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Da viele Musiker*innen seit der großen Corona-Pause Auftrittsmöglichkeiten suchen, appelliert die Deutsche Orchestervereinigung an die Kirchen, die Musiker*innen für die Gottesdienste zu engagieren. Mit Musik würden Gottesdienste auch nicht trostlos wirken, weiß die Musikwissenschaft.

Kirchenfenster in Annecy (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Fred de Noyelle)
Das Gebot der Stunde für das musikalische Lob Gottes: Instrumentalmusik statt Gesang Fred de Noyelle

Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) appelliert an die Kirchen, in den kommenden Wochen bei Gottesdiensten bevorzugt freischaffende Musiker auftreten zu lassen und diese zu bezahlen. "Das könnte für viele ein erster Schritt zurück in ein 'normales' Berufsleben und in die Selbstständigkeit sein", erklärte Gerald Mertens, DOV-Geschäftsführer am Mittwoch, 20. Mai, in Berlin. In Briefen an die Vorsitzenden der beiden großen christlichen Kirchen regte der Verband solche honorierten Auftritte an.

Musik bei Gottesdiensten schafft Einkommen

Kirchen können seit Anfang Mai wieder Gottesdienste und Amtshandlungen mit größeren Gemeindegruppen abhalten. Gemeinde- und Chorgesang sind dagegen in den meisten Bistümern aus Gründen des Gesundheitsschutzes untersagt. "Diese Lücke könnten freischaffende Musiker*innen füllen", sagte Mertens. Die Kirche würden damit auch "einen wichtigen Beitrag für diese besonders betroffene Berufsgruppe leisten", die durch die Corona-Pandemie seit Mitte März viele ihrer Verdienstmöglichkeiten verloren haben.

Gottesdienste ohne Musik: trostlos

Wie wichtig Musik in Gottesdiensten ist, betont auch der Heidelberger Musikwissenschaftler Michael Kaufmann. "Gottesdienste ohne Musik wirken trostlos, denn Wort und Klang gehören zusammen", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es sei richtig, dass die Kirchen detaillierte Hygienekonzepte zur Eindämmung der Corona-Pandemie entwickelt hätten, betonte der Orgelsachverständige. "Dennoch gehören die rationale und die emotionale Komponente zusammen." Viele Besucher wüssten es zu schätzen, dass Gottesdienste wieder möglich seien und dass vielerorts die Orgel erklingen könne.

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