Biografie über Duke Ellington – einen der einflussreichsten amerikanischen Jazz-Musiker Auch für Musiklaien

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Buchkritik vom 4.10.2017

Für den Darmstädter Jazz-Experten Wolfram Knauer ist Ellington einer der wichtigsten Komponisten des modernen Jazz, ein Meister des Bigbandsounds, ein Schöpfer unvergesslicher Melodien. – Eine Klavierlehrerin, ein Barpianist und ein Musiklehrer brachten dem 1899 in Washington D. C. als Edward Kennedy Ellington geborenen Musiker das Klavierspielen bei. Als er merkte, dass man damit gutes Geld verdienen konnte, wurde er Berufsmusiker, gründete bald seine ersten eigenen Bands. Er lernte vor allem nach Gehör, nicht nach Noten und das sollte seine gesamte Laufbahn prägen. Wolfram Knauer beschreibt ihn

Die Biografie zeichnet den Weg dieses Ausnahmemusikers vor allem anhand seiner wichtigsten Kompositionen nach. Typisch für Ellington war, dass nichts endgültig feststand. Ständig wurden Stücke umgebaut. Zudem komponierte Ellington unermüdlich neue Musik. Der Nachlass, den Wolfram Knauer im Washingtoner Smithsonian Institut einsehen konnte, zeigt das Rudimentäre der Kompositionen. Typisch für Duke Ellington war, dass er bisweilen bei einem Konzert Teile seiner Komposition umstellte, ergänzte, veränderte.

Genau das definiert den Jazz: seine ständige Wandelbarkeit, seine stete Suche nach neuem Ausdruck. Insofern war Duke Ellington auch ein Vorreiter des improvisierenden Jazz. Den Bandleader zeichnete zudem ein untrügliches Gespür für außergewöhnliche Begabung und technische Brillanz aus. Er integrierte exzellente Solisten mit individuell unverwechselbarem Klang so in die Band, dass sie mit Improvisationen glänzen konnten, ohne den typischen Bandsound zu verändern. Aus genau diesem Grund stellt Wolfram Knauer einzelne Musiker bisweilen etwas zu ausführlich in seiner Ellington Biografie vor. Das gilt allerdings nicht für den Komponisten Billy Strayhorn, denn der war für Ellington extrem wichtig. Die beiden schrieben viele Kompositionen zusammen, außerdem arrangierte Strayhorn Ellingtons Stücke für die Band. Eine enge lebenslange Freundschaft verband die beiden.

Der Autor zeigt Duke Ellington zudem als einen Mann, der ein perfektes Gespür für Showeffekte besaß und für Melodien, die den Geschmack des Publikums trafen:

Als sein ästhetisches Manifest bezeichnet Wolfgang Knauer ein Stück, das Ellington 1932 schrieb: It don’t mean a thing if it ain’t got that swing. Es ist alles nichts wert, wenn es keinen swing besitzt. Und swing besaß Duke Ellingtons Band ganz bestimmt.

So populär und gefeiert der Bandleader auch war, die Rassentrennung – insbesondere im Süden der USA – traf auch ihn. Seine Band, alles schwarze Musiker, trat entweder vor weißem oder schwarzem Publikum auf, Gemeinsamkeit war undenkbar. Auch wenn sich der Bandleader aus der Tagespolitik raushielt, so hieß das keineswegs, dass er unpolitisch war. Wolfram Knauer schreibt denn auch:

Duke Ellington und seine Musik, das war die Stimme des selbstbewussten schwarzen Amerika. Wolfram Knauer zeigt seinen Aufstieg zum gefeierten Bandleader – ein hart erkämpfter Erfolg mit zahllosen anstrengenden Touren, frühzeitigen Plattenproduktionen, manchen Enttäuschungen. Das Buch erwähnt die triumphalen Erfolge ebenso wie den Karriereknick in den 50er Jahren und den erneuten Aufstieg. Wolfram Knauer zeigt Ellington als großen Charmeur und Frauenhelden, als modebewussten, den Luxus liebenden Mann, wie mehr als 50 Fotos dokumentieren. Ellingtons Privatleben interessiert den Musikwissenschaftler kaum. Stattdessen analysiert er lieber durchaus auch für Musiklaien verständlich dessen Musik. Für ihn ist der Komponist ein Mann, der

Wolfram Knauer gelingt es, uns einen musikverliebten Magier nahezubringen, der nie müde wurde, nach Neuem zu suchen.

Buchkritik vom 4.10.2017 aus der Sendung „SWR2 Cluster“

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