen -| Albtraum Lockdown?" -| Kleinunternehmen in der Corona-Krise, Bürgertalk mit Florian Weber, 2. Dezember um 22 Uhr im SWR Fernsehen  mehr...

"mal ehrlich... leere Säle, leere Kassen - Albtraum Lockdown?" SWR Fernsehen

Bericht Konzerthaus Berlin bietet freien Musiker*innen Auftritte ohne Saalmiete

Das Konzerthaus am Gendarmenmarkt bietet Musiker*innen der Freien Szene seine Säle im kommenden Jahr für zwei Monate kostenlos an. Auch die Ticketeinnahmen dürfen die Ensembles behalten. Ist das ein Vorbild für ganz Deutschland?  mehr...

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

Gespräch Kein Warten auf die Politik! Theater müssen eigene Konzepte entwickeln

„Wir können nicht nur dasitzen und hoffen, dass der frühere Status Quo wieder eintritt", sagt der Intendant des Münchner Volkstheaters, Christian Stückl, in SWR2. Damit reagiert auf einen Rat Thomas Ostermeiers von der Berliner Schaubühne, Theater im Winter besser ganz zu schließen als mit ständig wechselnden Corona-Auflagen zu kämpfen.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Corona-Krise Etat-Haushalt Konstanz: Schulden tilgen zulasten der Kultur?

Noch bekommen die Kommunen in der Corona-Krise finanzielle Unterstützung von Bund und Land. Aber was ist im kommenden Jahr? Wenn die Sonderhilfen etwa wegfallen und die Kommunen wieder ganz auf sich gestellt sind? Wie wird es dabei öffentlichen Kultureinrichtungen gehen? In Konstanz ist die Sorge vor Etatkürzungen groß. Mit Spannung werden die Haushaltsverhandlungen 2021 erwartet.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Corona Lockdown Light und die Folgen für die Kultur: Gespräch mit Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart

Wo bleibt die Relevanz von Kunst in Zeiten des Lockdown Light? Kunscht!-Moderatorin Ariane Binder spricht mit Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart, über Corona und die Folgen für die Kultur.  mehr...

Kunscht! SWR Fernsehen

Bühne „Bühnen-Lockdown“ in Rheinland-Pfalz: Theaterkrise von historischem Ausmaß

Der aktuelle „Bühnen-Lockdown“ der 12. Coronaverordnung Rheinland-Pfalz stößt bei den staatlichen Theatern auf Unverständnis und wird für die privaten zur Bedrohung ihrer Existenz. Die Intendanten befürchten, Publikum und freie Mitarbeiter unwiederbringlich zu verlieren. Auch in der Digitalisierung des Theaters sehen sie keine Lösung, da das Theater von der direkten Begegnung lebe. Claudia Wehner von den Mainzer Kammerspielen, Markus Müller vom Staatstheater Mainz, Lajos Wenzel von der Landesbühne Neuwied und Tillmann Gersch vom Pfalzbau Ludwigshafen berichten von der bedrohlichen Situation ihrer Bühnen.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Gespräch Marc Grandmontagne vom Deutschen Bühnenverein: „Kultur ist nicht nur irgendeine Freizeitaktivität"

Der Teil-Lockdown im November betrifft vor allem die Freizeit. Dazu gehört, so die Bundesregierung, auch der komplette Kulturbereich. Die Kultur sei aber nicht einfach irgend eine Freizeitaktivität, sagt Marc Grandmontagne, Direktor des Deutschen Bühnenvereins. Die Politik sollte an einer langfristigen Planung für einen offenen Kulturbetrieb in der Pandemie arbeiten, so Grandmontagne im Gespräch.  mehr...

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