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Der spanische Komponist Cristóbal Halffter ist am 23. Mai im Alter von 91 Jahren verstorben. Er gilt als einer der wichtigsten spanischen Komponisten der Gegenwart.

Cristobal Halffter in Wien, 03. 09. 2010. (Foto: Imago, IMAGO / SKATA)
Zu seinem mehr als 100 Kompositionen umfassenden Werk gehören Opern, Chor-, Kammerorchester- und symphonische Werke. Er erhielt auch Kompositionsaufträge für die Donaueschinger Musiktage. Imago IMAGO / SKATA

1930 in Madrid geboren, gehörte Cristóbal Halffter einer renommierten Musikerfamilie an. Halffters Onkel Ernesto und Rodolfo waren hoch angesehene Komponisten. Sie wurden Schüler von Manuel de Falla und als Komponisten Vertreter der musikalischen Erneuerungsbewegung in Spanien.

Cristóbal Halffters Ausbildung in Spanien war eher konservativ. Umso wichtiger war der Zugang zum Nachlass des Onkels Rodolfo, der nach Mexiko emigriert war. Hier studierte Halffter die klassische Moderne des 20. Jahrhunderts: Schönberg, Webern, Strawinsky.

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Ein mahnendes Gewissen für sein Land

Als Künstler verstand sich Halffter als mahnendes Gewissen und blieb dieser Rolle stets treu. Während der Franco-Diktatur gewann er einen Großteil seines künstlerischen Potenzials aus dem Widerstand gegen die Tyrannei. Seine Werke waren in dieser Zeit nicht erlaubt.

1960 komponierte er sein erstes zwölftöniges Stück „Cinco Microformas“ und schloss sich damit der Avantgarde an. Er besuchte in den 1963 die Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt und kam mit der europäischen Szene der zeitgenössischen Musik in Berührung; mit Boulez, Stockhausen, Berio und Pousseur.

Halffters Musik ist tief in der spanischen Musik- und Kulturgeschichte verwurzelt. Er kombinierte alte musikalische Formen wie Tiento, Batalla oder Ricercar mit seiner eigenen Klangwelt, zitierte und paraphrasierte alte Meister.

Werk

„Tiento del primer tono y batalla imperial“, sein meistgespieltes Orchesterwerk, gleichzeitig ein Geschenk an Paul Sacher zu dessen 80. Geburtstag, kombiniert fesselnd die imperiale Geste spanischer Dommusik mit Halffters individueller Klangsprache.

Zehn Jahre lang arbeitete er an seiner ersten Oper „Don Quijote“. Im Jahr 2000 wurde sie im neuen Madrider Teatro Real uraufgeführt. Die deutsche Erstaufführung in Kiel 2006 war ein großer Erfolg. Trotz einiger Anspielungen an spanische Renaissancemusik sind die bitteren politischen Aspekte unüberhörbar.

„Lázaro“, 2008 uraufgeführt, zeigte den an die utopische Kraft der Spiritualität glaubenden Halffter. Seine letzte Oper „Schachnovelle“, nach der Vorlage von Stefan Zweig, stellte erneut die Frage nach moralischer Standfestigkeit. 2013 in Kiel uraufgeführt, wurde sie von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als Uraufführung des Jahres bezeichnet.

JetztMusik Cristóbal Halffter - Der Reiz des Verbotenen

Er ist in einer traditionsreichen Musikerfamilie aufgewachsen, in der Künstler wie Federico García Lorca oder Salvador Dalí ein und aus gingen. Dieser Background beeinflusste Cristóbal Halffter nachhaltig. Nicht weniger prägend waren jedoch auch die Erfahrungen des spanischen Bürgerkriegs, vor dem die Familie 1936 nach Deutschland floh. Es ist daher nicht verwunderlich, dass seine Arbeit von einem tiefen Humanismus getragen ist. Am 23. Mai 2021 ist Cristóbal Halffter im Alter von 91 Jahren gestorben. (SWR 2007)  mehr...

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